Vom Zweitliga-Aufsteiger zum TTBL-Kandidaten?

Für den TSV Windsbach beginnt am Wochenende das Abenteuer 2. Liga. Teammanager Andreas Staudacher spricht über Talente, Ziele und darüber, warum sogar die TTBL langfristig nicht ausgeschlossen ist.

Der Jubel war groß am 24. März um kurz nach 17 Uhr in Effeltrich, als Chen Chien-An den letzten Ballwechsel des Tages zum wohl wichtigsten Punkt einer der erfolgreichsten Spielzeiten vollendete. Die Anzeigetafel zeigte 6:1 – der TSV Windsbach hatte soeben nicht nur den nächsten Auswärtssieg eingefahren, sondern auch die Drittligameisterschaft in der Süd-Staffel und den damit verbundenen Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt gemacht. Auf der Bank sprangen Mitspieler und Betreuer auf, umarmten sich, und im Hintergrund klangen Bierflaschen aneinander. Teammanager Andreas Staudacher wirkte nach dem geschafften Kraftakt vor allem erleichtert – schließlich war es der nächste Meilenstein eines vor Jahren eingeschlagenen Wegs.
Transfer-Offensive als Game Changer
Schon im Sommer vor der Aufstiegssaison hatte der Verein für Aufsehen gesorgt. Gleich acht international erfahrene Spieler verpflichtete der Klub aus dem Landkreis Ansbach in Bayern – eine Transfer-Offensive, wie sie in der 3. Liga selten vorkommt. Mit unter anderem Bojan Tokic, Paul Drinkhall und Doppel-Weltmeister Chen kamen namhafte Akteure mit Weltklasse-Vergangenheit. Zudem konnte als "Backup“ der chinesische Auswahlspieler Yan Sheng für einzelne Spiele sowie der zuvor zweitbeste Spieler der Liga, Jakub Folwarski, vom Konkurrenten TSG Kaiserslautern abgeworben werden. Mit der im Jahr 2023 getätigten Verpflichtung von Deutschlands zweitbestem Nachwuchsspieler, dem damals 18-jährigen Tom Schweiger, war die Richtung manifestiert. „Das i-Tüpfelchen war dann noch, dass wir auch seinen bayrischen Landsmann, den 23-jährigen Daniel Rinderer vom TTC Passau, überzeugen konnten, mit uns diesen Weg gemeinsam zu gehen. Dass wir jetzt zwei der besten deutschen Nachwuchsspieler im Team haben, macht uns besonders stolz“, betont Staudacher.
Gerade Schweiger musste damals eine klare Perspektive geboten werden. Mit mehr als acht Spielern für eine Vierer-Mannschaft ist Windsbach weiter gut gerüstet, um auf Verletzungen, WTT-Turniere, Gegner und Formschwankungen reagieren zu können. Die neue Nummer eins ist der Chinese Zhou Kai, auch Publikumsliebling Petr David gehört weiter zum Aufgebot. "Wir werden jedenfalls nicht mehr so viel personell rotieren, wie in der vergangenen Spielzeit" so der Manager.
Breite im Kader als sportlicher Trumpf
Die Kaderbreite erwies sich im Meister-Rennen als entscheidender Vorteil. Tokic, vom Magazin ‚tischtennis‘ jüngst zum Spieler des Monats August erkoren und mit seiner Erfahrung weiter als Spielertrainer mit im Boot, bestritt nach anfänglichen Schwierigkeiten rund zwei Drittel der Partien, die asiatischen Spieler wurden gezielt als Joker eingesetzt. Junge Spieler wie Schweiger müssen in der zweiten Liga deutlich mehr Einsätze bekommen als zuletzt. „Tom hatte in der vergangenen Saison nur acht Spiele. Das reicht für einen jungen Spieler nicht – deswegen ändern wir das“, kündigt Staudacher an.
Für die Premierensaison im Unterhaus peilt der TSV einen Platz im gesicherten Mittelfeld an. „Platz fünf oder sechs wäre schön, aber wir schauen nicht nach unten“, sagt Staudacher zuversichtlich. Und wie sieht es mit dem nächsten Schritt aus, möglicherweise Richtung Bundesliga? Druck zum direkten Durchmarsch in die TTBL gebe es nicht, doch die Vision ist klar: „Wenn wir sehen, dass wir sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell mithalten können, dann müssen wir uns irgendwann die Frage stellen. Die zweite Liga ist für uns ein Prüfstein. Hier können wir sehen, wie konkurrenzfähig wir wirklich sind.“
Zuschauerentwicklung vorantreiben, Spieler sammeln Sympathiepunkte
Abseits des Sports will Windsbach ebenfalls wachsen. Mit einem Zuschauerschnitt von 114 war man in Liga drei schon Spitze, der Wert soll erneut um circa 40 Prozent steigen. Mehr Marketing, ausgebaute Sponsoren- und gezielte Pressearbeit in regionalen Medien sowie besondere Spieltermine wie das Nikolaus-Derby gegen Hilpoltstein sollen für volle Ränge sorgen. „Unter 400 Zuschauern bei diesem Spiel wäre ich enttäuscht“, so Staudacher. Catering und Rahmenprogramm wurden bereits verbessert, die Atmosphäre soll familiär bleiben. Zwischen den etablierten Standorten Bad Königshofen und Hilpoltstein will Windsbach mit Nahbarkeit und Bodenständigkeit punkten. „Unsere Spieler sind Stars ohne Starallüren. Sie sind nett, sympathisch und immer ansprechbar – das schätzen unsere Fans“, betont der Manager.
Lessons Learned - Neuland mit Vorfreude
Aus früheren Erfahrungen hat der Verein gelernt: Junge Spieler brauchen Einsatzzeiten, auch erfahrene Akteure dürfen eine Liga nicht unterschätzen. „In der 3. Liga hat es einige überrascht, wie hoch das Niveau ist – diesen Lerneffekt nehmen wir mit“, sagt Staudacher. Die Vorbereitung auf die neue Saison war entsprechend intensiv geplant. Wenn Windsbach am Samstag um 18 Uhr mit dem Heimspiel gegen Velbert in die Saison startet, beginnt ein neues Kapitel. „Wir freuen uns auf jedes Spiel – für die Region, für den Sport. Und wer weiß, wohin die Reise noch geht“, blickt Staudacher nach vorne. Der Grundstein ist gelegt, die Tür zur TTBL steht zumindest einen kleinen Spalt offen.
Zur neuen Zweitliga-Mannschaft des TSV Windsbach.
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