Zweifel zerstreut: China hält Druck stand und holt Gold

    Viel war vor der Team-WM in London über die Stärke des chinesischen Herrenteams spekuliert worden. Am Ende sind es aber wieder Wang Chuqin und Co., die den Weltmeisterpokal in die Höhe stemmen.

    Wang Chuqin blieb bei der WM ungeschlagen (©ITTF)

    Japans Herren waren mit nur einem einzigen Ziel zur Team-WM nach London gereist: Sie wollten China vom Thron stoßen und den Weltmeistertitel holen. Die Gelegenheit erschien günstig: Seit Ma Long und Fan Zhendong nicht mehr zum chinesischen Team gehören, wirkt die Mannschaft verletzlicher denn je. Zwei Niederlagen gegen Südkorea und Schweden in der Vorrunde sprachen da Bände. Doch die Chinesen bewiesen den Zweiflern, dass sie immer noch da sind und zu Höchstleistungen imstande. Nach dem kräftezehrenden Halbfinale gegen Frankreich am Samstagabend besiegten sie im Endspiel auch Herausforderer Japan und sicherten sich so zum 24. Mal den WM-Titel.

    Liang gelingt erneut das Comeback

    Und wieder kam Liang Jingkun, der sein Einzel gegen Alexis Lebrun im Halbfinale nach 0:2-Rückstand noch gedreht hatte, eine wichtige Rolle zu. Diesmal wurde er nicht an Position drei, sondern an zwei aufgeboten und durfte somit direkt zum Auftakt in die Box. Die Zuschauer auf den Rängen sollten dann ein Déjà-vu erleben. Denn Liang erwies sich erneut als ‚Comebackking’. Japans Spitzenspieler Tomokazu Harimoto gelang ein Start nach Maß: Mit 11:8 und 11:4 brachte er sich in Führung. Dann verpasste er es aber - wie abends zuvor Lebrun - den Sack im dritten Satz zuzumachen. Stattdessen verkürzte Liang auf 1:2, wehrte im vierten einen Matchball ab und gewann zusehends an Selbstvertrauen. Im fünften Satz sah Harimoto bei einer Führung von 8:3 trotzdem schon wie der sichere Sieger aus. Doch in einem Wahnsinns-Endspurt spielte sich Liang zum 11:8 und verpasste den japanischen Titelträumen gleich zu Beginn einen ordentlichen Dämpfer.

    Doch auch das zweitbeste Pferd im Stall der Japaner, Sora Matsushima, ging mit Zuversicht in sein Match gegen Wang Chuqin. Schließlich hatte er in den vergangenen zwölf Monaten zweimal gegen die Nummer eins der Welt gewonnen. Auch in London holte er den ersten Satz, die 2:0-Führung verpasste er aber knapp. Wang nutzte die Gelegenheit, die sich ihm bot, und drehte den Spieß um. So erhöhte er die Führung des chinesischen Teams mit einem 3:1-Sieg auf 2:0. Im dritten Einzel hatte nun Lin Shidong die Chance, einen versöhnlichen Abschluss nach einer schwierigen WM zu finden. Shunsuke Togami versuchte zwar, seine Chancen zu nutzen, und holte tatsächlich noch den dritten Satz auf seine Seite. Lin spielte sich jedoch mehr und mehr in einen Flow und brachte das Match mit 3:1 nach Hause. Damit gewann China das Finale souverän mit 3:0, was den Gewinn des 24. WM-Titels für das Herren-Team bedeutete.

    Wang Chuqin: „WM war wahre Achterbahnfahrt“

    Wang Chuqin sprach den immensen Druck in der Pressekonferenz nach dem Match direkt an: "Diese WM war für unser Team eine wahre Achterbahnfahrt. Lin Shidong und Liang Jingkun haben sich von der Vorrunde zur K.-o.-Runde immer weiter gesteigert und entscheidende Punkte gemacht. Wir standen diesmal im Scheinwerferlicht, viele Spieler und die Öffentlichkeit haben diesen Sieg von uns erwartet. Wir haben diesen Druck deutlich gespürt." Am Ende hielten die Chinesen ihm stand. Sie stehen verdient zum elften Mal in Folge ganz oben auf dem WM-Siegertreppchen.


    Das Endspiel im Überblick

    Japan - China 0:3
    Tomokazu Harimoto - Liang Jingkun 2:3 (8,4,-9,-11,-8)
    Sora Matsushima - Wang Chuqin 1:3 (8,-10,-2,-9)
    Shunsuke Togami - Lin Shidong 1:3 (-9,-5,7,-9)

    Alle Ergebnisse kann man auf der Turnierseite abrufen.

    Alle Spiele sind live und auf Abruf bei Dyn zu sehen.

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