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Dietmars Blog: Die Finals - die Chance

"Die Finals" würden Tischtennis eine größere TV-Präsenz bringen (©Roscher)

05.11.2019 - Tischtennis ist im Gespräch, 2020 bei „Die Finals“ in vier nordrhein-westfälischen Städten ins Programm der Multi-DM olympischer Sommersportarten aufgenommen zu werden. Zwar sind die entsprechenden Pläne anscheinend noch nicht endgültig und damit offiziell auch noch nicht spruchreif. Doch nach Ansicht unseres Bloggers Dietmar Kramer ist die Offerte der Veranstalter aufgrund der Aussicht auf ein Millionenpublikum vor den TV-Geräten jede Mühe wert.

Es ist gerade einmal drei Monate her, da mussten Tischtennis-Fans in Deutschland wieder einmal großen Frust schieben. Die Premiere von „Die Finals“ lockte am ersten August-Wochenende beinahe 200.000 Sportbegeisterte zur neuen Multi-DM olympischer Sommersportarten nach Berlin und an beiden Tagen ein Millionenpublikum von Zuschauern vor die Bildschirmen der Republik. Große bis sehr große Zufriedenheit bei den beteiligten zehn Sportverbänden mit so ungewohnt viel Stimmung auf den Tribünen, Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und Echo in den Medien einerseits und geradezu Begeisterung bei den übertragenden TV-Sendern ARD und ZDF über tatsächlich starke Quoten andererseits waren das gute Ergebnis. Lange Gesichter dagegen im Tischtennis-Lager: Da waren die beiden wichtigsten Multiplikatoren des Sports endlich einmal über ihren Schatten gesprungen und berichteten endlich einmal wieder ausführlich und vielfältig über anderen Sport als Fußball, Fußball, Fußball und noch einige Winter-Disziplinen. Doch Tischtennis blieb trotz des immensen Aufwands nur die Rolle eines traurigen Zaungastes.

Die Liste möglicher Gründe dafür ist nicht kurz gewesen, allerdings auch komplex. Allerdings entstand im Zusammenhang mit dem Mega-Event an der Spree unabhängig von sachlichen Erklärungsansätzen zumindest auch noch der Eindruck, dass eine große Gelegenheit für das Tischtennis womöglich nur schlichtweg nicht ernsthaft und nachdrücklich verfolgt worden war.

Rätselraten nach dem Ausschlussprinzip

Die Scharte, warum auch immer letztlich entstanden, scheint jedoch bereits wieder ausgewetzt: Am langen Wochenende rund um Allerheiligen machten die Organisatoren von „Die Finals“ ihre Pläne für die zweite Auflage der Veranstaltung am ersten Juni-Wochenende 2020 in vier nordrhein-westfälischen Städten (Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen und Aachen) öffentlich – und sickerten vor allem auch Überlegungen für einen Tischtennis-Wettbewerb im Rahmen des ‚Mini-Olympia‘ kurz vor den Sommerspielen in Tokio am Schauplatz Düsseldorf durch. Seither herrscht Rätselraten in Tischtennis-Deutschland: Wie kann denn, wie soll denn unser Sport beim ‚Festival deutscher Meisterschaften‘ vertreten sein?

Nach dem Ausschlussprinzip erscheint das Finale der Herren-Bundesliga als die einzig logische Möglichkeit. Denn a) sollen die nationalen Einzel-Titelkämpfe im nächsten Jahr in Chemnitz, so ist aus dem Umfeld des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) zu hören, nicht von dem Multi-DM-Projekt tangiert sein und mithin weder der traditionelle Termin Ende Februar/Anfang März verschoben noch das Turnierprogramm beschnitten werden, sind b) die German Open, würde man sich überhaupt auf einen solch ‚kleinen‘ Etikettenschwindel einlassen wollen, bereits auf den Februar terminiert, bietet c) die Damen-Bundesliga durch die Streichung der Play-offs kein Finale als Saisonhöhepunkt mehr, laufen d) wie aus TTBL-Kreisen verlautet bereits schon einige Zeit entsprechende Gespräche mit den „Finals“-Machern, ist das TTBL-Endspiel e) ohnehin schon just für dasselbe Wochenende von „Die Finals“ (6./7. Juni) angesetzt und außerdem vor allem auch f) das einzige rein nationale Highlight mit einer wenigstens recht hohen Wahrscheinlichkeit für eine Beteiligung des deutschen Topstars und Publikumslieblings Timo Boll. Realistisch betrachtet wäre der Rekordeuropameister bei einem Tischtennis-Event bei den „Finals“ derzeit auch die einzig denkbare Zugnummer sowohl für größere Besucherscharen als auch TV-Zuschauer.

Großes TV-Publikum vs. aufgebaute Marke

Gleichwohl dürften bei den TTBL-Machern zwei Herzen in einer Brust schlagen. Zum einen würde die Aufnahme des Bundesliga-Endspiels in das „Finals“-Programm die lang ersehnte Rückkehr auf die große TV-Bühne mit einer mutmaßlich längeren Live-Strecke bedeuten; zum anderen aber entstünden mehrere knifflige Probleme.

Da wäre zunächst vor allem die zumindest einjährige Abkehr vom jahrelang mit viel Mühe aufgebauten und deswegen zuletzt auch erfolgreichen Endspiel-Standort Frankfurt: Was den Fußball-Fans das DFB-Pokalendspiel Berlin ist, ist den Tischtennis-Liebhabern inzwischen das TTBL-Finale in der Mainmetropole – wenn auch längst noch nicht so kultig wie Berlin, aber immerhin doch schon ein bisschen. Die Liga dürfte in den Verhandlungen mit den Hessen über einen Vertrag auch für 2020 denn auch schon über das Anfangsstadium hinaus gekommen sein, ein Rückzieher eingedenk der bereits mehrjährigen Partnerschaft umso schwerer fallen. Darüber hinaus müssten die TTBL und ihre Klubs in Kauf nehmen, dass bei einem Endspiel im „Finals“-Programm womöglich Rekordmeister Borussia Düsseldorf im Falle seiner Endspielteilnahme anders als bei den vergangenen Titelvergaben im von Anfang an neutralen Frankfurt in den Genuss eines kaum zu ignorierenden Heimvorteils kommen würde. 

Die Veröffentlichung der bis zuletzt nicht bekannt gewesenen „Finals“-Pläne für 2020 aber lassen der TTBL kaum noch eine Wahl: Ein Endspiel erneut in Frankfurt am selben Wochenende wie „Die Finals“ von insgesamt 15 anderen Sportarten in NRW würde das Premium-Event der TTBL in der Wahrnehmung der breiteren Öffentlichkeit mit recht großer Sicherheit faktisch als ausgefallen, als nicht existent erscheinen lassen.

Schauplatz Düsseldorf nicht nur ein Selbstläufer

Am geplanten Tischtennis-Schauplatz der „Finals“ in Düsseldorf allerdings wäre das TTBL-Endspiel trotz der in Deutschland wohl einmaligen Tischtennis-Affinität der NRW-Metropole nicht nur ein Selbstläufer. So verlockend die Aussicht auf Publicity bei den „Finals“ auch ist, so sehr besteht gerade in der Heimat des deutschen Branchenführers Borussia Düsseldorf und eben gerade auch im nächsten Jahr die Gefahr einer Übersättigung des Publikums. Monat für Monat bietet der Rekordmeister seinen Fans in der Stadt und Region ohnehin schon regelmäßig Topsport, für Mai dürfen sich Boll und Co. Hoffnungen auf ein Champions-League-Finale in eigener Halle machen, und im kommenden Oktober findet außerdem der Weltcup der Herren in der WM-Stadt von 2017 statt. Ein TTBL-Finale 2020 in Düsseldorf könnte zudem Fragen über die Vermarktung aufwerfen: Hätten die TTBL-Sponsoren unter dem Dach von „Die Finals“ die gleichen Rechte wie bei einem eigenständigen Event in Frankfurt? Würden außerdem die angestammten Partner der Borussia, die teilweise auch die internationalen Tischtennis-Events am Rhein unterstützen, auf die Chance zur zusätzlichen Publicity vor der eigenen Haustüre verzichten?

Viele Fragen – eine Antwort

Es stehen also weiterhin nicht gerade wenige und einfache Fragen im Raum. Doch eigentlich kann es nach den Bemühungen offensichtlich vor allem des DTTB hinter den Kulissen in Gesprächen mit den beiden entscheidenden TV-Anstalten nur eine Antwort geben: Alle Beteiligten sollten praktisch alles tun, dass Tischtennis bei den „Finals 2020“ in NRW mittendrin ist. Der Erfolg so mancher Konkurrenzsportart in Berlin macht diesen Weg eigentlich alternativlos. Will Tischtennis auch künftig glaubhaft Ansprüche auf eine angemessenere Berücksichtigung in der TV-Berichterstattung anmelden, müssen seine Macher nun durch diese schon einen Spalt geöffnete Türe gehen. Sind Boll, seine Kollegen und seine Nachfolger nämlich erst einmal dabei, bieten sich durch die anschließende Möglichkeit zu längerfristigeren Planungen und Gedankenspielen vermutlich noch andere Perspektiven. Ohne Denkverbote wäre so etwa vielleicht schon für 2021 oder ab 2022 immerhin vorstellbar, die nationalen Einzel-Meisterschaften in den Sommer zu verlegen und für die wichtige TV-Präsenz, die für das Turnier nach Bolls Verzicht auf weitere DM-Teilnahmen noch schwieriger zu erzielen sein wird, Abschied vom klassischen NDM-Termin am Ende des Winters zu nehmen.

„Die Finals“ sind für das deutsche Tischtennis nicht nur eine Chance, das Event ist mit seinem überzeugenden (TV-)Konzept mutmaßlich vor allem ‚die Chance‘. TTBL und DTTB sollten diese ausgesprochen gute, vielleicht auch einmalige Gelegenheit nicht ungenutzt lassen.

(Dietmar Kramer)

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