„Es ist genug“ - Matelovà beendet Karriere in Zadar

    Hana Matelovà hat mit ihren 35 Jahren zwar eigentlich noch nicht das Alter für die Tischtennisrente erreicht, die langjährige Bundesligaspielerin aus Tschechien wählte nichtsdestotrotz die Team-EM in Zadar für ihren internationalen Abschied.

    Hana Matelovà hat endgültig den Schlussstrich gezogen (©ETTU)

    Ein paar Tränchen wurden dann doch verdrückt, als Hana Matelovà sich ein letztes Mal mit ihren Kolleginnen abklatschte und ihre internationale Karriere damit beendete. Die 35-Jährige hatte sich bei der Team-EM in Zadar noch einmal in den Dienst der tschechischen Mannschaft gestellt und wesentlich dazu beigetragen, dass das gesteckte Ziel, einen Platz im Hauptfeld und damit auch bei der Team-WM 2026 in London zu sichern, erreicht wurde. So hatte die Tschechin im entscheidenden Gruppenspiel gegen Belgien für zwei Punkte gesorgt und sowohl gegen Julie van Hauwaert als auch Margo Degraef gewonnen. „Man kann das Ende immer weiter und weiter hinausschieben, aber jetzt ist es wirklich vorbei“, sagte sie wenige Minuten nach dem Achtelfinal-Match gegen die Niederlande, das mit 1:3 verloren ging. „Es ist toll, dass meine Teamkameradinnen nun ein paar Erfahrungen gesammelt haben. Sie sind noch sehr jung und ich denke, sie können in Zukunft sehr gut werden.“

    Gold-Traum spät erfüllt

    Matelovà selbst war 20 Jahre alt, als sie 2010 an ihrer ersten Europameisterschaft für Erwachsene teilnahm. Seitdem war sie ein fester Bestandteil der europäischen Spitze und bildete etwa mit der Slowakin Barbora Balážová, seit ihrer Heirat Barbora Várady, ein schlagkräftiges Doppel. Die große Belohnung nach vielen Versuchen bekam das Duo ausgerechnet bei der Individual-EM 2024 in Linz, bei der Matelovà eigentlich schon ihre Karriere beenden wollte. „Der Titelgewinn kam unerwartet und war wirklich toll“, erinnert sich die Tschechin. „Wir haben so viele Jahre auf eine Medaille gewartet. Am Ende sollte es bei der letzten Individual-EM klappen. Und es war sogar die goldene.“ Das Karriereende verschob sie danach noch einmal um ein Jahr, aus persönlichen Gründen, wie sie sagt. „Tischtennis war in der Zeit eine Art Therapie für mich.“

    Ziel erreicht: Das tschechische Team hat sich für die Team-WM in London qualifiziert (©ETTU)

    Jetzt soll aber wirklich Schluss sein. „Das Leben als Tischtennisprofi ist mit viel Reiserei verbunden, vor allem, seit es die WTT-Turniere gibt. Wir verbringen das halbe Jahr am Flughafen, im Flugzeug, in Hotels“, beschreibt die dreifache Olympionikin, die von 2013 bis 2018 für die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim in der Bundesliga gespielt hat. „Und das ist etwas, was ich nicht mehr möchte. Ich will mehr Zeit zu Hause mit der Familie verbringen und etwas Neues beginnen.“ Schon bald wird sie im Unternehmen ihrer Familie in der Papierindustrie anfangen. Zudem will sie in Italien und Polen weiter Tischtennis auf Liga-Ebene spielen. Die Entwicklung, die das internationale Tischtennis in den vergangenen Jahren genommen hat, passt jedoch nicht mehr zu ihren Vorstellungen, ihr Leben zu führen.

    Kein weiterer Olympia-Zyklus

    „Wenn man jünger ist, kann man das sicher gut machen. Aber ich würde es bevorzugen, Pausen zwischen den Turnieren zu haben, in denen man sich vorbereiten und trainieren kann“, beschreibt Matelovà. „Im Tischtennis braucht man viele Trainingsphasen. Und die habe ich sehr vermisst.“ Am Ende hatte sie nur noch bei den größten Turnieren mitgespielt und versucht, sich dazwischen darauf vorzubereiten. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, unter diesen Bedingungen noch einen weiteren Olympia-Zyklus mitzumachen“, stellt sie klar. „Es ist genug.“

    2 Kommentare

    Um einen Kommentar abzugeben, musst du mit deinem myTischtennis.de-Account eingeloggt sein.