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TTBL goes USA: „Es geht um Punkte und ist kein Showkampf“

Nico Stehle sieht eine große Chance für den deutschen Tischtennissport und die TTBL (©BeLa Sportfoto)

21.11.2017 - Am Freitag werden wir Zeuge eines historischen Ereignisses: Erstmals in der Geschichte der Tischtennisbundesliga wird ein TTBL-Spiel in den USA ausgetragen. Bevor der Post SV Mühlhausen und ASV Grünwettersbach am Freitag in die Box steigen, fragten wir den Geschäftsführer der TTBL Sport GmbH, Nico Stehle, wie es überhaupt zu dieser Idee gekommen ist, wie glatt die Vorbereitungen liefen und wer das Ganze eigentlich finanziert.

myTischtennis.de: Ein TTBL-Spiel in den USA - wie lautet die Geschichte hinter dieser Idee? Wie ist es dazu gekommen?

Nico Stehle: JOOLA USA ist damit auf uns zugekommen. Ihr jährliches Turnier, die „North American Team Championships“, feiert in diesem Jahr 20. Jubiläum und JOOLA wollte zu diesem Anlass etwas Besonderes machen. Also fragten sie uns, ob es möglich sei, ein TTBL-Spiel im Rahmen dieses größten internationalen Mannschaftsturniers der USA in Washington auszutragen. Wir standen dieser Idee ganz offen und positiv gegenüber und haben sie mit den Bundesligisten besprochen, die den Ball direkt aufnahmen.

myTischtennis.de: Was war dein persönlicher erster Impuls, als das an dich herangetragen wurde? Fandest du von Anfang an, dass das eine Wahnsinnsidee ist, oder gab es auch Zweifel?

Nico Stehle: Ich fand von Anfang an, dass das eine wirklich tolle Sache ist. Und ich glaube, dass dieses Spiel für die TTBL und prinzipiell für Tischtennis in Deutschland eine Möglichkeit darstellt, international bekannter zu werden. Wir sind eine der besten Ligen der Welt und es ist toll, wenn in den USA solcherlei Interesse besteht. Das beweist ja auch den Stellenwert der TTBL. An den Mediadaten unserer Webseite konnten wir auch vorher schon ablesen, dass das internationale Interesse wächst. Knapp ein Viertel unserer User greift aus dem Ausland auf unsere Seite zu. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, uns internationaler auszurichten und die Webseite pünktlich zum Spiel in Washington auch auf Englisch anzubieten.

myTischtennis.de: Wie wird das genau aussehen? Das ist ja sicher eine Menge Aufwand.

Nico Stehle: Es gibt eine deutsche und eine englische Version, wobei diese nicht 1:1 identisch sind. Die englische Version wird leicht abgespeckt sein, jedoch trotzdem mit vielen News und allen wichtigen Fakten rund um die TTBL. Für den internationalen User somit definitiv attraktiver und besser verständlich. Der Livestream des Spiels Mühlhausen gegen Grünwettersbach - übrigens eine aufwendige Mehrkameraproduktion - wird auch englisch kommentiert werden.

myTischtennis.de: Wieso dürfen ausgerechnet diese beiden Vereine dieses Abenteuer bestreiten?

Nico Stehle: Wir sind da natürlich in den Dialog mit den Vereinen gegangen und haben gefragt, wer Interesse hätte. Das Datum war schließlich fix und man muss erst einmal schauen, ob die Spieler schon andere Verpflichtungen haben, wer sich den Reisestrapazen aussetzen will und ob es andere Zwänge gibt, die die Mannschaften davon abhalten könnten. Am Ende haben sich diese beiden Vereine herauskristallisiert und wir konnten dies in der Spielplanung berücksichtigen.

myTischtennis.de: Ich hätte erwartet, dass Grünwettersbach als einziger JOOLA-Verein der TTBL quasi schon gesetzt war…

Nico Stehle: Das nicht, aber Grünwettersbach hat sehr schnell Interesse angemeldet und war dann auch eine der treibenden Kräfte.

myTischtennis.de: Das Ganze ist sicherlich auch eine tolle Chance für den Tischtennissport, mal wieder aus der Szene rauszukommen und vielleicht auf den Radar wichtiger Medienorgane zu gelangen. Habt ihr da noch mehr in Richtung Vermarktung geplant? 

Nico Stehle: Wir haben bereits auf die Ankündigung des Spiels in den USA eine tolle Resonanz erhalten. Der Meldung wurde von großen Medien Beachtung geschenkt. Jetzt kurz vor dem Event wollen wir noch mal intensiv die Werbetrommel rühren.

myTischtennis.de: Wer trägt eigentlich die Kosten für die Flüge, Unterkünfte etc.?

Nico Stehle: Die Kosten werden größtenteils vom amerikanischen Ausrichter getragen.

myTischtennis.de: Und fährt auch ein deutscher Schiedsrichter mit oder wer zählt dort? 

Nico Stehle: Den Job übernehmen amerikanische Schiedsrichter mit internationaler Lizenz. Deshalb haben wir auch alle Formulare auf Englisch übersetzt. Das Spiel muss unter den normalen TTBL-Bedingungen ausgetragen werden, was viel Vorbereitung im Vorfeld bedeutete. So wird auf rotem Boden, mit Balljungen und mehreren Bällen gespielt und das Ganze wird live übertragen. Es geht, auch wenn das Spiel in den USA stattfindet, um Punkte und ist kein Showkampf.

myTischtennis.de: Wie lief die Organisation denn prinzipiell? Mussten viele Hürden übersprungen werden?

Nico Stehle: Nein, gar nicht. Bisher lief alles reibungslos und wir hatten wirklich einen guten Austausch. Wir haben ja auch ein großes Interesse daran, das Spiel dort auszutragen - von daher standen wir mit Rat und Tat bereit. Aber auch von der amerikanischen Seite kamen gute Ideen. Für sie ist ein Bundesligaspiel neu. Aber ein Grund für die Ausrichter war ja auch, in den USA zu demonstrieren, wie Tischtennis in der deutschen Bundesliga gespielt wird. Daher waren sie mehr als gewillt, unsere Standards bestmöglich zu erfüllen.

myTischtennis.de: Gefühlt geht gerade einiges in Sachen Tischtennis in den USA: dieses TTBL-Spiel jetzt in Washington, dann noch ein paar große ITTF-Turniere in den vergangenen Jahren und sie haben sich auch noch für die WM 2020 beworben. Was passiert da gerade?

Nico Stehle: Ja, ich habe auch das Gefühl, dass sich da etwas entwickelt hat. Und zwar zum einen, was die spielerische Qualität angeht - das konnten wir zum Beispiel bei der WM in Düsseldorf sehen. Zum anderen haben sie Tischtennis schon vor Jahren mit den SPiN-Clubs in die Lifestyleszene gebracht. Dann wurden sie auch noch Ausrichter großer Turniere, wie des Damen-World-Cups im vergangenen Jahr. Dort scheint ein wirklicher Aufbruch stattzufinden - und ich bin froh, dass die TTBL in der frühen Phase dieser Entwicklung dabei ist. Ich fände es toll, wenn sich da eine Tischtennisbewegung formieren würde.

myTischtennis.de: Zum Abschluss hätte ich gerne noch deinen Expertentipp. Wie geht das Spiel am Freitag aus?

Nico Stehle: Ich glaube, das wird ein ganz offenes Match. Mühlhausen ist in einer unglaublichen Form, aber Grünwettersbach ist gerade mit Masataka Morizono unberechenbar und schwer zu schlagen. Ich möchte mich nicht festlegen, aber ich denke, dass es eng wird. Es könnte gut auch über fünf Partien gehen.

(JS)

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