Gesundheit durch Tischtennis: Ein Sport, der alles fordert

Tischtennis ist schnell, macht Spaß und lässt sich bis ins hohe Alter spielen. Doch der Sport kann noch mehr: Er fordert den gesamten Körper, trainiert Koordination und Konzentration und bringt Menschen zusammen. Dr. Georg Weckbach beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Gesundheit im Tischtennis. Der 84-Jährige erlebt in seinen Reha-Gruppen immer wieder, welche Effekte der Sport haben kann.

Ein Ball, ein Schläger, ein Tisch – und beinahe der gesamte Körper ist beschäftigt. Für Dr. Georg Weckbach liegt genau darin eine der großen Stärken des Tischtennissports.
„Tischtennis ist eine Ganzkörpersportart. Das ist ein riesiger Vorteil. Bei jeder Bewegung ist immer der ganze Körper einbezogen. Und das Schöne dabei ist: Das Gleiche gilt für den Geist“, sagt der 84-Jährige. „Wenn ich mit der Hand spiele und nach vorne gucke, muss das alles funktionieren. Bei Tischtennis gilt das eben uneingeschränkt.“
Dr. Weckbach weiß, wovon er spricht. Seit Jahrzehnten engagiert er sich im Tischtennissport, insbesondere in der Gesundheitsförderung und Seniorenarbeit. Der Doktor der Ökonomie hat sich intensiv mit dem Gesundheitssport beschäftigt und sich in diesem Bereich weitergebildet. 1975 begann er als Abteilungsleiter Tischtennis beim SV Medizin Stralsund, einem großen Gesundheitssportverein. Mit über 250 Mitgliedern – darunter auch Parkinson-Patienten und Patienten mit anderen Erkrankungen – zählt die TT-Abteilung des SV Medizin Stralsund zu den mitgliederstärksten im Tischtennisverband Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus ist Dr. Weckbach Präsident des Tischtennis-Verbandes Mecklenburg-Vorpommern und engagiert sich beim DTTB als Ressortleiter Gesundheitssport. Nachdem er sich zunächst intensiv mit Präventionssport beschäftigt hatte, bildete er sich später auch im Bereich Rehabilitationssport weiter. Seit 2019 leitet er regelmäßig entsprechende Angebote. In seinen Gruppen spielen unter anderem Menschen mit orthopädischen Beschwerden sowie mit Krebs-, Parkinson- oder Demenzerkrankungen.
Sieben koordinative Fähigkeiten auf einmal
Was Tischtennis aus gesundheitlicher Sicht besonders macht, ist die Kombination verschiedener Anforderungen. Wer den Ball zurückspielen möchte, muss seine Position zum Tisch einschätzen, die Flugbahn und Rotation des Balles erkennen, reagieren, seine Bewegung koordinieren und gegebenenfalls innerhalb von Sekundenbruchteilen umstellen. Und auch im Kopf ist einiges gefordert: den Ball verfolgen, den Spin erkennen, sich für einen Schlag entscheiden und gleichzeitig wahrnehmen, wo sich sein Gegenüber befindet. Für Dr. Weckbach ist gerade diese Verbindung entscheidend. Körper und Geist würden beim Tischtennis nicht getrennt voneinander trainiert, sondern gleichzeitig gefordert.
Außerdem werden beim Tischtennis gleich sieben koordinativen Fähigkeiten gleichzeitig trainiert. Dazu gehören die Differenzierungsfähigkeit, die Reaktions- und Kopplungsfähigkeit, Orientierungs- und Gleichgewichtsfähigkeit sowie die Umstellungs- und Rhythmisierungsfähigkeit. Neben Muskulatur und koordinativen Fähigkeiten fordert Tischtennis auch das Herz-Kreislauf-System und kann die aerobe Ausdauer trainieren.
Wenn das Zittern am Tisch in den Hintergrund rückt
Besonders eindrucksvolle Erfahrungen hat Dr. Weckbach mit Parkinson-Patienten gemacht. Bei der Erkrankung können unter anderem Zittern, eine erhöhte Muskelspannung sowie Gleichgewichtsstörungen auftreten.
Hinweise darauf, dass Tischtennis positive Effekte für Menschen mit Parkinson haben kann, gibt es bereits seit Längerem. Wie auch der Verein PingPongParkinson Deutschland auf seiner Webseite schreibt: „Tischtennis trainiert u.a. die Augen-Hand-Koordination, kräftigt die Muskulatur und fördert die Balance, die Flexibilität sowie die Reaktionsfähigkeit. Erste wissenschaftliche Studien bestätigen das Empfinden aller Betroffenen, die es ausprobiert haben: Die fortschreitende Verschlechterung der Symptome der Parkinson-Krankheit kann durch das Spielen von Tischtennis als physikalische Therapie verlangsamt werden.“ Auch Dr. Weckbach hat in seinen Trainingsgruppen vielfach entsprechende Beobachtungen gemacht:
„Ein Parkinson-Patient, der vor mir steht, beide Hände bewegen sich hin und her, der geht an den Tisch und spielt Tischtennis und hat alles vergessen – dass die Hände eigentlich zittern. Das ist so ein angenehmer und erfreulicher Effekt für mich.“
Übrigens: Erst kürzlich fand in Hannover die siebte PingPongParkinson-Weltmeisterschaft (PPP) statt. Rund 800 Sportlerinnen und Sportler aus 35 Nationen waren dort im Einsatz.
Mehr als Bewegung: Tischtennis bringt Menschen zusammen
Für Dr. Georg Weckach spielen beim Thema Tischtennis und Gesundheit jedoch noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle.
Tischtennis lebt vom Miteinander. Man braucht einen Gegner, trifft Trainingspartner, spielt Doppel oder verbringt gemeinsam Zeit nicht nur in der Halle. Gerade im höheren Alter kann dieser soziale Aspekt immer mehr an Bedeutung gewinnen.
„Es ist ja auch ein Effekt, dass mit zunehmendem Alter die Senioren sehr gerne Doppel spielen. Das sind Reaktionen darauf, dass man sich zugehörig fühlt“, so Dr. Weckbach.
Wie viel die Gemeinschaft auch für die Psyche bedeuten kann, hat er in seinen Reha-Gruppen persönlich erlebt. „Eines Tages kam eine Reha-Patientin zu mir und meinte: ‚Georg, ich habe heute einen ganz besonderen Tag. Ich habe ein Jahr lang keine Depressionen gehabt, seit ich beim Tischtennis bin.‘“ Für Dr. Weckbach zeigen diese und andere Beispiele eindrücklich, welchen positiven Effekt das gemeinsame Tischtennisspielen haben kann.
Gesund altern – wie viel Training ist nötig?
„Wer Sport macht, gewinnt immer“ – das ist sein wesentlicher Leitspruch. Im Jahr 2026 stellte Dr. Weckbach eine Liste mit Bereichen zusammen, auf die sich regelmäßige Bewegung positiv auswirken kann:
· Herzkreislauf, Lungenkreislauf, Muskulatur
· Geistige Entwicklung
· Knochenwachstum und Stoffwechsel
· Immunsystem
· Gleichgewichtssystem und Koordinationsvermögen
· Reduzierung Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko
· Senkung des Erkrankungsrisikos bei Krebs und Diabetes
· Prävention und Rehabilitation bei Parkinson und Demenz
· Milderung von Angstzuständen und Depressionen
· Verzögerung des Alterungsprozesses und Steigerung der Lebenserwartung
· Lebensqualität, soziale Beziehungen und Wohlbefinden
(Zusammenstellung Dr. Georg Weckbach, 2026)
Doch wie viel Training ist eigentlich nötig, damit sich die positiven Aspekte auch auf den Körper auswirken können?
Wie Dr. Weckbach betont, muss, wer gesundheitlich vom Tischtennis profitieren möchte, nicht zwangsläufig Punktspiele bestreiten oder leistungsorientiert trainieren. Für ihn ist ein anderer Faktor wesentlich wichtiger: Regelmäßigkeit.
Dabei verweist er auf das Trainingsprinzip der Superkompensation. Nach einer Belastung benötigt der Körper zunächst Erholung. In dieser Phase passt er sich an die Belastung an. Wird regelmäßig trainiert, können sich Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit Schritt für Schritt entwickeln.
„Wenn man in sechs Wochen nur einmal trainiert, bringt das nicht viel." Dr. Weckbach selbst empfiehlt, sich jede Woche regelmäßig zu bewegen – mindestens 90 Minuten – und dabei auch Phasen einzubauen, in denen der Körper intensiver gefordert wird.
Gesundheit als unterschätztes Argument
Trotz all dieser positiven Aspekte ist Dr. Weckbach mit der Rolle des Gesundheitssports im deutschen Sport noch nicht zufrieden.
„Das Interesse an der Gesundheit im Sport ist bei der Mitgliederentwicklung unglaublich gering. Ich kann das persönlich heute nicht nachvollziehen“, sagt er. Gesundheit werde von Vereinen und Verbänden seiner Ansicht nach noch zu selten als Argument genutzt, um Menschen für den Sport zu gewinnen. „Leider werden die Begriffe ‚Gesundheitssport‘, ‚Rehabilitationssport‘ und ‚Präventionssport‘ sehr häufig durcheinandergebracht. Das versuche ich durch meine Arbeit auch deutlich zu machen.“
Vor allem beim Thema Prävention sieht er Nachholbedarf. Während häufig darüber gesprochen werde, wie Pflege und Behandlung im Alter finanziert werden könnten, werde aus seiner Sicht zu wenig darüber diskutiert, wie Menschen möglichst lange aktiv bleiben und Pflege überhaupt erst später nötig wird.
„Prävention ist immer noch ein viel zu unterschätztes Thema. Das finde ich sehr schade.“ Statt erst über die Folgen mangelnder Bewegung zu sprechen, müsse man früher ansetzen und Menschen auch im höheren Alter zu sportlicher Aktivität motivieren.
Tischtennis hat dafür einen besonderen Vorteil: Man kann sehr früh anfangen – und sehr lange weitermachen. Leistungsniveau und Tempo sind anpassbar. Bewegung, Koordination, Konzentration und soziale Kontakte kommen an einem einzigen Tisch zusammen.
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