Blog: Pokal Opening - Großevent vs. Heimspielzauber

Am Wochenende fand in der Kia Metropol Arena in Nürnberg das Leapmotor Pokal Grand Opening statt. myTischtennis-Redakteurin Chiara Ullrich wägt in ihrem Blog ab, ob ein zweites Pokal-Großevent im deutschen Tischtennis wirklich benötigt wird.

Der Tischtennis-Pokal gehört zu den großen Highlights im Kalender des deutschen Tischtennissports. Ich erinnere mich noch gut an das Final Four 2020 in Neu-Ulm. Der ASV Grünwettersbach – heute ASC Grünwettersbach – stemmte damals zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Pokal in die Höhe. Favoriten waren sie an diesem Tag definitiv nicht. Aber sie kämpften sich durch, überraschten und gewannen am Ende hochverdient.
Genau solche Geschichten finde ich persönlich immer spannend. Wenn vermeintlich feststehende Favoriten auch mal ins Wanken kommen und am Ende etwas passiert, mit dem kaum jemand gerechnet hat. Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich in diesem Jahr mit etwas gemischten Gefühlen auf den Pokal geschaut habe. Denn diesmal ist einiges anders: Die Mehrheit der Zweit- und Drittligisten war von Anfang an schon nicht dabei.
Ein neues Pokalwochenende
Aber erst einmal kurz zurück zum Anfang: Was wurde überhaupt verändert? Die Achtel- und Viertelfinals wurden nicht wie bislang an unterschiedlichen Tagen in den Hallen der jeweiligen Vereine ausgetragen, sondern an nur einem einzigen Wochenende im Rahmen des Leapmotor Pokal Grand Openings in der Kia Metropol Arena in Nürnberg.
Das war erst einmal ein ziemlich großes Tischtennis-Wochenende. Viele Topspieler, viele Matches, alles an einem Ort. Und trotzdem blieb bei mir erstmal ein fader Beigeschmack. Denn von den 16 für die Pokalvorrunde qualifizierten Mannschaften verzichteten elf auf die Teilnahme. Bereits im Vorfeld hatten diese Vereine deutliche Kritik an der Neugestaltung des Wettbewerbs geäußert. Im Mittelpunkt dieser stand, dass die Änderungen am Austragungssystem nicht in Absprache mit ihnen beschlossen worden seien. Auch der Wegfall der potenziellen Heimspiele für Zweit- und Drittligisten im Achtel- und Viertelfinale wurde bemängelt, also ausgerechnet jener Spiele, die für diese Vereine zu den größten Highlights einer ganzen Saison gehören können.
So blieb am Ende also nur eine einzige Vorrundenbegegnung übrig. Drei Teams qualifizierten sich direkt für das Achtelfinale und nur ein Platz wurde zwischen den Zweitvertretungen von Saarbrücken und Grünwettersbach ausgespielt. Eine bemerkenswerte Ausgangslage für einen Wettbewerb, dessen Reiz für mich auch darin liegt, dass Underdogs aus der zweiten oder dritten Liga vor heimischem Publikum plötzlich auf einen Bundesligisten treffen – und vielleicht sogar für die große Überraschung sorgen.
Warum überhaupt ein neues Format?
Gute Argumente für ein zentrales Pokalwochenende gibt es durchaus. Ein großes Event mit den TTBL-Teams an einem Ort lässt sich medial deutlich leichter vermarkten als acht einzelne Pokalspiele an verschiedenen Spielorten. Aus vielen einzelnen Begegnungen – die teilweise ja auch unter der Woche stattgefunden haben – wird ein gemeinsames Tischtennis-Wochenende, das sich entsprechend größer inszenieren lässt. Dass solche Großveranstaltungen funktionieren können, hat sich zuletzt erst wieder gezeigt. Bei der Heimspielpremiere von Fan Zhendong in der Mitsubishi Electric HALLE in Düsseldorf kamen rund 3.500 Zuschauer, die Atmosphäre war wirklich beeindruckend. Auch in Nürnberg wartete auf die Fans ein ordentliches Programm: Vier Achtelfinals liefen am Samstag parallel, alle großen Stars auf einem Fleck und Tischtennis praktisch nonstop.
Auch aus Sicht der Spieler gibt es nachvollziehbare Argumente für das neue Format, die letztlich auch der DTTB und die TTBL nannten: Der Kalender vieler TTBL-Akteure ist ohnehin voll. WTT-Turniere, Bundesliga, Champions League und so weiter. Werden Achtel- und Viertelfinale an einem Wochenende und an einem Ort gebündelt, entfallen zusätzliche Termine und Reisen.
Weniger Termine für die Spieler – aber was verlieren die Vereine?
Genauso nachvollziehbar ist für mich allerdings die Kritik der Zweit- und Drittligisten. Denn für sie geht mit dem neuen Format durchaus etwas verloren.
Stellt euch vor, eine Mannschaft wie Düsseldorf, Saarbrücken oder Ochsenhausen kommt nicht in eine große Arena nach Nürnberg, sondern in eine Halle ganz bei euch in der Nähe. Plötzlich stehen dort, wo sonst Ligaalltag herrscht, einige der besten Spieler der Welt. Gerade solche Highlights locken Zuschauer aus der Region, die sonst vielleicht nie zu einem Tischtennisspiel gehen würden. Die Halle kann so voll sein wie selten zuvor, und auch die lokale Aufmerksamkeit steigt. Vor allem aber fällt ohne diese Heimspiele das weg, was die Zweit- und Drittligisten in ihrem offenen Brief als „das sportliche und emotionale Highlight im Jahreskalender" bezeichnen. Ich musste dabei sofort an das Pokalspiel zwischen Köln und Saarbrücken im November 2024 denken. Damals konnte ich mühelos hinfahren, weil es eben ein Katzensprung war.
Andererseits erhöht ein ganzes Pokalwochenende die Chance, dass die TTBL-Vereine auch tatsächlich mit ihren Topspielern antreten. Bei einem zentralen Termin lässt sich das eher gewährleisten als bei einzelnen Spielen unter der Woche - man sieht schon hier: Alles hat Vor- und Nachteile.
„Ich war relativ positiv überrascht"
Um direkte Eindrücke vom vergangenen Wochenende zu bekommen habe ich mit unserem Geschäftsführer Jochen Lang gesprochen, der sich das Opening in Nürnberg am Samstag direkt vor Ort angesehen hat. Auch er blickte wegen des neuen Formats zunächst eher skeptisch auf die Veranstaltung – und war am Ende positiv überrascht:
„Die ganze Zeit war was los. Wenn ein Spiel vorbei war, dann wurde woanders gespielt, genauso in Satzpausen. Das fand ich richtig gut. Außerdem war durch die gesetzten Termine vorher schon klar: Es wird nicht auf einen Top-Star verzichtet und das ganze Wochenende war sehr hochkarätig besetzt." Obwohl die Halle nicht komplett gefüllt war, empfand Jochen die Stimmung trotzdem als gut. „Für Zuschauer vor Ort fand ich das insgesamt wirklich toll zu gucken."
Den Mittelweg finden
Für mich läuft die Diskussion auf eine schwierige Frage hinaus: Will man ein möglichst großes, professionell vermarktetes Event, das vielleicht sogar überregionale Medien erreicht (was ja bekanntlich auch immer ein Kampf ist)? Oder soll der Pokal wie im Fußball auch davon leben, dass die großen Namen dorthin kommen, wo sie sonst nicht spielen?
Ein großes Pokalwochenende kann neue Zuschauer erreichen, mehr mediale Aufmerksamkeit erzeugen und den Wettbewerb insgesamt stärker in den Mittelpunkt rücken. Das sind gute Argumente. Trotzdem sollten die Stimmen der Zweit- und Drittligisten dabei nicht untergehen. Denn selbst wenn man im Achtelfinale nur vier Vereine aus diesen Ligen hat, sind auch diese Teams, ihre Hallen und ihre Fans Teil dieses Wettbewerbs. Deshalb finde ich den Ansatz richtig, die Premiere zunächst gemeinsam auszuwerten und anschließend über mögliche Weiterentwicklungen zu sprechen – darauf haben sich TTBL, DTTB und Vertreter der Zweit- und Drittligavereine verständigt.
Das alte System bot aus meiner Sicht einen Mittelweg: Einzelne Spiele bis inklusive Viertelfinale, große Bühne für Halbfinale und Finale. Doch manchmal muss man Dinge wirklich einfach erst ausprobieren. Vielleicht stellt sich nach Nürnberg heraus, dass das neue Format genau das war, was der Pokal gebraucht hat. Vielleicht stellen wir aber auch fest, dass ein Heimspiel beim Underdog-Verein eben doch durch nichts zu ersetzen ist. Eins ist sicher: Es bleibt spannend, wie es in Zukunft mit dem Pokal weitergeht.
Was ist eure Meinung zum Leapmotor Pokal Grand Opening? Lasst uns gerne einen Kommentar da.
5 Kommentare
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