„Heute war unser Tag, Slowenien stolz zu machen“
Slowenien hat nach 2017 seine zweite EM-Medaille sicher. Darko Jorgic erzählt im Interview, warum Bojan Tokic jetzt nach Hause schwimmt und wie er mit dem Druck klarkommt, jedes Spiel gewinnen zu müssen.

myTischtennis.de: 2017 habt ihr die letzte EM-Medaille im Team gewonnen. Was bedeutet es für Slowenien, dass ihr das nun wieder geschafft habt?
Darko Jorgic: Es ist unglaublich. Unser Ziel war es zunächst, irgendwie die besten 16 zu erreichen. Ins Halbfinale einzuziehen, wirkte da wie ein riesiger Schritt für uns. 2017 haben wir unsere erste Medaille gewonnen, jetzt die zweite. Wir haben an uns geglaubt und von Anfang bis Ende wie ein Team zusammen gekämpft. Ich bin wirklich stolz, was jeder von uns geleistet hat. Wir haben gezeigt, dass wir es können, und kämpfen weiter.
myTischtennis.de: Es war eine spezielle Konstellation für euch, zumal Bojan Tokic für dieses Turnier in die Mannschaft zurückgekehrt ist und ihr nun mit demselben Team antreten könnt wie 2017…
Darko Jorgic: Definitiv. Bojan ist ein toller Spieler. Er hat jetzt so viele Jahre nicht mehr trainiert, aber ist immer noch auf einem Top-Level und hat nicht vergessen, wie man spielt. Er ist immer noch derselbe, lustige Bojan - und so machen wir weiter.
myTischtennis.de: Ich habe gehört, dass er vor dem Spiel gesagt hat, dass er von hier nach Hause schwimmen will, wenn ihr gegen Portugal gewinnt. Wartet er damit zumindest noch bis nach dem Halbfinale?
Darko Jorgic: Exakt, das hat er gesagt. Sonntag ist sein Tag, wir werden auf ihn warten. Mal sehen, was er tun wird. (lacht)
myTischtennis.de: Portugal ist seit vielen Jahren ein Top-Team in Europa, hier aber ohne Marcos Freitas am Start - und mit einem nicht ganz fitten Tiago Apolonia. Mit welchen Erwartungen seid ihr in das Spiel gegangen?
Darko Jorgic: Portugal hat trotzdem ein großartiges Team mit tollen Spielern. Man muss sie erst mal schlagen. Es war ein schweres Match von Beginn an, aber natürlich war es ein Handicap für sie, dass sie hier ohne Freitas auskommen müssen und Apolonia nicht ganz auf der Höhe ist. Aber das ist Sport - manchmal ist man verletzt, manchmal fühlt man sich schlecht. Heute war unser Tag, unser Moment, um Slowenien stolz zu machen.
myTischtennis.de: Ihr habt euch auch für die Team-WM in London qualifiziert. Werdet ihr nach diesem Erfolg auch dort in dieser Konstellation - mit Bojan Tokic - antreten?
Darko Jorgic: Das wissen wir noch nicht. Wir müssen mit ihm darüber reden, wie seine Pläne aussehen. Die Stimmung im Team ist immer großartig mit ihm. Also ich denke, er wird das definitiv wollen. Und sonst haben wir junge Spieler in der Mannschaft, die um diesen Platz kämpfen werden. Es ist schwer, an ihn heranzukommen - an seine positive Einstellung, an das, was er hier in den letzten Tagen gezeigt hat. Aber die jungen Spieler werden versuchen, besser als er zu sein. Wir werden sehen, wie sich unsere Trainerin am Ende entscheidet.
myTischtennis.de: Du bist aktuell die Nummer zehn in der Welt und damit Favorit in fast jedem Spiel hier. Wie gehst du mit dem Druck um, quasi jedes Spiel für deine Mannschaft gewinnen zu müssen?
Darko Jorgic: Es ist viel Druck. Aber den habe ich, seit ich Schüler war, und weiß, wie ich damit umgehen muss. Aber trotzdem: Heute habe ich im ersten Spiel nicht mein bestes Tischtennis gezeigt, weil ich den Druck gespürt habe, dass jeder von mir erwartet, zu gewinnen, nachdem Deni (Kozul, Anm. d. Red.) das erste Match gewonnen hatte. Aber ich bin ruhig geblieben und wirklich froh über meine Leistung.
myTischtennis.de: Beim 1. FC Saarbrücken-TT, für den du in der TTBL aufschlägst, ist der Druck, der auf dir lastet, dagegen womöglich ein bisschen kleiner geworden, zumal du nun mit Olympiasieger Fan Zhendong im Team spielst. Wie kommst du mit dieser neuen Rolle zurecht?
Darko Jorgic: Zuerst einmal ist es eine große Ehre und etwas wirklich Besonderes für uns, dass er sich unserer Mannschaft angeschlossen hat. Man kann eine Menge von ihm lernen und er ist auch neben dem Tisch ein richtig netter Kerl. In der Box kämpft er immer - egal, ob er jetzt schon drei Spiele verloren hat, ich denke, er wird stärker zurückkommen. Er kam vor einem Monat mit einer 14:0-Bilanz aus der chinesischen Super League. In Deutschland ist alles ein bisschen anders, andere Tische, andere Bälle - da muss er sich erst mal dran gewöhnen. Und dann wird er der Fan Zhendong sein, den wir alle kennen, wenn es darauf ankommt.
myTischtennis.de: Zurück nach Zadar - hier steht ihr im Halbfinale womöglich gegen die Titelverteidiger aus Schweden, die aber auf Truls Moregardh verzichten müssen (Anm. d. Red.: Das Viertelfinalmatch zwischen Schweden und Rumänien war zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht gespielt). Ist jetzt der Moment gekommen, zum ersten Mal in ein EM-Finale einzuziehen?
Darko Jorgic: Das kann ich nicht sagen. Schweden ist ein großartiges Team - mit oder ohne Truls - und wir werden versuchen, unsere Chancen zu nutzen. 2017 haben wir gegen sie im Viertelfinale gewonnen. Wir freuen uns auf das Spiel, wollen es genießen, aber natürlich auch gewinnen und ins Finale einziehen. Alles ist möglich.
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