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Lennarts Blog: Endlich wieder Topsport!

Omar Assar kämpft am Dienstag bei den Düsseldorf Masters um den Einzug ins Halbfinale. (©Fabig)

02.06.2020 - Das denken sich sicherlich nicht nur die 16 Tischtennisprofis, die bei den seit gestern laufenden Düsseldorf Masters an den Start gehen, sondern auch viele aus gesamten Tischtenniscommunity, die seit Wochen auf Livebilder ihrer Sportart verzichten müssen. Selten herrschte eine so einvernehmliche Zustimmung in der Tischtennisszene gegenüber der Idee aus der Kreativwerkstatt Borussia Düsseldorf, dessen Team um Manager Andreas Preuß mal wieder Maßstäbe setzt mit dem neuen Wettkampfformat.

Die Macher aus der europäischen Tischtennishauptstadt sind mit der international bislang ersten und einzigen Turnierserie auf diesem Niveau Trendsetter und Hoffnungsträger zugleich. Denn: Nicht nur für die Berufssport der Düsseldorfer Trainingsgruppe mit den deutschen Stars Timo Boll und Dima Ovtcharov hat das Turnier Signalwirkung und ist ein wichtiger Impuls in der wochenlangen, hin und wieder sicherlich eintönigen Trainingsphase in den Hallen des DTTZ, sondern auch die Basis blickt gespannt auf den Wettstreit unter besonderen Bedingungen. Die Botschaft, die aus der Heimspielstätte der Borussia dringen könnte, lautet: Wettkampfsport ist möglich! Die neue Saison kann kommen, allen Umständen zum Trotz! 

Medienpräsenz dringend notwendig

Das Düsseldorf Masters soll nahezu wöchentlich durchgeführt werden und sorgt dadurch für mediales Futter, das nach dem Abbruch der Tischtennisligen Mitte März, schmerzlich vermisst wird. Live-Übertragungen der Matches aus dem Center Court werden über die Plattform sportdeutschland-tv.de gezeigt und versorgt die Tischtennisfans mit Content. Die Livebilder sind mittlerweile auch dringend notwendig und gehen Hand in Hand mit den Maßnahmen zur Wiederaufnahme des Trainings in vielen Hallen der Republik. Insbesondere die vielen (jugendlichen) Anfänger brauchen Tischtennispräsenz in ihrem Alltag.

Ich glaube, dass der Nachwuchs gebunden werden muss, am besten über den medialen und praktischen Restart vor der Sommerpause – ansonsten droht der Sport schlicht in Vergessenheit zu geraten. Vielleicht schafft es die Turnierserie sogar in die großen Sportformate und kreiert dadurch einen Mehrwert, der über den für die Tischtenniswelt hinausreicht. Neben der Fußballbundesliga, deren Weiterführung ja durchaus kontrovers diskutiert wurde und wird, ist die Anzahl von Livesportevents bisher sehr überschaubar. Auch die großen Sportredaktionen sind auf der Suche nach Inhalt – in diese Lücke könnte das Düsseldorf Masters stoßen. Mit Timo Boll und Dima Ovtcharov sind die beiden medialen Zugpferde unserer Sportart am Start und das Turnier für Sportschau und Co. damit bestimmt auf dem Radar. 

Hoher sportlicher Stellenwert trotz gewöhnungsbedürftiger Atmosphäre

Natürlich wirkt das Geschehen am Tisch auf den interessierten Zuschauer am Bildschirm nicht wie gewohnt. Wie auch? - bei fehlendem Zuschauergetöse im normalerweise stets ausverkauften Center Court von Deutschlands erfolgreichster Tischtennismannschaft. Auch der Umstand, dass Manager Enno Preuß und Pressesprecher Alexander Schilling mit Mundschutz und Handschuhen höchst selbst hinter den Zählgeräten agieren, unterstreicht, dass das Wettkampfgeschehen alles andere ist als normal. Doch das deutsche Sportpublikum müsste sich nach mehreren Spieltagen der Fußballbundesliga vor leeren Rängen an eine merkwürdige Atmosphäre gewöhnt haben – hitzige Debatten über die nicht einzuhaltenden Sicherheitsabstände dürfte unser Sport zumindest nicht haben, in Düsseldorf wird sogar auf einen Seitenwechsel nach jedem Satz verzichtet. Nicht zuletzt die Profis an den Tischen dürften die fehlende Stimmung in der Halle gerne in Kauf nehmen für eine wichtige Abwechslung im von strengen Auflagen begleiteten Trainingsalltag, der mit Sicherheit für den einen oder anderen Athleten mittlerweile ermüdend und wenig motivierend ist.

Insbesondere die junge Garde hinter den arrivierten Bundesligaprofis von Borussia Düsseldorf und dem Olympia- und Perspektivkader des DTTB, will und wird die Turnierserie nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen und Nationaltrainer Jörg Roßkopf zu zeigen, wie gut der lange, coronabedingte Trainingsblock genutzt wurde. Erfrischend lautstark und mit guter Körpersprache präsentierte sich die Generation um Meissner, Fadeev und Meng zumindest beim ersten Aufeinandertreffen mit den gesetzten Topspielern, wenngleich noch keine Überraschung in der ersten Runde gelingen wollte. Apropos Lautstärke: Bei all der professionellen Bilder durch mehrere Kameras und Perspektiven, mir fehlt bislang ein kompetenter Kommentator, der eben jene jungen deutschen Nachwuchshoffnungen vorstellt und dem ganzen Event auch eine Stimme gibt. 

Entwicklungsfähiges Format für die Zukunft und bitte auch für die Damen!

Nicht nur Tischtennisdeutschland blickt auf das Geschehen am Düsseldorfer Staufenplatz, auch die weltweite Pingpong-Gemeinde wird ganz genau hinschauen, wie der Wettkampf von Aktiven und Zuschauern angenommen wird. Denn an große internationale Events wie die des Tischtennis-Weltverbands und seiner Worldtour ist bislang nicht zu denken, solange einzelne Regionen noch oder immer wieder stark von der Corona-Pandemie betroffen sind. Auch deshalb ist das Format der Düsseldorfer und des DTTB in meinen Augen eine sehr gute Idee, die vielleicht sogar internationale Nachahmer findet.  Es wäre unserem Sport zu wünschen! Und vielleicht bin ich zu vorschnell, aber noch fehlt mir der Hinweis, dass das gleiche Format mit einer ähnlichen Abgeklärtheit und Medienwirksamkeit auch für den weiblichen Bereich aufgezogen wird. Gerade die Mannschaften der Damenbundesliga samt ihrer Profispielerinnen haben mit der aktuellen Situation finanziell bestimmt zu kämpfen und könnten, neben all den sportlichen Vorteilen, eine Bühne für ihre Sponsoren gut gebrauchen!

(Lennart Wehking)

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