Silber für Kaufmann nach EM-Finalkrimi

Annett Kaufmann hat bei den Tischtennis-Europameisterschaften in Ljubljana die Silbermedaille im Einzel gewonnen. In einem packenden Sieben-Satz-Finale musste sich die 20-Jährige der ETTU2-Athletin Elizabet Abraamian knapp mit 3:4 geschlagen geben. Nach einem zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand kämpfte sich Kaufmann eindrucksvoll zurück, musste ihrer Gegnerin am Ende jedoch zum Titel gratulieren.

Es war ein Finale, das an Spannung kaum zu überbieten war: Spektakuläre Ballwechsel und beeindruckende Aufholjagden prägten das Duell zwischen Annett Kaufmann und Elizabet Abraamian (ETTU2). Über sieben Sätze lieferten sich die beiden Spielerinnen einen offenen Schlagabtausch, in dem Kaufmann gleich mehrfach ihre kämpferischen Qualitäten unter Beweis stellte. Am Ende fehlte der Deutschen das letzte Quäntchen Glück zum EM-Titel. Mit Silber im Einzel und Bronze im Doppel kann die 20-Jährige dennoch auf eine erfolgreiche Europameisterschaft zurückblicken.
Bereits auf dem Weg ins Finale hatte Kaufmann ein beeindruckendes Turnier gezeigt. Gemeinsam mit Nina Mittelham sicherte sie die Bronzemedaille im Doppel. Im Einzel bezwang sie unter anderem die Monegassin Xiaoxin Yang und die Luxemburgerin Ni Xia Lian, ehe sie sich in zwei deutschen Duellen gegen ihre Teamkolleginnen Ying Han und Nina Mittelham durchsetzte.
Auch ihre Finalgegnerin hatte bis dahin einen bemerkenswerten Turnierverlauf hinter sich. Abraamian steht auf Platz 39 der Weltrangliste, wurde in der europäischen Rangliste aufgrund fehlender Ergebnisse bei europäischen Wettbewerben jedoch nur auf Rang 40 geführt und musste deshalb in Ljubljana zunächst die Qualifikation bestreiten. Die 23-jährige ETTU2-Athletin spielte sich anschließend unter anderem mit Siegen gegen Anna Hursey aus Wales und die Französin Prithika Pavade bis ins Finale.
Kaufmann kämpft sich nach Rückstand zurück
Der erste Satz gestaltete sich von Beginn an ausgeglichen. Beide Spielerinnen agierten auf Augenhöhe, ehe sich Kaufmann beim Stand von 10:9 und 11:10 ihre ersten beiden Satzbälle erspielte. Die Deutsche konnte ihre Chancen jedoch nicht nutzen. Stattdessen behielt Abraamian in der Verlängerung die Oberhand und sicherte sich den Auftaktsatz mit 15:13.
Auch im zweiten Durchgang erwischte die 23-Jährige den besseren Start. Kaufmann fand gegen die druckvoll agierende Rechtshänderin zunächst nur schwer ins Spiel und musste auch diesen Satz mit 5:11 abgeben.
Im dritten Durchgang wendete sich das Blatt. Kaufmann ging früh mit 4:1 in Führung, spielte nun deutlich selbstbewusster und verkürzte mit einem 11:5 auf 1:2 nach Sätzen. Doch die nächste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten: Im vierten Satz geriet die Deutsche schnell mit 3:9 ins Hintertreffen. Was folgte, war eine beeindruckende Aufholjagd. Mit acht Punkten in Folge drehte die 20-Jährige den bereits verloren geglaubten Satz, gewann mit 11:9 und stellte den 2:2-Ausgleich her.
Auch im fünften Durchgang setzte Kaufmann ihre Punkteserie zunächst fort und erspielte sich eine 4:0-Führung. In einem von spektakulären Ballwechseln geprägten Satz hatte die Deutsche lange leicht die Nase vorn, ehe Abraamian noch einmal auf 8:9 verkürzte. Kaufmann erspielte sich beim Stand von 10:8 zwei Satzbälle, konnte diese jedoch nicht verwerten. Stattdessen kämpfte sich Abraamian zurück und entschied den Durchgang mit 12:10 durch einen glücklichen Netzball für sich.
Doch Kaufmann gab sich nicht geschlagen. Auch im sechsten Satz blieb die Partie lange eng. Bis zum 6:6 konnte sich keine der beiden Spielerinnen entscheidend absetzen, ehe die Deutsche mit fünf Punkten in Folge davonzog und sich schließlich mit 11:6 den Satzausgleich sicherte.
Die Entscheidung musste somit im siebten Durchgang fallen. Hier erwischte Abraamian den besseren Start und ging mit einer 5:1-Führung in den Seitenwechsel. Kaufmann kämpfte sich noch einmal auf 4:5 heran, wurde von ihrer Gegnerin jedoch immer wieder unter Druck gesetzt. In den entscheidenden Momenten behielt die 23-Jährige Abraamian die Nerven, verwandelte beim Stand von 10:6 ihren ersten Matchball und krönte sich mit einem 4:3-Erfolg zur Europameisterin.
„Es war ein schwieriges Spiel. Ich habe nicht wirklich reingefunden in mein Rückschlag-Spiel, habe auch nicht das Gefühl gehabt, dass ich nach meinem Aufschlag mir große Vorteile schaffen konnte. Sie hat auch unfassbar gute Bälle zu Zeitpunkten getroffen, die für mich ungünstig waren. Ich hätte bei 2:2 das 10:8 nicht weggeben dürfen, andererseits hätte sie nicht den Satz mit 9:3-Führung weggeben sollen, es war praktisch ein Geben und Nehmen. Sie hat am Ende einfach die besseren Platzierungen und Bälle gespielt und daher auch verdient gewonnen", analysierte Kaufmann enttäuscht über die knappe Niederlage, die ihre letztlich den Titel kostete.
Für Kaufmann blieb nach einem hochklassigen und umkämpften Finale die Silbermedaille. Gemeinsam mit Bronze im Doppel ist es ihre zweite Medaille bei diesen Europameisterschaften und der Abschluss eines starken Turniers in Ljubljana.
„Ich habe gekämpft, ich habe mein bestes im Finale gegeben und kann mir da nichts vorwerfen. Das Einzige, was ich jetzt tun kann, ist es zu akzeptieren, mich am Positiven festzuhalten und das als Motivation zu sehen. Ich denke, es war ein gutes Turnier. Ich kann sicher, mit ein bisschen Abstand zum Spiel, auch positiv auf das Ergebnis blicken", so Kaufmann nach dem knapp verlorenen Finale.
Abraamian erste Qualifikantin mit Titel
Die 23-jährige Abraamian, die bei dem Turnier an Position 35 gesetzt war, ist die erste Qualifikantin überhaupt, die den europäischen Einzeltitel gewinnen konnte. Der Titel war zugleich der Höhepunkt einer bemerkenswerten Woche, in der sie schwierige Vorbereitungen meisterte, sich durch die Qualifikation kämpfte und am letzten Tag der Meisterschaft zwei aufeinanderfolgende Sieben-Satz-Begegnungen überstand.
„Ich glaube, das war das beste Spiel, das ich je gespielt habe. Es gab fantastische Ballwechsel, und das Niveau war unglaublich – sowohl mental als auch taktisch“, sagte Abraamian nach dem Match. „Wir waren beide so müde, und das konnte man wirklich spüren. Es war das letzte Spiel des Turniers, und wir waren beide bereit, absolut alles zu geben, was wir noch in uns hatten. Genau deshalb liebe ich Tischtennis.“
Kaufmann und Abraamian sind bereits seit ihrer Jugend gut befreundet, wie die Deutsche schon nach dem Halbfinale anmerkte. Sowohl nach dem umkämpften Spiel als auch bei der Siegerehrung umarmten sich die beiden Spielerinnen lange. Auch Abraamian fand nach der Partie besondere Worte für ihre Jugendfreundin:
„Ich hoffe, dass es Annett auch Spaß gemacht hat, und ich hoffe, dass sie versteht, dass sie auf einem unglaublich hohen Niveau gespielt hat. Sie hat ihre ganze Zukunft noch vor sich, und ich bin mir sicher, dass sie eines Tages ebenfalls Europameisterin werden wird.“
Fünf Medaillen für DTTB-Team
Das deutsche Team schließt die Europameisterschaften in Ljubljana mit insgesamt fünf Medaillen ab. Erfolgreichste deutsche Spielerin ist Nina Mittelham, die gleich dreimal Edelmetall gewann. Im Mixed-Doppel sicherte sie sich gemeinsam mit Benedikt Duda Gold, im Damen-Doppel mit Annett Kaufmann Bronze. Eine weitere Bronzemedaille holte Mittelham im Damen-Einzel. Die Silbermedaille von Kaufmann und die Bronzemedaille von Dang Qiu im Einzel komplettieren die deutsche Medaillenbilanz.
DTTB-Sportvorstand Richard Prause zeigte sich ebenfalls zufrieden mit den Leistungen des deutschen Teams, auch wenn er einigen vergebenen Chancen nachtrauerte. „Wir haben fünf Medaillen gewonnen und uns ein paar weitere Chancen erspielt. Das ist ein gutes Ergebnis, auch wenn wir unsere Chancen sehr gerne noch genutzt hätten. Wir waren oft nah dran, aber auch so ist es ein gutes Ergebnis."
Die Spiele am Finaltag:
Herren-Einzel:
Halbfinale:
Dang Qiu GER – Anton Källberg SWE 2:4 (-9,9,9,-8,-5,-4)
Felix Lebrun FRA – Leo De Nodrest FRA 4:2 (-6,8,-5,7,8,12)
Finale:
Felix Lebrun FRA – Anton Källberg SWE 4:3 (-7,9,11,-8,-9,6,1)
Damen-Einzel:
Halbfinale:
Annett Kaufmann GER – Nina Mittelham GER 4:3 (5,7,-9,-2,-4,4,4)
Prithika Pavade FRA – Elizabet Abraamian ETTU2 3:4 (8,-5,7,-8,8,-10,-11)
Finale:
Annett Kaufmann GER – Elizabet Abraamian ETTU2 3:4 (-13,-5,5,9,-10,6,-6)
Zur Seite der ETTU mit Ergebnissen, Zeitplan und Auslosungen.
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