Tokic zurück im Team - Ein Gruß aus der TT-Rente
Eigentlich hatte sich Bojan Tokic in Juni von der internationalen Tischtennisbühne verabschiedet. Nun ist er zurück - und verhalf Slowenien bei der Team-EM in Zadar sogleich zum Sieg über Dänemark.

Manch einer wird sich noch gut an den tränenreichen Abschied von Bojan Tokic beim WTT Star Contender in Ljubljana vor etwa vier Monaten erinnern, als der Slowene dank einer Wildcard nach vierjähriger Abstinenz noch einmal auf die internationale Bühne zurückkehrte und vor heimischem Publikum seine Karriere beendete. Dass er auch danach noch beim TSV Windsbach in der 2. Bundesliga spielen würde, war dabei schon klar. „Und ich habe dem Verband auch sofort gesagt: Ich habe mich zwar verabschiedet, aber wenn die Mannschaft mich braucht, bin ich da“, erzählt Tokic. Gesagt, getan - die Bitte des Verbands erreichte ihn schon kurz darauf, vor dem nächsten großen Mannschaftsturnier, der Team-EM in Zadar. „Da konnte ich nicht nein sagen und ich bin sehr froh, dass ich hier bin - mit meiner Mannschaft.“
Verantwortung übernommen
Denn mit Darko Jorgic und Deni Kozul hatte Tokic schon vor Jahren zusammengespielt - zuletzt 2021. Vier Jahre später merkt man ihm die Pause kaum an. Direkt im wichtigen ersten Gruppenspiel gegen Dänemark setzte Nationaltrainerin Andrea Ojstersek Urh auf den 44-Jährigen und traf die richtige Wahl. Tokic kam als Nummer drei beim Stand von 1:1 an den Tisch - Kozul hatte knapp gegen Jonathan Groth verloren, Jorgic gegen Anders Lind gewonnen - und holte die Führung mit einem 3:0-Sieg gegen Martin Buch Andersen. Jorgic machte den Sack kurz darauf gegen Groth zu und vermieste Gruppenkopf Dänemark so den vorzeitigen Gruppensieg. „Ich muss wirklich sagen, dass mein Herz voller Freude ist nach diesem Erfolg“, strahlte Tokic. Schließlich verbindet die Slowenen eine längere Geschichte mit den Skandinaviern. Bei der Team-EM 2023 in Malmö hatten sie in der Vorrunde verloren, bei der Team-WM 2024 in Busan ereilte sie im Achtelfinale dasselbe Schicksal. Im dritten Anlauf - und diesmal mit Tokic, der zuvor als belgischer Nationaltrainer gearbeitet hatte - gelang in Zadar der ersehnte Sieg gegen Dänemark.
„Diese Verantwortung, bei 1:1 an den Tisch zu gehen und gewinnen zu müssen, ist nicht klein“, weiß der Windsbacher. „Und ich hatte da auch durchaus Respekt vor, zumal ich vier Jahre lang international nicht gespielt habe. Aber ich habe sie übernommen und es hat geklappt.“ Doch damit ist Slowenien noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Am Dienstagabend um 19 Uhr will man gegen Italien den Gruppensieg festmachen. Und dann soll es auch in der K.-o.-Runde noch weitergehen. „Mit einem Champion wie Darko im Team ist viel möglich“, findet Tokic. „Ich hoffe, dass wir am 17. Oktober noch das Spiel um die Medaille bestreiten können. Das ist unser Ziel.“
Zurück in die TT-Rente - oder doch nicht?
Danach geht es für Bojan Tokic zurück in seinen neuen Alltag. Bei der Stadt Ljubljana, die laut dem olympischen Fahnenträger von 2021 mehrere Millionen Euro im Jahr in Sport investiert, ist er aktuell als Nachwuchstrainer angestellt. Außerdem genießt er es, Zeit zu Hause mit seiner Familie zu verbringen - und hilft dem TSV Windsbach in der 2. Liga. Ein baldiges Wiedersehen mit ihm auf internationaler Bühne würde ebenfalls niemanden verwundern, der den 44-Jährigen bei seinem Einsatz gegen Dänemark am Montag beobachtet hat. Wenn die Slowenen das Achtelfinale in Zadar erreichen, sind sie für die Team-WM 2026 in London qualifiziert. Und vielleicht klingelt im Frühjahr ja erneut Bojan Tokics Telefon…
0 Kommentare
Um einen Kommentar abzugeben, musst du mit deinem myTischtennis.de-Account eingeloggt sein.
