Blog: Der Kampf um jede Zeile - Pressearbeit im Tischtennis

    Zwischen Fußball oder Handball bleibt für Tischtennis in der Sportberichterstattung häufig nur wenig Platz. myTischtennis-Redakteurin Chiara Ullrich berichtet von ihren Erfahrungen als Pressebeauftragte ihres Vereins und erklärt, warum Clubs keine Angst vor sozialen Medien haben sollten.

    Wie häufig lest ihr den Sportteil der Regionalzeitung? (© Pixabay)

    Wer sich ehrenamtlich um die Pressearbeit eines Tischtennisvereins kümmert, kennt das wahrscheinlich: Das letzte Spiel ist beendet, die Halle ist längst leer, und für die meisten ist das Wochenende vorbei. Für mich beginnt dann oft erst der zweite Teil: Ergebnisse zusammentragen, Informationen von den Mannschaften einsammeln, einen Bericht verfassen und möglichst noch ein passendes Foto organisieren. Schließlich soll die Lokalzeitung über unseren Sport berichten.

    Also schicke ich den Artikel rechtzeitig ab und hoffe jedes Mal, dass er seinen Platz in der Zeitung findet. Am Ende folgt dann jedoch die Ernüchterung: Fußball dominiert die Sportseiten, Handball bekommt ein großes Bild und ausführliche Berichte. Mit etwas Glück ein paar Sätze am linken Zeitungsrand.

    Dabei habe ich in meinem Verein sogar noch gute Voraussetzungen: Sowohl meine Vorgängerin als auch mein Bruder haben ein Praktikum bei unserem Lokalredakteur absolviert, wodurch ein guter persönlicher Kontakt entstanden ist. Größere Turniere oder besondere Veranstaltungen unserer Tischtennisabteilung werden deshalb meistens vollständig veröffentlicht, oft sogar mit Fotos. Außerdem haben alle Abteilungen des Vereins jede Woche einen festen Platz im Sportteil der jeweiligen Ausgabe. Anders sieht es jedoch bei meiner Tätigkeit auf Bezirksebene aus. Dort muss ich regelmäßig darum kämpfen, dass Berichte in der Regionalzeitung überhaupt berücksichtigt werden. Für die großen Sportarten wie Fußball oder Handball bleibt immer Platz, während Tischtennis oft nur dann erscheint, wenn wirklich etwas Außergewöhnliches passiert ist.

    Ohne Information kein guter Bericht

    Ganz überraschend ist das natürlich nicht. In einer Region, in der ein Handballverein sogar in der 1. Bundesliga spielt, stehen Fußball und Handball zwangsläufig stärker im Fokus. Beide Sportarten ziehen viele Zuschauer an und interessieren entsprechend auch mehr Leser. Und ehrlicherweise verstehe ich das auch!

    Trotzdem frage ich mich manchmal, warum ich so viel Zeit in mein Ehrenamt investiere. Lange Berichte schreiben, Fotos heraussuchen, um am Ende als kleiner Absatz irgendwo am Rand der Sportseite zu verschwinden. Das kann auf Dauer durchaus frustrierend sein.

    Genau das ist aus meiner Sicht ein Problem, das viele Ehrenamtliche kennen. Schon heute fällt es vielen Vereinen schwer, Menschen für zusätzliche Aufgaben zu gewinnen. Wenn der eigene Einsatz dann kaum sichtbar wird, sinkt die Motivation schnell. Pressearbeit funktioniert außerdem nur als Gemeinschaftsaufgabe. Eigentlich sollten mir die Mannschaftsführer jede Woche zumindest die wichtigsten Informationen zu ihren Spielen schicken, damit ich daraus Berichte erstellen kann. In der Realität klappt das allerdings nicht immer, insbesondere bei den höher spielenden Mannschaften – auch wenn ich die regelmäßigen Berichteschreiber meines Vereins an dieser Stelle einmal wirklich loben muss. Ein Problem ist, dass ich unmöglich jede Begegnung selbst verfolgen oder für jede Mannschaft einen vollständigen Bericht schreiben kann. Dafür fehlt schlicht die Zeit, und viele spannende Momente bekomme ich gar nicht mit.

    Warum Vereine keine Angst vor sozialen Medien haben sollten

    Gerade besondere Geschichten machen einen Bericht am Ende interessant. Reine Ergebnislisten oder Satzzahlen sprechen halt keine Menschen an, die mit Tischtennis nicht viel am Hut haben. Viel spannender ist es, Highlights hervorzuheben und zu erzählen, wer als Underdog einen überraschenden Sieg geschafft hat, wer eingesprungen ist oder welches Nachwuchstalent besonders überzeugt hat. Solche Geschichten wecken auch bei Menschen Interesse, die mit Tischtennis sonst nur wenige Berührungspunkte haben.

    Deshalb sehe ich vor allem in den sozialen Medien auch große Chancen. Dort entscheidet keine Redaktion über die Länge eines Beitrags oder darüber, ob überhaupt Platz vorhanden ist. Mit kurzen Reels oder Carousel-Posts lassen sich Einblicke in das Vereinsleben direkt vermitteln. Meist sind diese Inhalte auch viel persönlicher und deutlich unterhaltsamer als ein klassischer Spielbericht. Ein weiterer Vorteil: Besonders jüngere Zielgruppen werden hier schnell und in wesentlich höherer Zahl erreicht.

    Mittlerweile macht mir diese Form der Öffentlichkeitsarbeit sogar am meisten Spaß. Wenn ein einzelnes Video plötzlich mehr als 26.000 Menschen erreicht (und ja, das passiert), zeigt mir das, dass Inhalte wahrgenommen werden. Natürlich bedeutet das nicht, dass dadurch direkt viel mehr Menschen zu Spielen in die Halle kommen. Aber es sorgt dafür, dass Tischtennis für einen Moment auch außerhalb des Vereins sichtbar werden kann.

    Lokal- und Regionalzeitungen dürfen nicht aussterben

    Trotz allem halte ich Berichte auf Vereinswebsites und in Lokalzeitungen weiterhin für wichtig. Nicht jeder informiert sich über Instagram oder andere soziale Netzwerke. Gerade für die Verbindung zur Region haben Lokalzeitungen nach wie vor ihren Wert. Selbst wenn nur Vereinsmitglieder oder ein paar sportinteressierte Menschen die Artikel lesen, lohnt sich der Aufwand für mich trotzdem. Vielleicht müssen wir unsere Berichte auch einfach etwas stärker anpassen: verständlicher schreiben, kürzer formulieren und den Fokus weniger auf Zahlen und mehr auf Geschichten legen. Gleichzeitig würde ich mir aber wünschen, dass die Medien auch kleineren Sportarten mehr Aufmerksamkeit schenken.

    Letztlich wird die Zukunft der Vereinsberichterstattung vermutlich weder ausschließlich in der Zeitung noch ausschließlich auf Social Media liegen. Wahrscheinlich braucht es beides: klassische Berichte für die lokale Öffentlichkeit und moderne Formate für eine größere Reichweite. Entscheidend bleibt aber natürlich weiterhin, dass sich Menschen finden, die bereit sind, diese Arbeit ehrenamtlich zu übernehmen.

    Mich würde interessieren, wie das in euren Vereinen aussieht. Werden eure Berichte regelmäßig veröffentlicht? Welche Erfahrungen habt ihr mit der Pressearbeit gemacht? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare.

     

    5 Kommentare

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