Zweitliga-Meister Windsbach! TTBL-Chance bei „50:50“

    Seit dem 14. März steht der TSV Windsbach als Meister der 2. Bundesliga fest. Manager Andreas Staudacher erklärt im myTischtennis.de-Interview, warum der Aufstieg noch alles andere als sicher ist und welche Hürden noch zu meistern sind.

    Die Aufstiegsmannschaft des TSV Windsbach. (© Verein)

    myTischtennis.de: Andreas, herzlichen Glückwunsch zum direkten Durchmarsch aus der dritten in die höchste deutsche Spielklasse! Seit dem Heimsieg gegen Mainz ist der Titel drei Spieltage vor Saisonende perfekt. Wie fühlt sich das an?

    Andreas Staudacher: Vielen Dank! Es ist gerade eine Mischung aus riesiger Freude, aber auch extrem viel Stress. Die Nacht war kurz. Sportlich haben wir unseren Teil erledigt. Gleichzeitig hoffen wir weiter auf das Licht am Ende des Tunnels. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.

    myTischtennis.de: Wie überraschend war der Coup für euch?

    Staudacher: Wir waren alle gespannt, ob wir es eintüten können. Aber ganz ehrlich: Als Aufsteiger rechnet man nie damit, überhaupt in so eine Situation zu kommen. Unser Ziel war eigentlich das gesicherte Mittelfeld, vielleicht Platz vier oder fünf. Dass wir jetzt ganz oben stehen, hat sich erst durch die enorme Leistungssteigerung des gesamten Teams im Saisonverlauf entwickelt.

    myTischtennis.de: Wie fällt dein bisheriger Rückblick auf die Erfolgssaison aus?

    Staudacher: Wir sind mit 6:6 Punkten gestartet und standen lange im Mittelfeld. In den letzten drei Spielen der Vorrunde hatten wir dann unseren Taiwaner Chen Chien-An mit dabei, der bisher nach 15 Begegnungen insgesamt auf vier Einsätze gekommen ist und eigentlich nur unser Backup für den Klassenerhalt sein sollte. Wir haben uns immer weiter vorgearbeitet und ihn dann nicht mehr eingesetzt. Der Gedanke, dass wir um Platz eins spielen könnten, war da überhaupt noch kein Thema. Wir hatten überhaupt keinen Druck und haben die wichtigen Spiele in der Rückrunde gegen Jülich, Köln und Hohenstein gewonnen. Ich bin extrem stolz auf die Mannschaft. Es ist die gleiche Truppe wie in der 3. Liga. Der Schlüssel ist der Mix aus Talent und Erfahrung. Das alles war so nicht geplant. Aber genau deshalb ist es umso schöner, wenn man sich in so einen Flow gespielt hat.

    Schals und Autogrammkarten: Den Fans wird mittlerweile einiges geboten. (© Verein)

    myTischtennis.de: Die Lizenz ist beantragt. Wie optimistisch bist du, dass rechtzeitig auch der finanzielle Rahmen für die TTBL stehen kann?

    Staudacher: Das ist aktuell die große Frage. Die Chance steht bei 50:50. Die Unterschiede zwischen 2. Bundesliga und TTBL sind finanziell enorm. Wir beschäftigen uns erst seit Mitte Februar intensiv mit dem Thema und sind seitdem täglich im Austausch mit erweiterten, potenziellen Partnern und Sponsoren. Etwa ein Drittel der benötigten Mittel fehlt noch. Wenn wir die Summe X noch auftreiben können, machen wir es, aber wir werden keine Hau-Ruck-Aktion starten. 20 Anfragen sind noch offen. Das Zeichen kann jeden Tag kommen. Eine Prognose ist schwer. Wir haben uns für den 29. März intern eine klare Deadline setzen müssen, da wir sonst auch nicht mehr rechtzeitig die strukturellen und rechtlichen Voraussetzungen bis zur finalen Lizenzabgabe am 16. April umgesetzt bekommen. Auch die TTBL-Vereine brauchen Planungssicherheit, deshalb können und werden wir die Entscheidung nicht bis zum letzten Spieltag offenlassen.

    myTischtennis.de: Vor allem Tom Schweiger, inzwischen als Nummer zwölf in Deutschland auch regelmäßig international unterwegs, spielt eine herausragende Saison. Wie bewertest du seine Entwicklung?

    Staudacher: Tom hat in den vergangenen sechs Spielen eine 11:1-Bilanz hingelegt. Er hat seit November nur ein Spiel verloren. Mit 21 Jahren hat er auf allen Ebenen einen riesigen Sprung gemacht. Für ihn und große Teile der gesamten Mannschaft wäre die TTBL der verdiente nächste große Schritt. Tom ist wieder Rest auch gegenüber unseren Fans und Helfern extrem bodenständig. Diese "Nahbarkeit" ist der Schlüssel zum Erfolg in Windsbach.

    Die fleißigen Helfer. (© Verein)

    myTischtennis.de: Apropos Zuschauer. Der Schnitt bei Heimspielen wurde fast verdoppelt. Wie blickst du auf das gesteigerte Interesse in der Region Mittelfranken?

    Staudacher: Richtig. Das ist für mich der größte Applaus, wenn die Zuschauer das honorieren. Dann weiß man, wofür man den Aufwand betreibt. Letztes Jahr in der 3. Liga kamen im Schnitt etwa 120 Zuschauer, jetzt liegen wir bei rund 210. Bei einzelnen Spitzenspielen waren es gar 350. Darauf kommt nicht mal jeder TTBL-Klub. Die Halle ist voll, die Stimmung kann nicht besser sein. Es herrscht viel Zuspruch und Euphorie, auch beim Bürgermeister. Nach den Spielen bleiben die Leute da, machen Fotos, holen sich Autogramme, spielen mit den Jungs noch Rundlauf. Diese Nähe ist ein riesiger Faktor. Niemand ist sich für ein Selfie zu schade. Das verbindet und ist für die Leute sehr attraktiv.

    myTischtennis.de: Wie schreiten denn die personellen Planungen voran?

    Staudacher: Aktuell telefoniere ich noch tagtäglich mit möglichen Partnern und Sponsoren. Solange wir nicht wissen, ob wir TTBL spielen, können wir mit potenziellen Neuzugängen nicht konkret sprechen, geschweige denn ich kann mich nicht mal auf dem Spielermarkt umsehen. Diese Kurzfristigkeit macht alles deutlich schwieriger als in einer normalen Planung. Wenn wir wie im Vorjahr ein Jahr Zeit hätten, wäre das alles deutlich entspannter.

    Nach dem Heimsieg gegen Mainz herrschte gute Stimmung in der Halle. (© Verein)

    myTischtennis.de: Warum wollt ihr, wenn es klappt, mehr werden als ein klassisches One-Hit-Wonder - wie viele Vereine zuvor?

    Staudacher: Weil wir es langfristig aufbauen wollen. Wir könnten vielleicht auch so irgendwie hochgehen, aber dann liegt die Wahrscheinlichkeit, Spiele zu gewinnen, vielleicht bei zehn oder 20 Prozent. Wir wollen keine Fahrstuhlmannschaft sein. Wenn wir hochgehen, dann mit dem Anspruch, konkurrenzfähig zu sein und uns in der Liga zu etablieren. Alles andere macht für uns keinen Sinn.

    myTischtennis.de: Abschließend: Wie sehr würdest du dir den Aufstieg wünschen?

    Staudacher: Natürlich enorm, vor allem für die Spieler und alle drumherum. Aber am Ende muss es gesund und nachhaltig sein. Wenn wir es schaffen, gehen wir den Weg. Wenn nicht, dann müssen wir das Thema TTBL eben ggf. um ein Jahr vertragen, aber dann ja mit ausreichendem Vorlauf.

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    Zu den TSV-Bilanzen bzw. -Ergebnissen und zur Tabelle in der 2. Bundesliga.

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