EM: Kaufmann & Qiu sichern deutsche Einzel-Medaillen

    Dang Qiu und Annett Kaufmann spielten sich am siebten Tag der Europameisterschaften ins Halbfinale der Einzelwettbewerbe und haben damit eine Medaille sicher. Qiu bezwang den zweitgesetzten Franzosen Alexis Lebrun in fünf Sätzen, Kaufmann dominierte im deutschen Duell gegen Ying Han. Patrick Franziska scheiterte derweil am Titelfavoriten Felix Lebrun, während Nina Mittelham und Benedikt Duda am Abend noch um Einzel-Medaillen kämpfen.

    Dang Qiu und Annett Kaufmann sicherten mit ihrem Einzug ins Halbfinale schon heute zwei deutsche Einzel-Medaillen. (©ETTU)
    Dang Qiu und Annett Kaufmann sicherten mit ihrem Einzug ins Halbfinale schon heute zwei deutsche Einzel-Medaillen. (©ETTU)

    Dang Qiu und Annett Kaufmann haben eine Medaille sicher! Im Viertelfinale des Herren-Einzels bezwang Qiu in der ersten Tageshälfte den amtierenden Europameister Alexis Lebrun mit einem furiosen 4:1. Annett Kaufmann dominierte im deutschen Duell gegen ihre Teamkollegin Ying Han mit 4:0. Weniger gut lief es für Patrick Franziska, der im Viertelfinale auf den Titelfavoriten Felix Lebrun traf und mit 0:4 unterlag. In der zweiten Tageshälfte spielen noch die frischgebackenen Mixed-Europameister Benedikt Duda und Nina Mittelham um eine sichere Einzel-Medaille.

    An seine starke Leistung vom Vortag gegen den Franzosen Simon Gauzy – laut Qiu eines seiner besten Spiele der Saison – knüpfte der Deutsche im Viertelfinale nahtlos an. Gegen Alexis Lebrun hatte der Penholderspieler zwar schon einige Male verloren, gewann jedoch beim kürzlich ausgetragenen Star Contender in Astana das Finale gegen die aktuelle Nummer acht der Welt mit 4:2. Dieser Sieg hatte den Deutschen vor dem heutigen Viertelfinale noch einmal ordentlich bestärkt:

    „Ich habe ja erst in Astana im Finale gegen ihn gewonnen. Das hat mir nochmal Selbstvertrauen gegeben. Es hat sich mal wieder gut angefühlt, hier auf einem europäischen Turnier gegen ihn zu gewinnen. Die Europe Top-16, die European Games, das habe ich alles gegen ihn verloren. Das merkt man sich dann. Ich habe mich einfach auf ein schwieriges Spiel vorbereitet. Ich wusste, dass ich selbst am Limit spielen muss, um eine Chance zu haben und das habe ich gemacht.“

    Im ersten Satz überrumpelte der Europameister von 2022 den Franzosen förmlich, eilte zu einer schnellen 7:1-Führung und sicherte sich den Durchgang deutlich mit 11:4. Etwas mehr zu kämpfen hatte der Deutsche im zweiten Satz, in dem ihm der Franzose konstant auf den Fersen blieb, Qius ersten Satzball abwehrte und sich anschließend selbst zwei Satzbälle erspielte. Der Penholderspieler schaffte es jedoch beide Male, den Satzverlust abzuwenden, und baute seine Führung mit 14:12 auf 2:0 aus.

    Auch im dritten Satz setzte der Deutsche den Franzosen mit seinen aggressiven Angriffsbällen schon in der Anfangsphase stark unter Druck. Beim Stand von 2:4 (aus Sicht des Franzosen) nahm Lebrun eine Auszeit, konnte den Rückstand aber nicht mehr aufholen. Der Franzose schien zusehends den Faden zu verlieren und konnte Qius druckvollen und schnellen Bällen nichts entgegensetzen. Mit 11:4 erhöhte der Deutsche auf 3:0.

    Enger gestaltete sich der vierte Durchgang, in dem sich die beiden Spieler wieder auf Augenhöhe begegneten. Diesmal gelang es dem Franzosen jedoch, sich beim Stand von 10:8 zwei Satzbälle zu erspielen. Gleich den ersten nutzte er und verkürzte auf 1:3. Das blieb allerdings Qius einziger kleiner Ausrutscher: Der Deutsche dominierte im fünften Durchgang wieder von Beginn an, spielte aggressiv in den offenen Rallyes und ließ den sichtlich verzweifelten Franzosen überhaupt nicht ins Spiel finden. Beim Stand von 10:2 erspielte sich Qiu acht Matchbälle und verwandelte den dritten zum 4:1-Sieg.

    „Ich habe jetzt ein gutes Mittel gefunden hier aggressiv zu spielen. Es ist zwar von Gegner zu Gegner abhängig, auch wie das Spiel verläuft. Aber da hatte ich hier einfach Chancen, aggressiv zu sein. Alexis spielt auch aggressiv, wenn ich ein bisschen zu passiv bin, dann überrollt er mich, wie eben in vergangenen Spielen. Deswegen war das heute auf jeden Fall ein Ziel“, resümierte Qiu nach seinem starken Auftritt gegen den Franzosen.

    Auf den Deutschen wartet im Halbfinale niemand geringeres als sein Borussia-Teamkollege Anton Källberg aus Schweden. Dieser bezwang zuvor den Norweger Borgar Haug mit 4:2.

    Kaufmann gewinnt deutsches Duell und sichert zweite Einzel-Medaille

    Mit sechs Deutschen in den Viertelfinals der beiden Einzelkonkurrenzen war es nur eine Frage der Zeit, bis es bei den Europameisterschaften zu einem deutschen Duell kommen würde. Die gute Nachricht stand damit bereits vor dem Match fest: Entweder Annett Kaufmann oder Ying Han würde sich bei der EM eine Bronze-Medaille sichern.

    Die letzte Begegnung zwischen den Deutschen beim Europe Top-16 in Montreux ging mit 3:2 knapp an Han, während das Ergebnis beim Champions 2025 in Frankfurt mit 3:0 noch deutlich zugunsten der Rechtshänderin ausgefallen war.

    „Ich habe mit Ying nie wirklich trainiert. Ich habe mich damals beim Top-16 schon relativ gut gegen sie gefühlt. Da hat es physisch und mental nicht gereicht. In solchen Momenten wie jetzt merke ich, wie ich in den letzten Monaten gearbeitet habe, dass ich physisch in der Lage bin, bei so einem Turnier bis zum Ende qualitativ hochwertig zu spielen“, freute sich Annett Kaufmann über den Sieg und ihre sichere Medaille.

    Der erste Satz zwischen der 20-jährigen Linkshänderin und der 43-jährigen Abwehrroutinierin begann ausgeglichen. Kaufmann verpasste beim Stand von 10:9 ihren ersten Satzball, profitierte beim 10:10 von einem glücklichen Kantenball und sicherte sich den Durchgang mit 12:10. Für Han war dies der erste Satzverlust bei der EM.

    Im zweiten Satz ging Han zunächst mit 7:5 in Führung. Kaufmann holte jedoch auf und erspielte sich beim Stand von 10:8 zwei Satzbälle. Gleich den ersten nutzte sie mit ihrer druckvollen Vorhand zur 2:0-Satzführung. Deutlich gestalteten sich anschließend der dritte und vierte Durchgang. Kaufmann ließ ihre Teamkollegin nicht mehr zu ihrem Spiel finden und sicherte sich mit 11:4 und 11:5 die beiden fehlenden Sätze zum Einzug ins Halbfinale und damit die sichere Medaille.

    „Ich hatte in den wichtigen Momenten schon auch ziemlich viel Glück. Das ist jetzt aber nicht spielentscheidend gewesen. Ich habe auch wirklich gut gespielt“, so die 20-Jährige.

    Han nahm ihr Viertelfinal-Aus gegen ihre Teamkollegin derweil sportlich und betonte nach dem Spiel die Qualität der 20-Jährigen: „Sie ist jung, hat so viel Potenzial. Heute war es so schwer. Als ich weich spielte, kam keine Qualität und wenn ich zu viel wollte, dann habe ich zu viele Fehler gemacht. Gegen meine Mannschaftskollegin zu verlieren ist nicht so schlimm. Das ist ok“, schmunzelte Han nach der Partie.

    Kaufmann könnte im Halbfinale erneut ein deutsches Duell erwarten, sollte Nina Mittelham am Abend die Rumänin Bernadette Szocs bezwingen.

    Franziska scheitert am Titelfavoriten

    Eine schwere Aufgabe wartete im Viertelfinale auf Patrick Franziska. Der Franzose Felix Lebrun gilt als Titelfavorit und belegt aktuell Platz zwei der Weltrangliste. Auch der direkte Vergleich sprach vor dem Spiel mit 3:1 für den Franzosen, der diese Statistik nun weiter ausbaute.

    Im ersten Satz fand der Deutsche überhaupt nicht ins Spiel und unterlag deutlich mit 2:11. Eine gute Chance auf den Satzausgleich hatte Franziska im zweiten Durchgang, als er sich zunächst mit 7:4 absetzte. Doch der Franzose holte fünf Punkte in Folge, drehte den Rückstand in eine 9:7-Führung und sicherte sich kurz darauf den Satz mit 11:8.

    „Im zweiten Satz habe ich 7:4 geführt, da war ich ein bisschen drin. Da hat Lebrun auch mal ein paar Fehler gemacht, dann aber wieder super Bälle zurückgespielt. Und dann geht es einfach sehr schnell gegen ihn“, so Franziska nach der Partie.

    An seinen kurzen Aufwind aus der Anfangsphase des zweiten Satzes konnte Franziska im dritten Durchgang nicht anknüpfen und verlor erneut deutlich mit 2:11. Im vierten Satz lag der Deutsche mehrfach mit einem Punkt in Führung, konnte sich aber nie entscheidend absetzen. In der Schlussphase war es schließlich der Franzose, der mit 11:8 den deutlichen 4:0-Erfolg besiegelte.

    „Ich wusste, dass man davon nicht wegkommt, so spielt er einfach“, betonte Franziska in Bezug auf das temporeiche Spiel der französischen Nummer eins. „Vor allem auf diesen Tischen ist alles noch zehn Mal schneller. Man muss hellwach sein und ihn vor allem am Anfang zwingen, das Spiel knapp zu halten. Er hat so gut angefangen, ich aber gar nicht schlecht. Im letzten Satz hatte ich das Gefühl, ich habe mich jetzt etwas an das Tempo gewöhnt. Da war meine Rückhand auch besser. Die brauche ich einfach gegen ihn, aber insgesamt war sie heute einfach nicht gut genug. Das muss man anerkennen, dass er heute einfach zu gut war.“ 

    Mittelham und Duda spielen am Abend 

    Für die beiden Mixed-Europameister Nina Mittelham und Benedikt Duda geht es am Abend im Viertelfinale um eine weitere sichere Medaille. Mittelham trifft um 17:55 Uhr auf die Rumänin Bernadette Szocs, Duda fordert um 17:10 Uhr Ex-Bundesliga-Teamkollegen Leo De Nodrest heraus, der am Vortag Lokalmatador Darko Jorgic mit 4:3 aus dem Turnier geschmissen hat.

    Die Spiele der Deutschen ab dem Einzel-Viertelfinale:

    Herren-Einzel:

    Viertelfinale:
    Patrick Franziska GER – Felix Lebrun FRA 0:4 (-2,-8,-2,-8)
    Benedikt Duda GER – Leo de Nodrest FRA, Samstag 17:10 Uhr (Tisch 1)
    Dang Qiu GER – Alexis Lebrun FRA 4:1 (4,12,4,-8,4)

    Halbfinale:
    Dang Qiu GER – Anton Källberg SWE, Sonntag 13:45 Uhr (Tisch 1)

    Damen-Einzel:

    Viertelfinale:
    Annett Kaufmann GER – Ying Han GER 4:0 (10,8,4,5)
    Nina Mittelham GER – Bernadette Szocs ROU, Samstag 17:55 Uhr (Tisch 1)

    Halbfinale:
    Annett Kaufmann GER – Nina Mittelham GER oder Bernadette Szocs ROU, Sonntag 12:15 Uhr (Tisch 1)

    Zur Seite der ETTU mit Ergebnissen, Zeitplan und Auslosungen. 

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