Olympia: Mehr Wettbewerbe, selbe Spieleranzahl

    Das Internationale Olympische Komitee hat vorige Woche Details zu den olympischen Tischtenniswettbewerben in Los Angeles 2028 veröffentlicht - mit der einen oder anderen Überraschung.

    Männer und Frauen jubeln als Team zusammen - das wird auch 2028 in Los Angeles so sein (©ITTF)

    Im Frühjahr 2025 hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) bekanntgegeben, dass sich die Tischtennis-Konkurrenzen bei den Spielen in Los Angeles 2028 verändern werden. So wird mit dem Mixed-Team-Wettbewerb ein neuer Wettkampf dazukommen, das Männer- und Frauen-Doppel erleben zulasten der getrenntgeschlechtlichen Mannschaftswettkämpfe ein Comeback, während die Einzel- und Mixed-Doppel-Konkurrenzen bleiben. Seitdem wartet die Tischtenniswelt auf weitere Details, wie man sich für die einzelnen Wettbewerbe qualifizieren kann, wie der Modus der neuen Mixed-Team-Konkurrenz aussieht und ob die Anzahl der startberechtigten Athleten wegen des zusätzlichen Wettkampfs angepasst wird. Ende der vorigen Woche hat das IOC nun ein paar Fragen beantwortet - allerdings noch nicht alle.

    Noch intensiveres Programm

    Auch wenn es nun sechs - statt wie zuletzt fünf - Wettbewerbe im Tischtennis gibt, bleibt die Zahl der Athleten gleich. Wie 2024 in Paris werden auch in Los Angeles insgesamt 172 Sportlerinnen und Sportler in der Disziplin Tischtennis an den Start gehen. Eine Begrenzung, an wie vielen Wettbewerben ein einzelner Athlet teilnehmen darf, wird dabei nicht erwähnt - und der DTTB-Vorstand Sport Richard Prause rechnet auch nicht damit, dass diese noch nachgereicht wird. „Ich gehe davon aus, dass es kein Limit geben wird und theoretisch ein Athlet alles spielen darf“, sagt Prause, der kritisch auf die Spielerzahl schaut. „Wir hatten ja vorher - mit Team, Einzel und Mixed - schon fast durchgehend von Anfang bis Ende der Spiele Programm. Das wird jetzt noch intensiver.“ Prause hatte darauf gehofft, dass mindestens der als Nummer vier des Teams mitreisende, sogenannte AP-Athlet einbezogen - und damit auch ein- und ausgewechselt oder in einzelnen Disziplinen eingesetzt - werden kann. Wie bisher gilt aber auch künftig, dass man diesen Sportler nur unter streng geregelten Bedingungen für einen anderen eintauschen kann, weil dieser zum Beispiel verletzt ist, und dass diese Einwechslung nicht mehr rückgängig gemacht werden darf.

    Die jeweils drei maximal qualifizierten Männer und Frauen pro Nation müssen also nicht nur vor Ort im besten Fall das gesamte Programm bedienen. Auch auf dem Weg zu den Olympischen Spielen wird die zusätzliche Disziplin mit ihren eigenen Qualifikationskriterien zur Herausforderung. „Die Nationen werden sich früh entscheiden, worauf sie ihre Priorität legen“, prognostiziert Prause, der glaubt, dass Deutschland in jedem Wettbewerb gute Chancen hat, sich zu qualifizieren. Entweder sei man so flexibel, dass jeder Athlet jede Disziplin spielen können muss. „Oder man hat einen ganz genauen Fahrplan, wer was spielt. Aber wenn man sich auf eine Sache festgelegt hat, legt man sich woanders auch fest. Das hängt ja alles zusammen.“ Wenn sich also zum Beispiel ein Doppel einen Startplatz erspielt, hätte das auch direkte Konsequenzen für die Besetzung anderer Konkurrenzen, weil insgesamt nicht mehr als drei Spieler pro Geschlecht und Nation mitspielen dürfen.

    Auch zwei Mixed pro Nation erlaubt

    Während in Sachen Teilnehmerzahl also alles beim Alten bleibt, wird es im Mixed-Doppel eine Änderung geben, die durchaus große Auswirkungen haben könnte. Denn anders als in Tokio und Paris, wo die Disziplin ihre ersten olympischen Auftritte hatte, darf in Los Angeles nicht zwangsläufig nur ein Duo pro Nation starten. Wenn ein Land zwei Mixed-Doppel in den Top 8 der Weltrangliste führt, dürfen auch zwei Duos dieser Nation an den Start gehen, solange dadurch ihre Gesamt-Quotenplätze nicht überschritten werden. Aktuell gibt es nur ein Land, das zwei Mal in den Top 8 vertreten ist: die Chinesen, die sowohl auf Wang Chuqin/Sun Yingsha und Kuai Man/Lin Shidong zurückgreifen können. Mixed-starke Nationen haben also eine doppelte Chance, mit einem Titel oder Medaillen nach Hause zu fahren. Für die anderen hängen die Trauben dafür gegebenenfalls noch ein Stückchen höher.

    Bezüglich des erstmals bei Olympischen Spielen eingeführten Mixed-Team-Wettbewerbs bleibt das vom IOC veröffentlichte Dokument hingegen noch einige Antworten schuldig. Zwar gibt es nun Gewissheit darüber, dass man sich über ein noch zu bestimmendes kontinentales Qualifikationsturnier, den Mixed Team World Cup, die Weltrangliste oder über gesicherte Startplätze in den anderen Konkurrenzen qualifizieren kann. Der genaue Spielmodus steht aber immer noch nicht fest. Hält man sich an den einzigen vergleichbaren Wettbewerb, den Mixed Team World Cup, wenn es zum Beispiel um die Teamgröße oder um die Reihenfolge der Spiele geht? „Da wird es sicherlich noch die eine oder andere Runde zu geben. Das muss vorher glattgezogen werden“, betont Prause.

    Hohe Priorität auf Teamwettbewerb

    Wie geht Deutschland nun mit dieser neuen Situation um? „Wenn man sich anschaut, wie wir in den letzten Jahren in Einzel-, Doppel- oder Teamwettbewerben abgeschnitten haben, muss man konstatieren, dass der Mannschaftswettkampf eine ganz hohe Prio genießen muss. Darauf muss man eine Menge ausrichten“, erläutert Prause. Somit wird der Mixed Team World Cup 2027, bei dem Deutschland im vergangenen Jahr den dritten Platz holte, eine große Rolle spielen - zumal mit einem gewonnenen Mannschaftsplatz auch jeweils zwei Einzelstartplätze pro Geschlecht gewonnen werden. Außerdem ist der Stellenwert des Doppels und Mixeds durch die neue olympische Wettkampfstruktur deutlich gestiegen, worauf auch Deutschland reagieren wird. Da es jedoch nicht so einfach ist, neue Doppel- und Mixed-Kombinationen im alltäglichen, internationalen Turniergeschehen einzuführen und nach vorne zu bringen, erhofft man sich dafür noch etwas Hilfestellung von WTT, zum Beispiel indem mehr Duos bei Grand Smashes zugelassen werden. „Es gibt da einige Gedankenspiele“, verrät Prause. „Wir sind dazu auch mit anderen Nationen im Austausch und hoffen, dass WTT mit unterstützt.“ Allzu viel Zeit sollten sich die Verantwortlichen damit nicht mehr lassen - die zweieinhalb Jahre bis zur olympischen Eröffnungsfeier sind schnell vergangen.

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