Annett Kaufmann steht im EM-Finale

Annett Kaufmann steht im Finale der Tischtennis-Europameisterschaften. Die 20-Jährige setzte sich in einem umkämpften Halbfinale gegen Nationalmannschaftskollegin und Bronze-Gewinnerin Nina Mittelham mit 4:3 durch und kämpft später am Tag um die Goldmedaille. Auch Dang Qiu erspielte sich bei der EM am Ende die Bronzemedaille. Der Deutsche musste sich im Halbfinale seinem Düsseldorfer Teamkollegen Anton Källberg mit 2:4 geschlagen geben.

Annett Kaufmann steht im Finale der Tischtennis-Europameisterschaften. Dass es am letzten Tag des Wettbewerbs ein Damen-Finale mit deutscher Beteiligung geben würde, stand bereits gestern Abend fest. Während Nina Mittelham mit einem souveränen 4:1 gegen die Rumänin Bernadette Szocs ins Halbfinale eingezogen war, besiegte auch Annett Kaufmann ihre Teamkollegin Ying Han mit einem klaren 4:0. Ein Blick auf den Turnierbaum zeigte bereits zu Beginn, dass die beiden Doppelpartnerinnen Mittelham und Kaufmann – die erst gestern die Bronzemedaille im Doppel in Empfang nehmen durften – spätestens im Halbfinale aufeinandertreffen würden.
Dort erwischte Kaufmann den besseren Start und sicherte sich die ersten beiden Sätze mit 11:5 und 11:7. Anschließend fand Mittelham jedoch besser ins Spiel, agierte taktisch cleverer und konnte die Bälle ihrer Kontrahentin zunehmend entschärfen. Mit drei Satzgewinnen in Folge (11:9, 11:2, 11:4) drehte die 29-Jährige die Partie und brachte Kaufmann unter Druck. Die 20-Jährige fand jedoch zurück zu ihrem Spiel, hielt die aus der Halbdistanz stark aufspielende Mittelham wieder besser in Schach und erzwang mit einem 11:4 den Entscheidungssatz.
Dort ging Kaufmann zunächst mit 5:1 in Führung, ehe Mittelham auf 5:4 verkürzte. Eine anschließende Auszeit der 20-Jährigen entfaltete ihre Wirkung: Kaufmann zog auf 9:4 davon und verwandelte beim Stand von 10:4 direkt ihren ersten Matchball zum Finaleinzug.
„Es war auf jeden Fall kein leichtes Match. Es waren ein oder zwei Bälle, die das Momentum zum Kippen gebracht haben. Es hätte auch ein 4:3 für Nina sein können. Ich glaube, das war eines meiner besten Spiele gegen eine meiner Teamkolleginnen, wirklich auf einem unfassbar hohen Niveau. Ich hoffe, dass Nina auf ihre Leistung stolz ist: Drei Medaillen bei einer EM mitzunehmen, aber auch darauf, so qualitativ hochwertig zu spielen“, sagte die Deutsche im Interview.
Im Finale trifft Kaufmann nun auf ETTU2-Athletin und Qualifikantin Elizabet Abraamian, die sich in einem Herzschlagfinale mit 13:11 im siebten Satz gegen die Französin Prithika Pavade durchgesetzt hat. Pavade war zuvor für das Achtelfinal-Aus von Sabine Winter verantwortlich gewesen. Doch nun gelang es der Französin im Halbfinale nicht, ihre zwischenzeitlichen Führungen von 1:0, 2:1 und 3:2 nach Sätzen ins Ziel zu bringen. Am Ende unterlag sie Abraamian denkbar knapp mit 11:13 im Entscheidungssatz. Abraamian steht auf Platz 39 der Weltrangliste, wird in der europäischen Rangliste aufgrund fehlender Ergebnisse bei europäischen Wettbewerben jedoch nur auf Rang 40 geführt. Deshalb musste sie in Ljubljana in der Qualifikation antreten.
„Ich mag sie gerne. Wir sind Freunde seit der Jugendzeit“, sagte Kaufmann in Bezug auf ihre Finalgegnerin. „Sie spielt unfassbar gutes Tischtennis. Ich denke, das wird ein super Spiel, ich werde es wirklich versuchen zu genießen. Ich glaube, wir gehen beide in die Box, um unser Bestes zu geben. Und diejenige, die es nach Hause bringen kann, hat es dann auch verdient.“
Nina Mittelham zeigte sich zwar enttäuscht über das Aus im Halbfinale, gleichzeitig aber auch stolz auf ihre drei Medaillen und ihre Leistung bei der EM: „Am Ende bin ich ein bisschen enttäuscht, aber ich habe ein gutes Turnier gespielt. Wenn ich sehe, wo ich vor einem Jahr war, gerade wieder angefangen, Tischtennis zu spielen, dann ist es einfach schön zu sehen, dass ich auch über längere Tage ein Niveau halten kann. Ich habe zwischenzeitlich echt gut gespielt, es jetzt leider nicht geschafft, es noch bis zum Ende an den Tisch zu bringen. Hätte mir vorher jemand gesagt, dass ich mit drei Medaillen nach Hause fahre, hätte ich den für verrückt erklärt.“
Qiu unterliegt Borussia-Kollege Källberg im Halbfinale
Während Kaufmann bei den Damen um den Europameistertitel kämpft, ist für Dang Qiu die Chance auf eine Goldmedaille passé. Auf den Deutschen wartete im Halbfinale mit Anton Källberg ein ihm bestens bekannter Gegner. Als Teamkollegen der Borussia Düsseldorf kennen sich die Spieler durch jahrelanges gemeinsames Training und viele internationale Begegnungen in- und auswendig. Laut ITTF-Statistik waren die beiden bereits zehnmal aufeinandergetroffen, wobei Qiu acht der Begegnungen für sich entscheiden konnte.
Gegen den Schweden erwischte der Deutsche im Halbfinale allerdings den schlechteren Start und konnte im ersten Durchgang eine 9:4-Führung nicht ins Ziel bringen. Besser lief es zunächst im zweiten Satz, in dem der Penholderspieler mit 6:0 in Führung zog. Als Källberg den Rückstand verkürzte, nahm Qiu beim Stand von 6:4 eine Auszeit und sicherte sich den Durchgang schließlich mit 11:9.
Im dritten Satz sah es zunächst nach einem Erfolg für den Schweden aus, der mit 7:3 in Führung ging. Doch Qiu kämpfte sich zurück, drehte den Rückstand in eine 9:7-Führung und holte sich den Satz ebenfalls mit 11:9 – Zwischenstand 2:1.
Im vierten Durchgang musste Qiu erneut einen bitteren Satzverlust hinnehmen. Nach einer 6:3-Führung ließ sich der Deutsche noch einholen und musste den Satz mit 8:11 abgeben. Nachdem Källberg den fünften Durchgang mit 11:5 deutlich dominiert hatte, stand der Deutsche mit dem Rücken zur Wand. Der Schwede zog schlussendlich im sechsten Satz dem ohnehin unter Druck gesetzten Qiu relativ schnell davon und sicherte sich mit einem klaren 11:4 den 4:2-Gesamtsieg.
„Es war ein sehr unangenehmes Spiel. Erst habe ich 9:4 geführt, dann verloren. Im zweiten Satz 6:0 geführt, dann mache ich zwei Fehlaufschläge aber gewinne den Satz noch 11:9. Eigentlich habe ich mir aus einer guten Position das Leben schwer gemacht“, analysierte Qiu nach der Partie.
Vor allem mit den Aufschlägen seines Gegners hatte der Deutsche Schwierigkeiten: „Anton kam heute extrem gut mit meinen Aufschlägen zurecht. Ich hatte etwas mehr Probleme auf seine. War auch etwas den Tisch- und Ballbedingungen geschuldet. Aber so ist es im Sport eben. Sehr bitter, dass ich heute verloren habe. Ich hätte sehr gerne gegen Felix gespielt bei so einem wichtigen Finale. Am Ende hat Anton verdient gewonnen und hat das Recht, gegen Felix anzutreten.“
Insgesamt zeigte sich der Deutsche, der sich am Ende die Bronze-Medaille um den Hals hängen darf, aber zufrieden mit seinen Spielen. Besonders in den beiden vorherigen Partien zeigte er mit seiner aggressiven Spielweise gegen Jonathan Groth aus Dänemark und Alexis Lebrun aus Frankreich eine beeindruckende Leistung.
„Ich nehme viel Positives aus dem Turnier mit. Heute war es von der Verfassung nicht so gut wie die letzten Tage. Aber grundsätzlich war es ein tolles Turnier. Auch heute war kein schlechtes Spiel. Grundsätzlich bin ich zufrieden, aber mit Potenzial nach oben.“
Roßkopf zieht positives Fazit
Mit Qius Ausscheiden ist auch der letzte Deutsche im Herren-Einzel ausgeschieden. Die Bilanz der DTTB-Herren: eine Bronzemedaille für Qiu im Einzel sowie eine Goldmedaille für Benedikt Duda im Mixed-Doppel an der Seite von Nina Mittelham.
Auch Bundestrainer Jörg Roßkopf zog nach dem Ausscheiden seines letzten Spielers ein Fazit: „Anton hat heute wirklich gut gespielt, hat über sechs Sätze sehr konstant das Level behalten. Dang hat sehr gut gespielt bei diesem Turnier. Eine gute Entwicklung, weil er viel aggressiver gespielt hat und die Gegner mit variablem Spiel unter Druck gesetzt hat.“
Mit den Leistungen seiner Spieler zeigte sich Roßkopf insgesamt zufrieden: „Ich denke, dass die Jungs echt gut gespielt haben. Bene hat sehr aggressiv und viel Vorhand gespielt und sich gut bewegt. Auch Patrick hat gute Spiele gemacht, auch schwere Spiele. Und gegen Felix war es ein undankbares Los. Ich bin grundsätzlich zufrieden. Im Doppel hätten wir noch ganz klar eine Chance gehabt. Das ärgert schon etwas, weil die Jungs es verdient hatten.“
Das Herren-Doppel Duda/Qiu schied nach einem hart umkämpften 5-Satz-Krimi gegen die Schweden Kristian Karlsson und Anton Källberg aus und verpasste damit knapp eine Medaille.
Källberg trifft im Finale auf Lebrun
Im Finale wird Källberg dem Titelfavoriten Felix Lebrun gegenüberstehen. Der Franzose gewann sein Halbfinale gegen seinen Landsmann Leo De Nodrest, der in den Runden zuvor sowohl Benedikt Duda als auch Darko Jorgic geschlagen hatte. Auch gegen Lebrun konnte De Nodrest zunächst überzeugen und ging mit 1:0 und 2:1 nach Sätzen in Führung. Anschließend musste er jedoch die Überlegenheit Lebruns anerkennen und unterlag mit 2:4.
Die Spiele am Finaltag:
Herren-Einzel:
Halbfinale:
Dang Qiu GER – Anton Källberg SWE 2:4 (-9,9,9,-8,-5,-4)
Felix Lebrun FRA – Leo De Nodrest FRA 4:2 (-6,8,-5,7,8,12)
Finale:
Felix Lebrun FRA – Anton Källberg SWE, Sonntag 17:50 Uhr
Damen-Einzel:
Halbfinale:
Annett Kaufmann GER – Nina Mittelham GER 4:3 (5,7,-9,-2,-4,4,4)
Prithika Pavade FRA – Elizabet Abraamian ETTU2 3:4 (8,-5,7,-8,8,-10,-11)
Finale:
Annett Kaufmann GER – Elizabet Abraamian ETTU2, Sonntag 17 Uhr
*Am Finaltag wird nur noch an Tisch 1 gespielt.
Zur Seite der ETTU mit Ergebnissen, Zeitplan und Auslosungen.
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