Timos Blog: Mit mehr Biss an die Basics

Warum nur eine gute Basis Formschwächen ausgleichen kann und wieso man stets mit Biss spielen sollte, berichtet Volontär Timo Gotsch aus eigener Erfahrung (als werdender Abwehrspieler) in seinem Blog.

Neulich ist mir bei einem Ligaspiel etwas passiert, das ich noch nie zuvor erlebt habe. Es war ein typischer Samstagnachmittag, mein Team und ich fuhren zu einem Auswärtsspiel. Der Saisonauftakt lag bereits hinter mir. Ich hatte seither kaum trainiert, nur ein bisschen Basisschläge gemacht, wie es zeitlich eben möglich war.
Und dann: Ich traf beim Warmspielen so gut wie keinen Ball. Mal rutschte er am Schläger durch, mal segelte er weit über den Tisch hinaus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht mehr als zwei Topspins in Folge auf den Tisch gezogen habe.
Frustriert gab ich auf. So schlecht – und so kurz – habe ich mich noch nie warmgespielt. Ich verließ sogar die Halle und setzte mich auf eine Bank unter die herbstlichen Bäume. Und ich dachte mir: Ist auch egal. Beim Einspielen kann ich sowieso nicht die fehlende Trainingspraxis wettmachen. Hauptsache, ich hatte mich vor den Spielen irgendwie aufgewärmt.
Ein Satz mit x
Aber ich hatte keine Ahnung, ob ich in dieser Form meine Einzel würde gewinnen können. Meine Gegner waren beide besser gewertet als ich. Zumal ich mich nicht sonderlich an die Bedingungen gewöhnen konnte. Tische, Bälle, Böden – all das ändert sich immer von Halle zu Halle. Und offenbar waren sie diesmal nichts für mich. (Eine typische Ausrede, ich weiß!)
Was mich noch hoffen ließ, trotz des Einspiel-Fauxpas in den kommenden Einzeln nicht völlig unter die Räder zu geraten, war eine andere Beobachtung, die ich schon früher gemacht habe: Ich hatte den Eindruck, dass ich oft am nächsten Tag besser spiele, wenn ich kurz davor schlecht trainiert hatte. Zwar hatte ich das schon öfter scherzhaft gesagt (und ich bin mir sicher, dass es mir meine Teamkameraden nicht ganz abkaufen), aber ich habe dann das Gefühl, im Spiel richtig arbeiten zu müssen und mich nicht ausruhen zu dürfen.
Als ich dann zu meinem ersten Einzel an den Tisch trat, fasste ich einen Entschluss. Eine meiner Schwächen ist das Umlaufen. Aus meiner Rückhandseite mit der Vorhand zu spielen, gelingt mir oft nicht so gut. Häufig habe ich eine schlechte Distanz zum Tisch, treffe den Ball oft zu spät oder zu früh, komme nicht in eine gute Basisposition zurück. Vor allem im Training unterlaufen mir dabei Fehler. Ich mache die Bewegung nur halbherzig und gehe nicht mit Überzeugung in die Bälle. Also sagte ich mir: Egal, wie es beim Warmspielen lief – jetzt spiele ich jeden Ball mit Überzeugung. Mit Biss.
Jeden Ball so spielen, als wäre es der letzte
Tatsächlich ging ich im ersten Satz in Führung und erarbeitete mir sogar Satzbälle. Ich verlor zwar noch den ersten Durchgang, aber als ich in der kurzen Pause an die Bande trat, hatte ich das Gefühl: Doch, da könnte was gehen.
Ich dachte an meine missglückten Vorhandtopspins, und mir fiel das Training vor dem Spiel ein, als ich neben anderen Basisübungen auch einige Vorhandtopspins gezogen habe. Eigentlich wusste ich, dass die Hüfte wichtig ist bei der Bewegung. Aber ein Trainer sagte dennoch zu mir, dass ich sie mehr einsetzen sollte. Im ersten Augenblick hatte ich gedacht: Mache ich doch schon. Aber erst, als ich sie aktiv mehr einsetzte, schaffte ich es tatsächlich, bessere Topspins zu ziehen.
Nicht lange danach hatte außerdem ein Teamkamerad zu mir gesagt, ihm würde es auch so gehen wie mir – und was ihm geholfen habe, sei gewesen, die Bewegung immer erst mal übertrieben auszuführen. Die Selbstwahrnehmung trügt einen oft, und von außen sieht eine (neu gelernte) Bewegung normal aus, während sie einem selbst völlig überzogen und manchmal vielleicht auch lächerlich vorkommt.
Zurück auf die richtige Bahn
Vermutlich ist das mit ein Grund, weshalb angeleitetes Training und der Blick von außen so wertvoll sind. Ohne Coach an der Seite, der einen immer wieder korrigiert und zurück auf die rechte Bahn bringt, übt man Fehler ein. Oder erkennt selbst gar nicht, woran es hapert. So war es definitiv bei mir. Und glücklicherweise konnte ich davon auch jetzt noch (oder jetzt wieder) im Spiel zehren.
Im Spiel, wenn ich für jeden einzelnen Ball arbeitete, mich in jeden Ballwechsel richtig reinbeißen musste, gelangen mir die Schläge auch deutlich besser. Die Anlagen in meiner Basis waren offenbar vorhanden. Ich schaffte es nur erst jetzt, sie auch wirklich abzurufen. Im zweiten Satz gelang es mir endlich, mehrmals zu umlaufen. Und auch wenn ich nicht jedes Mal punktete, so doch deutlich öfter, als ich vorher erwartet hatte.
Diesen Biss, merkte ich, hatte ich im Training fast nie. Wenn ich ehrlich bin, erinnere ich mich nur an eine einzige Trainingseinheit, in der ich bei jedem Ball gebissen hatte – und sogar überrascht war, wieso ich plötzlich Bälle traf, die mir sonst nicht geglückt wären.
An schlechten Tagen …
Nicht zuletzt ist diese Erkenntnis für mich wichtig auf meiner Reise als Abwehrspieler – die erst vor etwas mehr als zwei Jahren begann. Ich nahm mir während des Spiels vor, die Basisübungen fortan noch ernster zu nehmen. Hätte ich sie nicht so vernachlässigt, wäre mir das fürchterliche Warmspiel-Erlebnis wohl erspart geblieben.
Und: Eine gute Basis ist so wichtig, weil ich im Spiel sonst keinerlei Grundlage hätte, auf die ich mich hätte zurückziehen können. Ich habe schon mal gehört, das wahre Niveau eines Spielers offenbare sich ihm erst an den schlechten Tagen. Dann, wenn die Traumschläge nicht landen und man einfach schlecht in Form ist.
Ich weiß nicht, ob das so stimmt. Aber mein jämmerliches Warmspielen zeigte mir: Kommen die Bälle nicht mehr, merkt man erst wirklich, aus welchem Fundament die Basis gebaut ist. Manchmal findet man auch erst dann heraus, dass man in Wahrheit auf Stelzen läuft – und erkennt erst mit dem verlorenen Schwung, wie wacklig man wirklich steht. Zum Glück fiel bei mir nicht alles zusammen.
Meine beiden Einzel hatte ich an diesem Tag noch gewonnen.
Jetzt seid ihr dran! Performt ihr in Spielen anders als im Training? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Berichtet gern in den Kommentaren davon!
1 Kommentar
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