Taktiktipp: Passivspiel gegen Spieler mit Vorhand-Griff

    Euer Gegner greift ständig mit der Vorhand an und ihr rennt gefühlt nur dem Ball hinterher? Im Taktiktipp von Ex-Bundestrainer Martin Adomeit erfahrt ihr, wie ihr euer Passivspiel gegen vorhand-dominante Spieler aufziehen könnt.

    Gegen Spieler mit einer starken Vorhand – wie zum Beispiel Ma Long – gelingt es oft nicht, die Vorhand-Angriffe zu vermeiden. Im Tipp erfahrt ihr, wie ihr mit eurem Passvispiel dennoch zum Punktgewinn kommen könnt. (© ITTF)

    Es gibt genau zwei Sorten von Tischtennisspielern: die mit Vorhand-Griff und die mit Rückhand-Griff. Diese Einteilung hilft, um taktische Muster abrufen zu können und die Schwächen des Gegners auszunutzen.

    Der heutige Tipp befasst sich mit dem Passivspiel gegen Vorhand-Griff-Spieler. Der Vorhand-Griff-Spieler versucht, häufig seinen guten Vorhandtopspin einzusetzen – und natürlich will man das als Gegner vermeiden. Dies gelingt aber nicht immer. Auch in solchen Situationen sollte man dann gewappnet sein, um Punkte gewinnen zu können.

    Da man in eine passive Lage gedrängt wird, hat man oft nur noch Zeit zu reagieren und ruft Automatismen ab. Deshalb ist es wichtig, diese Situationen im Training immer wieder bewusst zu üben, um dann im Stress und in der Wettkampfsituation die Automatismen abzurufen.

    Die Grundidee ist, dass der Vorhand-Griff-Spieler möglichst viel mit seiner Vorhand spielen will. Gerade die schwächere Rückhand will er umlaufen, daher ist oft der Schlag aus seiner extremen Vorhand-Ecke nicht so gut. Von hier aus hat man als Gegner die Chance, in die weite Rückhand zu wechseln und den Gegner zum Rückhandspielen zu zwingen. Daher muss die Grundausrichtung des Spiels über die Ecken laufen.

    Übrigens: Auf myTischtennis.de hatten wir bereits im vergangenen Jahr in einem Artikel erklärt, welche Schläger-Griff-Arten es gibt und wann welche Haltung am besten geeignet ist. In unserem Archiv-Beitrag bekommt ihr den Überblick.

    1. Übung: Passivspiel von Rückhand in die Vorhand-Ecke

    Spieler BSpieler A
    KA über RHLR in RH (manchmal KR in VH)
    VHT in RH0 – 1 x B in RH oder B in VH
    frei
    Der Rückschlag wird in die Rückhand-Ecke gespielt, am besten sehr lang und weit nach außen – auch mal per Flip. Auf den Vorhandtopspin in die Rückhand wird nun direkt in die Vorhand-Ecke (möglichst genau) geblockt oder aber, wenn der Gegner schon in Richtung seiner Vorhandseite startet, noch einmal in die Rückhand und dann in die Vorhand-Ecke.

    2. Übung: Passivspiel von Rückhand in die Vorhand-Ecke mit Beobachtung

    Spieler ASpieler B
    KA überall (LA über RH-Seite)KR
    F/Sch in weite RH (in VH – frei)RH/VHT in RH
    bei RHT: 0 – 1 x B in RHVersuch VHT in RH
    B in VHfrei
    bei VHT: RHB in VHfrei
    Nun geht es – ähnlich wie in der ersten Übung – um den Wechsel von der Rückhand- zur Vorhand-Ecke. Diesmal unter Umständen aber auch erst nach einem Rückhandtopspin. In dieser Übung geht es darum, den Gegner genau zu beobachten. Will er umspringen, kommt der Ball direkt in die weite Vorhand. Spielt er Vorhandtopspin, wird direkt die Ecke gewechselt.

    3. Übung: Passivspiel aus der Rückhand und Mitte in die Rückhand

    Spieler BSpieler A
    KA in VH/MitteLR in VH am besten über die Seite
    VHT in RH/MitteB weit in RH 80 % / in VH-Ecke 20 %
    frei
    Der Rückschlag erfolgt jetzt in die Vorhand-Ecke, um die Rückhand-Ecke für den Ball danach zu öffnen. Deshalb sollte er schon weit außen sein. Auf den Topspin, der vom Vorhand-Griff-Spieler meist parallel oder in die Mitte gespielt wird, soll nun der Block weit in die Rückhand erfolgen – ab und zu gegen den Lauf, aber auch nochmal in die Vorhand. Beim Block in die Rückhand ist wichtig, dass der Blockball mit genug Länge und Druck gespielt wird, damit der Gegner richtig in Schwierigkeiten kommt.

    4. Übung: Rückschlag über Ecken, dann Block in die andere Ecke

    Spieler BSpieler A
    KA überallLR über die Ecken
    VHT überallB/T in andere Ecke als Rückschlag
    frei
    Lange Rückschläge erfolgen gegen den Vorhand-Griff-Spieler über die Ecken. Der anschließende Blockball erfolgt in die andere Ecke. Also: Nach einem Rückschlag in die Vorhand wird in die Rückhand geblockt und umgekehrt. Eine Ausnahme gibt es lediglich, wenn der Aufschläger es nicht schafft, aus der Rückhandseite mit der Vorhand zu eröffnen, sondern mit der Rückhand spielt. Dann kann der Block auch nochmal mit Druck in die Rückhand-Ecke gespielt werden.
    Die Übungen dieser Reihe wurden von den DTTI-Bewohnern Luke Jalaß und Koki Püschel eingespielt. (© myTT)

    Der Autor
    Martin Adomeit war Nationaltrainer in vier verschiedenen Nationen (Deutschland, Luxemburg, Belgien und Nigeria) und gewann mit allen Nationen Medaillen und Titel bei Welt-, Europameisterschaften oder African Games. 1998 wurde er in Deutschland Trainer des Jahres. Jetzt arbeitet der 62 Jahre alte Lippstädter als freiberuflicher Trainer. Er führt unter anderem Lehrgänge für Vereine, Bezirke oder Verbände durch und gibt Einzeltraining. Außerdem betreibt er einen der wenigen unabhängigen TT-Shops, in dem er umfassend berät und verkauft Equipment nahezu aller gängigen Tischtennis-Marken verkauft. Zudem führte er zuletzt zahlreiche Maßnahmen für den DOSB in Afrika und Asien durch und arbeitet als Berater und Werbeträger von Victas. Erreichbar ist Martin per Telefon unter +49 2941 273385, unter WhatsApp +49 160 8120572 oder per E-Mail unter ttcenterlippstadt@faszination-tischtennis.de – gerne auch, um mal eine Lehrgangsmaßnahme bei euch im Verein mit ihm abzusprechen.

    Noch mehr Tipps?

    Beim vorherigen Taktiktipp dieser Reihe ging es um das Aufschlagspiel gegen Spieler mit Rückhand-Griff.

    AbkürzungBedeutung
    VHVorhand
    RHRückhand
    KAKurzer Aufschlag
    HLAHalblanger Aufschlag
    LALanger Aufschlag
    TTopspin
    BBlock
    KRKurzer Rückschlag
    LRLanger Rückschlag
    SchSchupf
    FFlip
    ½ VHTischhälfte von der Mitte aus, auf der mit der Vorhand gespielt wird
    ⅔ VHZwei Drittel des Tischbereichs, der mit der Vorhand abgedeckt wird