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Dietmars Blog: Banger Blick auf 2021

Im ITTF-Kalender für 2021 herrscht aktuell noch gähnende Leere (©ITTF)

04.08.2020 - Bald fünf Monate hält das Corona-Virus die Menschheit und damit auch die Tischtennis-Welt nun schon in Atem – oder besser gesagt: im Würgegriff. Nachdem viele wichtige Turniere für 2020 schon gestrichen sind oder wahrscheinlich noch abgesagt werden müssen, richtet sich der bange Blick der Fans inzwischen zunehmend auf das kommende Jahr. Aus Sicht unseres Bloggers Dietmar Kramer sind für einen strukturierten Wettkampfkalender in 2021 allerdings noch einige Probleme zu lösen.

Die Turnier-Saison 2020 im internationalen Tischtennis muss schon Anfang August als praktisch gelaufen angesehen werden. Die weltweit wieder steigenden Zahlen von Corona-Infektionen lassen realistischerweise kaum einen anderen Schluss zu. Hinter noch geplanten Highlights wie der Einzel-EM im September in Polens Hauptstadt Warschau, dem Herren-Weltcup in Düsseldorf oder einem zuletzt auch noch in Betracht gezogenen Jahres-Finalturnier stehen immer größer werdende Fragezeichen, und sollten diese Wettbewerbe trotz der wieder deutlich besorgniserregender gewordenen Entwicklung der Pandemie durch enormen organisatorischen Aufwand und vermutlich noch höheren finanziellen Einsatz doch stattfinden können, müssen in letzter Konsequenz am sportlichen Wert der Events wohl einige Abstriche gemacht werden.

Umso mehr richtet sich der Blick inzwischen auf 2021. Bei genauerer Betrachtung des Kalenders jedoch dürfte den Organisatoren der großen Veranstaltungen im kommenden Jahr auch schon wieder angst und bange werden: Bekommt die Weltgemeinschaft nämlich das Virus nicht in den Griff, könnte auch 2021 ein weitgehend verlorenes Jahr werden. Denn neben neuerlichen Absagen erscheint auch unter der Annahme einer dauerhaften Eindämmung des Infektionsgeschehens auf dem Globus bestenfalls ein wilder Flickenteppich von Wettbewerben möglich – und wieder einmal eine Terminhatz.

Team-WM und Olympia einzige Fixpunkte – unter Vorbehalt

Gerade einmal zwei - relative - Fixpunkte sind im internationalen Kalender für das kommende Jahr auszumachen:  Die bereits dreimal verschobene Mannschafts-WM im südkoreanischen Busan soll nun im vierten Anlauf vom 28. Februar bis 7. März stattfinden, und die 2020 ausgefallenen Olympischen Spiele in Tokio sind nun 52 Wochen später für den Zeitraum vom 23. Juli bis 8. August angesetzt. Doch schon seit einiger Zeit machen sich die Macher dieser Großveranstaltungen neue Sorgen, wie denn die erwartet großen Mengen an Aktiven, Delegationsangehörigen, Medienvertretern und Zuschauern unter Beachtung aller Corona-Vorschriften Platz in den vorgesehenen Arenen finden können.

Noch mehr der Quadratur des Kreises kommt vermutlich die weitere Planung – auch Bundesliga- und Europacup-Spiele außen vor gelassen - gleich. Immerhin müssen rund um die Mitte der ersten Jahreshälfte auch schon alle kontinentalen Olympia-Qualifikationsturniere abgeschlossen sein und schon kurz danach auch die letzten zu vergebenden Tokio-Tickets ausgespielt werden. Dazu ist im Normalfall noch vor der WM in Asien ein Wochenende für das Europe Top 16 zu reservieren. 

Ein bislang größeres Problem für das Vorfeld der Sommerspiele in Nippon hat sich mittlerweile wohl von selbst erledigt: Die vor der Olympia-Verschiebung für die zweite Juni-Hälfte terminierte WM-Premiere in den USA galt zwar bereits in den vergangenen Wochen als nicht mehr haltbar, doch erst Ende vergangenen Monats signalisierte der US-Verband seinen Rücktritt von der Ausrichtung der Einzel-Titelkämpfe in Houston/Texas. Ob das WM-Turnier turnusmäßig nach Olympia an anderer Stelle stattfindet, darf bezweifelt werden. Denn die zweite Jahreshälfte scheint bei möglichen Veranstaltern über die schon für den Herbstanfang im rumänischen Cluj angesetzte Mannschafts-EM hinaus der bevorzugte Zeitraum für ihre jeweils geplanten Events zu sein. Die Gründe liegen auf der Hand: Ab August/September muten die Chancen auf ein gesunkenes Infektionsrisiko durch das Corona-Virus deutlich niedriger an als noch vor den Sommerspielen.

Fragezeichen auch hinter der neuen WTT-Serie

Die voraussehbare Ballung von Terminen ausgerechnet in 2021 stellt zudem den Weltverband ITTF vor ein besonderes Problem: Für das nächste Jahr ist nämlich die schon lautstark angekündigte Einführung der World-Tour-Nachfolgeserie „World Table Tennis“ mit den insgesamt vier millionenschwer dotierten „Grand Smashes“-Leuchtturmevents fest eingeplant. Die Projektmacher stecken dabei in einer Zwickmühle: Die ursprünglich über das Jahr verteilte Durchführung der „Grand Smashes“ birgt aus heutiger Sicht einerseits zumindest bis zum nächsten Sommer noch das Risiko von Komplettausfällen der Turniere oder – eben auch wegen Olympia - zumindest Absagen höchst prominenter Aktiven, die aber die Zugpferde der Highlights sein sollen. Eine womöglich etwas gesichertere Ausrichtung der Turniere und auch des als Jahresfinale konzipierten „WTT Cup“ ausschließlich zwischen Olympia und Weihnachten würde den Wettkämpfen andererseits weitgehend ihren Charakter als absolute Höhepunkte schon bei den ersten Auflagen rauben – und damit auch die erhofften Vermarktungsmöglichkeiten gehörig einschränken. 

Nicht von ungefähr ist bei der ITTF schon ein „Plan B“ in der Mache. Jedenfalls sickerte zuletzt durch, dass zumindest für 2021 eine Veränderung des ursprünglichen WTT-Konzepts nicht mehr ausgeschlossen scheint. 

Organisatoren und Verbände nicht Herr des Geschehens

Die Krux ist offenkundig: Die ITTF, der Europaverband ETTU und seine kontinentalen Schwester-Organisationen oder auch die Tischtennis-Bundesliga können die nächsten Wochen und auch Monate noch so sorgfältig planen, das tatsächliche Geschehen aber liegt beinahe kaum in ihren Händen. Zu unwägbar erscheinen wenigstens momentan noch sowohl das Infektionsgeschehen als auch die damit einhergehenden Beschränkungen für die Durchführung von Sportveranstaltungen oder auch nur die damit verbundenen Reisen und Quarantäne-Bestimmungen.

Deshalb könnten die Hoffnungen der Fans auch für das kommende Jahr auf die Rückkehr zu einer weitgehenden Normalität durchaus enttäuscht werden. Denn in diesen Zeiten ist nur sicher, dass praktisch nichts sicher ist. 

(Dietmar Kramer)

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