Offener Brief: Zweit- und Drittligisten planen Pokal-Boykott
Die Pläne des DTTB und der TTBL zur Einführung eines „Pokal Grand Openings“ stoßen bei den Zweit- und Drittligisten auf wenig Gegenliebe. Sie kündigen in einem offenen Brief einen Boykott des Pokalwettbewerbs an.

Die deutsche Pokalmeisterschaft soll in diesem Jahr nach einem anderen System ablaufen. Wie vorige Woche publik wurde, ist mit dem „Pokal Grand Opening“ ein weiteres Großevent geplant, in dessen Rahmen sowohl das Achtel- als auch das Viertelfinale ausgetragen werden sollen. 28 Mannschaften der 2. und 3. Bundesliga meldeten sich daraufhin in einem offenen Brief zu Wort, in dem sie ihren Unmut zu den Plänen des DTTB und der TTBL äußerten. Kritisiert wird vor allem, dass die Änderungen nicht in Absprache mit den Zweit- und Drittligisten beschlossen worden seien. „Die einseitig geplante Durchführung des Pokal Grand Opening werden wir nicht unterstützen und als Zeichen des bisher fehlenden Miteinanders wird der überwiegende Teil der Zweit- und Drittligisten nicht an der Vorrunde der deutschen Pokalmeisterschaften teilnehmen“, lautet die folgenschwere Ankündigung der Unterzeichner zum Abschluss des Briefs.
Die Zweit- und Drittligisten erläutern, dass sie selbst seit Jahren für Änderungen im Austragungssystem der Pokalmeisterschaften plädieren, um den Wettbewerb attraktiver zu gestalten. Ihre Vorschläge, etwa feste Termine für das Achtel- und Viertelfinale zu berücksichtigen, die Setzung der Top-Teams im Viertelfinale aufzuheben oder eine K.-o.-Runde mit allen Mannschaften ab der ersten Runde einzuführen, seien jedoch nicht unterstützt worden. „Und nun ändert die TTBL Sport GmbH ohne Beteiligung und infolgedessen auch ohne Mitbestimmung der Zweit- und Drittligisten das Austragungssystem mit der Einführung des Pokal Grand Opening und bezieht die Zweit- und Drittlisten ebenso nicht bei der Terminfindung ein“, heißt es im Brief. Man erkennt zwar die Vorteile für die TTBL-Mannschaften an, weist aber auch darauf hin, dass durch das Ausbleiben der Pokalheimspiele im Achtel- und Viertelfinale für die unterklassigen Clubs Einnahmen und Möglichkeiten, Spitzensport in der Region zu präsentieren, wegfallen.
DTTB und TTBL signalisieren Gesprächsbereitschaft
Die Unterzeichner des offenen Briefs fordern einen sofortigen, offenen und fairen Austausch über eine gemeinsame Reform der Pokalmeisterschaften. Sonst drohe der Boykott. Die TTBL und der DTTB, die den Brief am Montagmittag erhalten hatten, signalisieren in einem von myTischtennis.de erfragten Statement ihre Gesprächsbereitschaft. „Der DTTB und die TTBL nehmen die Bedenken der Zweit- und Drittligisten sehr ernst. Unser gemeinsames Ziel ist es, den Pokalwettbewerb weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Belastungen durch einen immer dichter werdenden Terminkalender zu reduzieren. Dazu werden wir zeitnah erneut den direkten Austausch mit den Vereinen suchen. Den weiteren Dialog möchten wir nicht über öffentliche Stellungnahmen, sondern gemeinsam mit den Beteiligten führen“, lautet die Reaktion der Liga und des Verbands. Der Vorverkauf für das Pokal Grand Opening hat bereits begonnen. Am 29. August soll der Startschuss für das neue Event fallen.
Der offene Brief im Wortlaut:
Liebe Vertreter der TTBL-Sport GmbH, lieber DTTB-Vorstand,
der Pokal-Wettbewerb soll der fairste Wettbewerb sein, in dem alle teilnehmenden Clubs mit denselben Chancen starten, unabhängig von ihrer bisherigen Platzierung oder ihrem Renommee.
Der Pokal-Wettbewerb soll für maximale Spannung stehen. Keine langen Tabellen, keine strategischen Überlegungen über die gesamte Saison. Wer gewinnt, kommt weiter. Wer verliert, scheidet aus. Dieses klare Prinzip macht den Wettbewerb transparent, nachvollziehbar sowie authentisch. Jede Partie soll einen Endspielcharakter besitzen und für eine Intensität sorgen, die Zuschauer:innen sowie Athlet:innen zugleich begeistert. Durch Emotion, Dramatik und Unvorhersehbarkeit sollen Geschichten geschrieben werden, die in Erinnerung bleiben.
Aus diesem Grund plädieren alle Zweit- und Drittligisten seit Jahren für Änderungen im Austragungssystem der Deutschen Pokalmeisterschaften, um diesen Wettbewerb attraktiver zu gestalten.
Doch die Vorschläge, für Achtelfinal- und Viertelfinal-Begegnungen feste Termine im Rahmenterminplan zu berücksichtigen, die Setzung der Top-Teams im Viertelfinale aufzuheben oder gar einen K.o.-Wettbewerb mit allen Teams ab der ersten Runde einzuführen, wurden durch die TTBL-Sport GmbH in den vergangenen Jahren nicht unterstützt.
Und nun ändert die TTBL-Sport GmbH ohne Beteiligung und infolgedessen auch ohne Mitbestimmung der Zweit- und Drittligisten das Austragungssystem mit der Einführung des Pokal Grand Opening und bezieht die Zweit- und Drittligisten ebenso nicht bei der Terminfindung ein.
Natürlich ist das Einführen eines weiteren kompakten Events positiv für die TTBL-Clubs, schließlich können der Dyn-Media-Day, der Achtelfinal-Termin sowie der Viertelfinal-Termin auf ein einziges Wochenende fallen und somit Zeit und Geld für die TTBL-Clubs gespart werden.
Eine solche Änderung darf jedoch nicht auf dem Rücken der Zweit- und Drittligisten ausgetragen werden. Die Pokal-Heimspiele im Achtel- und Viertelfinale sind für die unterklassigen Clubs das sportliche und emotionale Highlight im Jahreskalender. Das Ausbleiben dieser Highlights ist gleichbedeutend mit einer fehlenden Einnahmequelle und Möglichkeit, in der eigenen Region absoluten Spitzensport zu präsentieren.
Dass man für das Pokal Grand Opening ausgerechnet den Termin wählt, den seit jeher die Zweit- und Drittligisten für die Pokalvorrunde nutzen und die tieferklassigen Vereine somit zusätzlich unter Druck setzt, ist in Summe nicht hinnehmbar.
Die Unterzeichner dieses Briefes fordern einen sofortigen, oƯenen und fairen Austausch über eine gemeinsame Reform der Deutschen Pokalmeisterschaften. Die einseitig geplante Durchführung des Pokal Grand Opening werden wir nicht unterstützen und als Zeichen des bisher fehlenden Miteinanders wird der überwiegende Teil der Zweit- und Drittligisten nicht an der Vorrunde der Deutschen Pokalmeisterschaften teilnehmen.
Gez.
26 Vereine (28 Mannschaften) der 2. und 3. Bundesligen
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