Frankreich trauert: Riesenchance gegen China verpasst

Im vorgezogenen WM-Finale von London hielt China den vehementen Angriffen der Franzosen stand und gewann am Ende mit 3:1. Frankreich hatte jedoch mehr als eine Chance, das Spiel in eine andere Richtung zu lenken.

Man merkte schon zu Beginn des Halbfinals zwischen China und Frankreich, dass es um mehr ging als um den Einzug in ein WM-Finale. Hier lag die Fortführung, das Ende oder zumindest eine Unterbrechung der Ära einer Mannschaft auf dem Tisch, die das letzte Vierteljahrhundert quasi nach Belieben dominiert hatte. Die Fans der beiden Lager verwandelten die OVO Wembley Arena in einen Hexenkessel, der Gänsehaut erzeugte. Eine würdige Kulisse für das Aufeinandertreffen der beiden topgesetzten Mannschaften der Team-WM in London. Am Ende eines wirklich denkwürdigen Matches, das mehr als einmal die Richtung wechselte, hieß der Sieger aber wieder China.
Liang dreht Wahnsinnsmatch
Auch diesmal setzte Frankreichs Nationaltrainer Nathanael Molin auf Jungspund Flavien Coton, der als die Entdeckung dieser WM bezeichnet werden kann. Nachdem der 18-Jährige, der bei der Team-EM in Zadar im Oktober noch keinen Einsatz bekommen hatte, im Viertelfinale bereits die Nummer fünf der Welt, Hugo Calderano, mit 3:0 besiegt hatte, ließ ihn Molin weiter auf der Erfolgswelle reiten. Und sein Riecher erwies sich als richtig: Coton bot auch dem Weltranglistenersten Wang Chuqin Paroli und hielt mit ihm auf Augenhöhe mit. Schon der erste Satz schwappte hin und her und ging nach mehreren Satzbällen für beide Seiten erst mit 15:13 an Wang. Doch der Franzose spielte unerschrocken weiter und drehte den Spieß herum: Zwei Sätze später war er es, der mit 2:1 führte. Nach Hause bringen konnte er diese Führung jedoch nicht. Wang holte sich den Ausgleich deutlich und machte im fünften Satz dann den Sack zu. Das Break war abgewendet, aber das chinesische Team ging durchaus beeindruckt aus diesem Spiel heraus.
Denn die nominell stärksten Spieler der Franzosen kamen ja erst noch. Zuerst die Nummer vier der Welt, Felix Lebrun, der gegen Chinas zweitbesten Mann, Lin Shidong, eine 5:2-Bilanz hat. In London fügte er dieser Statistik noch einen weiteren Sieg hinzu. Zwar waren alle drei Sätze hart umkämpft und wurden nur mit zwei Punkten Unterschied gewonnen - doch stand am Ende ein 3:0-Sieg für Lebrun auf der Anzeigetafel. Keine einfache Situation für Liang Jingkun, der als nächstes gegen Alexis Lebrun in die Box musste, in London bisher aber nur eine 3:3-Bilanz gespielt hat. Gegen den älteren Lebrun-Bruder stand er aber mit einem Head-To-Head-Verhältnis von 4:1 sehr gut da. Nichtsdestotrotz merkte man ihm seine Verunsicherung ebenso an wie Lebrun sein Selbstbewusstsein. Mit 11:3 und 11:1 deklassierte der Franzose Liang förmlich in den ersten beiden Sätzen - und niemand hätte für möglich gehalten, dass dieses Match noch einmal kippt. Doch Alexis Lebrun verpasste es trotz Matchbällen, den Sack im dritten Satz zuzumachen. Im vierten lag der Franzose dann schon 3:10 hinten, als er sich in unglaublicher Manier auf 10:10 wieder herankämpfte. Doch es war trotzdem Liang, der sich den Satz in der Verlängerung holte. Danach eilte der Chinese mit 11:2 zum 3:2-Sieg und feierte sein Comeback.
Wang gewinnt auch sein zweites Match
Nun musste Felix Lebrun gegen Wang Chuqin gewinnen - ein Kunststück, das ihm bislang noch nie gelungen war. Der erste Satz lief zunächst zugunsten des Chinesen, der sich zwei Satzbälle erspielte. Als Lebrun beide abgewehrt, sich aber nicht mit einem eigenen belohnt hatte, ließ er seinen Ärger mit wilden Sprüngen in der Box heraus. Es brachte nichts: Wang gewann den Satz. Zwar schaffte es Lebrun, den Ausgleich direkt im Anschluss zu holen, doch die Führung war ihm nicht vergönnt. Wang gewann den dritten Satz knapp und den vierten deutlich mit 11:4. Damit hatte China die riesige Bedrohung, die vom französischen Team ausging, abgewendet. Nach einem kräftezehrenden Drei-Stunden-Spiel steht für die Chinesen am Sonntag um 17 Uhr deutscher Zeit nun das nächste Duell gegen einen weiteren nach Erfolg gierenden Gegner an: Im Finale wartet Japan.
Die Spiele im Überblick
Herren
Halbfinale
Japan - Taiwan 3:0
Tomokazu Harimoto - Lin Yun-Ju 3:1 (-5,9,10,10)
Sora Matsushima - Feng Yi-Hsin 3:0 (8,8,4)
Shunsuke Togami - Kuo Guan-Hong 3:0 (8,9,5)
China - Frankreich 3:1
Wang Chuqin - Flavien Cotton 3:2 (13,-11,-9,4,8)
Lin Shidong - Felix Lebrun 0:3 (-9,-9,-10)
Liang Jingkun - Alexis Lebrun 3:2 (-3,-1,13,10,2)
Wang Chuqin - Felix Lebrun 3:1 (10,-9,9,4)
Finale
China - Japan, Sonntag 17 Uhr
Damen
Halbfinale
Japan - Deutschland 3:0
Miwa Harimoto - Ying Han 3:1 (-5,10,3,8)
Hina Hayata - Sabine Winter 3:2 (-10,-6,5,9,6)
Honoka Hashimoto - Nina Mittelham 3:0 (8,5,5)
China - Rumänien 3:0
Sun Yingsha - Elizabeta Samara 3:0 (3,4,5)
Wang Manyu - Bernadette Szöcs 3:0 (4,9,10)
Kuai Man - Andreea Dragoman 3:0 (10,6,10)
Finale
China - Japan, Sonntag 12 Uhr
Alle Ergebnisse kann man auf der Turnierseite abrufen.
Alle Spiele sind live und auf Abruf bei Dyn zu sehen.
4 Kommentare
Um einen Kommentar abzugeben, musst du mit deinem myTischtennis.de-Account eingeloggt sein.


