Tischtennis-Fest in Anzefahr: Kleines Dorf knackt Weltrekord

Das längste am Stück dauernde Tischtennisspiel – diesen Weltrekord hält nun der TTC Anzefahr. Über acht Tage hinweg wurde im 750-Einwohner-Dorf in Hessen durchgehend Tischtennis gespielt und zelebriert.

Es war ein verrücktes Vorhaben. Den Weltrekord darin zu brechen, am längsten an einer Platte Tischtennis zu spielen – „die Idee war so bekloppt, da habe ich sofort gedacht: ‚Super, machen wir!‘“, sagt Oliver Groß, der Vorsitzende der Tischtennisabteilung des TTC Anzefahr. Am Ende wurden genau 211 Stunden, 40 Minuten und 41 Sekunden lang – acht Tage und Nächte –Tischtennis gespielt, der angepeilte Rekordwert von 210 Stunden überboten.
Über den Versuch wurde vorab auf myTischtennis.de bereits berichtet: Zum 800-jährigen Jubiläum des Ortes Anzefahr sollte sich der Tischtennis-Verein etwas Besonderes ausdenken, irgendwann fiel die Wahl darauf, einen Weltrekord in Angriff zu nehmen. Vor allem der TTC-Kassenwart Patrick Pfeffer steckte direkt viel Herzblut in die Idee, wie Groß sagt.
Aber das es dann am Ende ein solches Ereignis werden würde in einem solchen kleinen Dorf – Anzefahr, ein 750-Einwohner-Ort der Stadt Kirchhain in der Mitte von Hessen – das war nicht abzusehen. „Mit so viel Aufmerksamkeit hätten wir nie im Leben vorher gerechnet“, sagt Groß, der gemeinsam mit Pfeffer das Vorhaben vorantrieb.
Fernsehen zum Auftakt, Polizei kommt vorbei
Der Hessische Rundfunk begleitete den Weltrekord von Anfang an im Fernsehen und Radio, auch RTL Hessen wurde aufmerksam. Für über eine Woche richtete sich die Aufmerksamkeit auf zwei Dinge, die für gewöhnlich nicht im Mittelpunkt stehen: Tischtennis und der kleine Ort Anzefahr. „In der Hessenschau kamen wir gleich zum Auftakt live ins Fernsehen“, berichtet Groß, „und seitdem lief es wie von selbst.“
Zu heiklen Momenten hätte es während des Versuchs durchaus kommen können, schließlich musste der Tisch rund um die Uhr besetzt sein – und auch genügend Zeugen brauchte es, zu wirklich jeder Stunde des Tages. „Zur ersten Nachtschicht hat einer verschlafen, aber zum Glück waren stets genügend Zuschauer da, da ist eben einer einfach spontan eingesprungen“, erzählt Groß.
Online konnten willige Spielerinnen und Spieler einen Slot buchen, ob die Besetzung gerade nachts immer klappen würde, das war im Vornherein nicht klar gewesen. „Aber das war dann überhaupt kein Problem“, freut sich Groß. Nach dem Fernsehbericht sei es zu einem Ansturm auf die Zeitslots gekommen, notgedrungen waren die letzten verfügbaren Plätze nur noch nachts buchbar.
Gerade nachts, erzählt Groß, passierten viele der lustigsten Momente, etwa als weit nach Mitternacht Spieler aus dem Nachbarverein am Tisch standen, weil die Kneipe mittlerweile geschlossen hätte. Einmal sei die Polizei vorgefahren, die Beamten hätten gehört, dass in Anzefahr rund um die Uhr Tischtennis gespielt werden könne – und machten dann auch einige Schläge, in voller Montur. Besuche der Feuerwehr sowie der Bundeswehr schlossen sich an, auch der Landrat kam nachts vorbei. „Einen freien Slot tagsüber haben sie nicht mehr gefunden“, sagt Groß.
Von einer ortsnahen Firma wurde der laufende Weltrekordversuch per Livestream übertragen und insgesamt von über 30.000 Stream-Zuschauern aufgerufen. „Wir haben Zuschriften von ehemaligen, weggezogenen Anzefahrern bekommen, die sich über die Aktion gefreut haben“, berichtet Groß, „und durch den Livestream schauten viele immer mal wieder rein – und wenn man jemand Bekannten entdeckt hat, kam man eben auch mal spontan vorbei.“
Ein neuer Treffpunkt im Dorf
Am Ende stand – neben dem erreichten Weltrekord – ein einzigartiges Tischtennis-Fest, eingebettet in die Feierlichkeiten des Dorfes zum 800-jährigen Jubiläum, die den Startschuss am 29. Mai einrahmten. Rund acht Tage später, am 7. Juni, wurde der bisherige Rekord schließlich überboten, während des dörflichen Höfefests. „Das ganze Zelt war voll, die Leute standen bis draußen“, berichtet Groß, der gemeinsam mit Pfeffer die allerletzten Ballwechsel spielte. Rekordrichterin Laura Koblischek des Rekord-Instituts Deutschland überreichte unter großem Jubel und Applaus die offizielle Urkunde über die längste Tischtennis-Staffel der Welt.
Insgesamt 211 Stunden, 40 Minuten und 41 Sekunden wurde der Tisch ununterbrochen bespielt. Und: „Gefühlt hätten wir noch fünf Tage weiterspielen können“, sagt Groß. Gerade zum Ende hin war der Andrang so reichlich, dass einige nur wenige Ballwechsel hatten spielen können – bei insgesamt über 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und rund 70 Vereinen, Behörden und Institutionen, die sich beteiligten. Zu einer Art neuem Dorf-Treffpunkt, so sagt Oliver Groß, hat sich der Tisch im Festzelt nahe des Anzefahrer Feuerwehrhauses entwickelt.
Die Begeisterung fürs Tischtennis ist bei einigen Interessierten und Zuschauern geblieben, die Aktion hat dem Verein eine neue Dimension an Aufmerksamkeit beschert. Der TTC Anzefahr, mit 13 Mannschaften und einer guten Jugendarbeit in Tischtennis-Kreisen bekannt, rief unmittelbar danach eine neue Hobbygruppe ins Leben. Fortan soll sie sich jeden Donnerstagabend treffen. Zum Auftakt kamen ganze 19 Begeisterte, „mal sehen, wie es weitergeht“, sagt Groß dazu.
Für das 75-jährige Vereinsjubiläum, das im kommenden Jahr ansteht, plant der Verein aber nicht mehr, erneut einen Weltrekord zu brechen. „Dazu werden wir uns etwas Entspannteres überlegen“, sagt Groß mit einem Lachen.
Wer sich für mehr interessiert: Auf der Homepage des Vereins wurde der Weltrekord ausführlich begleitet.
0 Kommentare
Um einen Kommentar abzugeben, musst du mit deinem myTischtennis.de-Account eingeloggt sein.








