Tipp: Bewusste Steuerung statt Intuition
Im dritten Teil seiner kleinen Reihe zum Thema „Bewusst trainieren“ widmet sich Tom Wetzel, Cheftrainer des TopSpin Sport TT-Centers in Bad Aibling, der bewussten Steuerung im taktischen Bereich.

Im letzten Tipp ging es darum, bewusster mit Geschwindigkeitsvorgaben zu trainieren. Diesmal wird die bewusste Kontrolle über die eigenen Schläge thematisiert.
In unserem täglichen Trainingsprozess arbeiten wir mit den Spielern immer und immer wieder an der bewussten Steuerung ihrer einzelnen Schläge. Sowohl Platzierung als auch Geschwindigkeit und Rotation werden dabei immer wieder bewusst eingesetzt. Wir achten dabei sehr darauf, dass die Spieler verschiedene Vorgaben bewusst umsetzen und nicht nur einfach technische Basiselemente abspulen.
Diese Vorgehensweise hilft dem Spieler auch im Spiel. Je mehr bewusste Kontrolle der Spieler über seine Schläge hat, umso mehr kann er sich um die taktischen Elemente "kümmern".
Im modernen Tischtennis gibt es immer weniger Möglichkeiten, mit Rotation oder Geschwindigkeitswechsel ein Spiel zu dominieren und zu steuern. Daher ist es wichtig, dass man, vor allem im Aufschlag-/Rückschlagbereich, bewusst die Qualität seiner Schläge optimiert bzw. maximiert. Hier ist es wichtig, dass man die Spieler frühzeitig auf bestimmte Situationen, die im Wettkampf vorkommen können, vorbereitet. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Reaktion der Spieler auf bestimmte Rückschläge des Gegners. Es kommt z. B. im Spiel häufig vor, dass der Gegner kurz in die Vorhandseite des Aufschlägers retourniert, da es aus dieser Position schwer ist, aktiv das Spiel zu gestalten. Daher ist es umso wichtiger, dass die Reaktion des Aufschlägers auf diesen Return qualitativ hochwertig ist, um im weiteren Spielverlauf die Kontrolle zu erhalten.
Welche Antwort das sein kann, hängt im Wettkampf auch von den Schwachpunkten des Gegners ab. Die meisten Spieler machen den Fehler, dass sie nicht auf diese Situation vorbereitet sind und dann häufig intuitiv entscheiden, was nicht immer die beste Qualität ermöglicht. Wenn der Spieler sich jedoch bewusst darauf vorbereitet, auf diesen Rückschlag mit z. B. einem aktiven, aggressiven langen Schupfball auf den Ellenbogen/in die Tischmitte des Gegners zu antworten, so kann er diesen mit höherer Qualität spielen. Das gilt für jede andere Antwort (kurz legen oder flippen …) genauso. Ist der Spieler nicht vorbereitet und entscheidet dann in der Aktion, so verringert sich die Qualität der Ausführung deutlich.
Mit dieser Methode könnt ihr eurem Gegner immer einen Schritt voraus sein. Welche Antwort ihr dabei einsetzt, richtet sich nach der jeweiligen Situation im Spiel.
Wie aber üben wir das im täglichen Trainingsprozess? Das möchte ich am nachfolgenden Beispiel verdeutlichen. Die Methode könnt ihr kreativ für alle anderen taktischen Übungen entsprechend anwenden und verfeinern.
Taktische Übung:
Spieler A serviert kurz über den ganzen Tisch, Spieler B retourniert entweder lang in den Rückhandbereich oder kurz in den Vorhandbereich von A, gefolgt von freiem Spiel.
Mögliche Vorgaben für Spieler A:
1. a. Auf den langen Rückschlag in die RH-Seite: RHT parallel
b. Auf den kurzen Rückschlag in die VH-Seite: langer, aggressiver Schupfball auf den Ellenbogen
2. a. Auf den langen Rückschlag in den RH-Bereich: RHT diagonal in die tiefe RH-Seite
b. Auf den kurzen Rückschlag in die VH-Seite: kurzer Schupfball in den VH-Bereich
3. a. Auf den langen Rückschlag in den RH-Bereich: RHT auf den Ellenbogen/Tischmitte/Wechselpunkt
b. Auf den kurzen Rückschlag in die VH-Seite: VH-Flip in die tiefe VH
Diese Vorgaben sind beliebig kreativ an die jeweilige individuelle Trainingssituation anpassbar bzw. erweiterbar und auch bei allen anderen taktischen Übungen entsprechend einsetzbar. Wichtig dabei ist aber auch immer, dass diese Vorgaben kein enges Gerüst darstellen, so dass die Spieler auch immer wieder aus diesen Mustern ausbrechen dürfen, wenn es die Situation erfordert (der Gegner stellt sich darauf ein). Es ist wichtig, dass ihr als Trainer den Spielern diese Freiheiten gebt.
Der Autor:
Thomas Wetzel ist Cheftrainer des TopSpin Sport TT-Centers in Bad Aibling. In seiner Zeit als Aktiver war er unter anderem Deutscher Meister sowie Nationalspieler im Schüler- und Jugendbereich und feierte Erfolge mit der Bundesligamannschaft des ATSV Saarbrücken. Nach seiner Spielerkarriere war Wetzel von 2005 bis 2014 Verbandstrainer in Bayern, bevor er 2015 mit dem TopSpin Sport TT-Center einen nationalen und internationalen Trainingsstandort schuf. Hier geht's zur Webseite!
