Taktiktipp: Vorhandtopspin mit unterschiedlichen Flugkurven

    Euer Gegner blockt euren Vorhandtopspin mit Leichtigkeit weg? Eine Lösung könnte sein, den Topspin mit verschiedenen Flugkurven zu spielen. Wie ihr dadurch besser zum Punktgewinn kommt, erfahrt ihr im Taktiktipp von Ex-Bundestrainer Martin Adomeit.

    Gegen gute Blockspieler kann es helfen, Topspins variabel zu spielen. Spieler mit einer variablen Vorhand – wie zum Beispiel Timo Boll – kommen oft so zum Punkt. (© ITTF)

    Sicherlich sind Rotation, Platzierung und Tempo Qualitätsmerkmale für den Vorhandtopspin. Schwer zurückzubringen sind vor allem Topspins mit immer wieder unterschiedlichen Flugkurven. Dies macht das Einstellen des Schlägerwinkels beim Block und auch das Timing noch schwieriger für den Gegner.

    Entscheidend für die Flugkurve ist sicherlich der Schlagansatz und die Bewegungsrichtung. Betrachtet man aber nur diese beiden Aspekte, führt das dazu, dass der Topspin, der flacher gespielt werden soll, oft zentral getroffen wird. Dadurch nimmt der Ball aber weniger Rotation an und springt nach dem Auftreffen relativ hoch ab.

    Deutlich gefährlicher werden Topspins, wenn wir den Treffpunkt am Ball betrachten. Wir können den Ball beim Topspin eher von hinten treffen und dann nach oben beschleunigen, damit wir eine recht hohe Flugkurve bekommen. Der Ball kann allerdings auch tangential annährend von oben getroffen werden, was zu einer flacheren Flugkurve, aber dennoch viel Spin führt. Durch die flachere Flugkurve landet der Ball früher auf der anderen Seite und wegen des Vorwärtsdralls springt er flach dem Gegner entgegen.

    Diese Topspins funktionieren nur bei etwas kürzeren Bällen (der Winkel zum Netz wird besser) und bei höheren Bällen. Je flacher und je länger die Bälle ankommen, desto mehr muss der Ball von hinten getroffen und nach oben gedreht werden. Es kommt also darauf an, die Flugkurven zu variieren und zu erkennen, welcher Topspin auf welchen ankommenden Ball möglich ist. Ob die Bälle erfolgreich variiert wurden, ist nicht innerhalb des Ballwechsels, sondern im Laufe mehrerer Ballwechsel erkennbar.

    1. Übung: Nachspielen in die Rückhand

    Spieler ASpieler B
    KA in Mitte/RHSch in ½ VH
    VHT in VH/MitteB in ½ VH
    VHT mit untersch. Flugkurven in RHfrei
    Die Eröffnung erfolgt in die Vorhand. Auf den geblockten Ball, der auch ein Gegentopspin sein kann, soll jetzt der Punktgewinn über die Rückhand erfolgen. Kommt der Block oder der Gegentopspin ziemlich schnell, kann jetzt ein Topspin mit einer höheren Flugkurve, etwas langsamer, aber lang auf die Grundlinie, erfolgreich sein. Kommt der Blockball aufgestellt und kürzer zurück – was natürlich mit dem ersten Topspin provoziert werden kann – bietet sich an, den Ball mit flacher Flugkurve oben zu treffen.

    2. Übung: Nachspielen nach der Rückhand-Eröffnung: Schnell in die Mitte, höher in die Rückhand

    Spieler ASpieler B
    KA in RH/MitteLR in RH
    RHT über VH/MitteB in VH
    VHT höher in RH/schnell auf Mittefrei
    Vom Inhalt ist diese Übung ähnlich wie die erste, aber jetzt wird mit der Rückhand eröffnet. Beim Nachspielen sollte der flachere Ball auf den Ellbogen, der höhere Ball in die Rückhand gespielt werden.

    3. Übung: Nachspielen aus der Mitte mit Vorhandtopspin

    Spieler BSpieler A
    KA überallKR
    Sch in die EckenT auf den Ellbogen
    B in die MitteT auf eine Ecke
    frei
    Der Eröffnungstopspin und die nachgespielten Bälle sollten in Bezug auf ihre Flugkurve sehr unterschiedlich sein. Sicherlich ist auf den Unterschnittball die Eröffnung mit höherer Flugkurve der Normalfall. Durch den kurzen Rückschlag, der den Ballwechsel einleitet, kommt unter Umständen auch mal kein qualitativ hochwertiger Schupf zurück – dieser sollte dann mit einem Topspin mit flacher Flugkurve beantwortet werden.

    4. Übung: Flache Flugkurve im zweiten oder dritten Topspin

    Spieler ASpieler B
    KA überallLanger SCH überall
    T viel Spin, hoher Bogen in EllbogenB in ⅔ VH
    0 – 1 x VHT viel Spin, hoher Bogen auf EllbogenB in ⅔ VH
    VHT flache Flugkurve überallfrei
    Jetzt spielt der Spieler ein- bis zweimal Topspins mit viel Spin und Bogen in den Ellbogen, um bei der nächsten sich bietenden Chance über den Ball kommen zu können. Diesen kann er mit einem Topspin mit flacher Flugkurve für den Punktgewinn nutzen.
    Die Übungen dieser Reihe wurden von den DTTI-Bewohnern Luke Jalaß und Koki Püschel eingespielt. (© myTT)

    Der Autor
    Martin Adomeit war Nationaltrainer in vier verschiedenen Nationen (Deutschland, Luxemburg, Belgien und Nigeria) und gewann mit allen Nationen Medaillen und Titel bei Welt-, Europameisterschaften oder African Games. 1998 wurde er in Deutschland Trainer des Jahres. Jetzt arbeitet der 62 Jahre alte Lippstädter als freiberuflicher Trainer. Er führt unter anderem Lehrgänge für Vereine, Bezirke oder Verbände durch und gibt Einzeltraining. Außerdem betreibt er einen der wenigen unabhängigen TT-Shops, in dem er umfassend berät und verkauft Equipment nahezu aller gängigen Tischtennis-Marken verkauft. Zudem führte er zuletzt zahlreiche Maßnahmen für den DOSB in Afrika und Asien durch und arbeitet als Berater und Werbeträger von Victas. Erreichbar ist Martin per Telefon unter +49 2941 273385, unter WhatsApp +49 160 8120572 oder per E-Mail unter ttcenterlippstadt@faszination-tischtennis.de – gerne auch, um mal eine Lehrgangsmaßnahme bei euch im Verein mit ihm abzusprechen.

    Noch mehr Tipps?

    Beim vorherigen Taktiktipp dieser Reihe ging es um:
    das Passivspiel gegen Spieler mit Vorhand-Griff.
    das Aufschlagspiel gegen Spieler mit Rückhand-Griff.

    AbkürzungBedeutung
    VHVorhand
    RHRückhand
    KAKurzer Aufschlag
    HLAHalblanger Aufschlag
    LALanger Aufschlag
    TTopspin
    BBlock
    KRKurzer Rückschlag
    LRLanger Rückschlag
    SchSchupf
    FFlip
    ½ VHTischhälfte von der Mitte aus, auf der mit der Vorhand gespielt wird
    ⅔ VHZwei Drittel des Tischbereichs, der mit der Vorhand abgedeckt wird