EM 2026: Diese deutschen Profis sind nominiert

Vom 11. bis 18. Oktober 2026 finden in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana die 45. Tischtennis-Europameisterschaften statt. Nun stehen auch die Nominierungen des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) fest. Das sagen die DTTB-Profis,- Trainer und -Verantwortlichen knapp zweieinhalb Wochen vor dem einwöchigen Individualturnier.

Mit sieben Spielern und fünf Spielerinnen geht der DTTB vom 11. bis 18. Oktober 2026 bei den Europameisterschaften in Ljubljana (Slowenien) an den Start. In der Arena Stozice werden bei dieser Individual-Europameisterschaften Medaillen im Einzel, Doppel und im Mixed vergeben.
Ljubljana ist im Tischtennis-Weltgeschehen schon länger kein unbekannter Ort mehr. So war die slowenische Hauptstadt in diesem Jahr schon zum vierten Mal Gastgeber des WTT Star Contenders.
Die Ausgangslage
Benedikt Duda reist als amtierender Vize-Europameister nach Slowenien. Bei den Europameisterschaften 2024 in Linz unterlag er im Finale dem Titelgewinner Alexis Lebrun mit 0:4. Dimitrij Ovtcharov gewann damals die Bronzemedaille. Bei den Damen erzielte Nina Mittelham das aus deutscher Sicht beste Ergebnis mit einer Bronzemedaille im Einzel. Im Mixed gab es für Annett Kaufmann und Patrick Franziska ebenfalls Bronze. Auch 2026 zählen die Spielerinnen und Spieler des Deutschen Tischtennis-Bundes wieder in allen Wettbewerben zu den Medaillenanwärtern.
In diesem Jahr vergrößert sich das Aufgebot der Herren gegenüber 2024 auf insgesamt sieben Athleten. Andre Bertelsmeier als Europameister und Wim Verdonschot als Zweitplatzierter verdienten sich bei den U21-Europameisterschaften in diesem Jahr direkte Startplätze. Die deutschen Damen sind in Slowenien derweil mit fünf Spielerinnen vertreten. Das Aufgebot mit Sabine Winter, Ying Han, Nina Mittelham und Annett Kaufmann wird um die ehemalige U21-EM-Zweite Franziska Schreiner ergänzt, die sich in einem internen Ausscheidungsturnier den fünften Platz im Team sicherte.
Richard Prause (Sportvorstand DTTB) über die Ziele bei der Europameisterschaft: „Wir wollen die EM in Ljubljana auf der einen Seite nutzen, um auch diesmal wieder konkurrenzübergreifend um die Medaillen mitspielen zu können. Andererseits geht es für uns darum, im Doppel und im Mixed verschiedene Paarungen auszuprobieren, beispielsweise Sabine Winter zusammen mit Ying Han im Doppel und Benedikt Duda an der Seite von Nina Mittelham im Mixed. Diese EM wird sehr spannend, und wir sind sehr motiviert, unser bestes Tischtennis zu zeigen. Zudem bin ich gespannt darauf, wie unsere jüngeren Spieler sich im internationalen Vergleich behaupten.“
... über die Terminkollision mit dem China-Smash: „Wir sind natürlich sehr unzufrieden über die terminliche Konstellation, dass unsere Spieler praktisch direkt vom Grand Smash aus China zur EM reisen müssen. Wir hoffen sehr, dass es eine einmalige Ausnahme bleibt. Der einzige Trost ist, dass für alle Nationen bei der EM die gleichen Voraussetzungen gelten.“
Das sagen Profis und Trainer vor der EM
Die Stimmen der Herren gegenüber dem DTTB:
Dang Qiu über die Bedeutung seines Star-Contender-Titels für die EM: „Jeder Sieg, ein Turniererfolg gegen einen Weltklassemann wie Alexis Lebrun umso mehr, gibt einem noch einmal zusätzlich Selbstvertrauen. Fakt ist aber auch, dass jeden Tag die Karten wieder neu gemischt werden und ich hart an mir arbeiten muss, um bei der EM in Topform zu sein. Dazwischen liegt ja auch noch der China Smash, bei dem vieles passieren kann.“
... über die Medaillenaussichten im Doppel mit Benedikt Duda: „Benne und ich sind ein Weltklassedoppel, aber die EM-Medaille fehlt uns überraschenderweise wirklich noch. An der schrauben wir nun schon eine ganze Weile. Wir hoffen, dass es in Ljubljana mit etwas Glück nun endlich klappt.“
Benedikt Duda: „2026 bin ich bisher bei keinem WTT-Turnier über das Achtelfinale hinausgekommen und somit auch in der Rangliste wieder weit nach hinten gerutscht. Ich glaube, nach dem Aufstieg habe ich auf die Meinung zu vieler Leute gehört, anstatt meinen eigenen Weg konsequent weiterzuverfolgen. Aber daraus lerne ich und werde es nun wieder besser machen.“
... über sein Mixed mit Nina Mittelham: „Es passt grundsätzlich ganz gut. Sicherlich sind die Chancen bei jedem großen Turnier vorhanden, auch bei der EM. Wir haben bislang aber wenig zusammengespielt, und wenn, dann sind wir leider recht früh ausgeschieden.“
Dimitrij Ovtcharov: „Ich habe zweimal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze gewonnen. Die EM ist also ein Turnier, das ich immer sehr gerne und meistens sehr gut gespielt habe. Mein Sieg vor einigen Wochen über Truls Moregard hat mir viel Selbstvertrauen und das Gefühl gegeben, dass ich jeden schlagen kann und nach wie vor zum Kreis der Titelanwärter gehöre. Mein Ziel ist es, wieder eine Medaille zu gewinnen. Und wenn man es einmal ins Halbfinale schafft, dann möchte man natürlich auch noch weiter nach vorne kommen.“
Patrick Franziska: „Die EM ist so ausgeglichen besetzt wie lange nicht. Es gibt sehr viele starke Spieler in Europa. Natürlich reise ich auch diesmal wieder mit hohen Erwartungen an, aber eine Prognose ist schwierig. Es gibt sehr viele Spieler, die das Turnier gewinnen oder sehr weit kommen können. Deshalb muss man einfach von Runde zu Runde schauen, was möglich ist.“
... über das Mixed mit Annett Kaufmann: „Das Mixed mit Annett macht sehr viel Spaß. Wir haben noch nicht allzu oft zusammengespielt. In Linz haben wir Bronze gewonnen und waren ganz dicht am Finaleinzug. Da wir nicht so hoch gesetzt sind, müssen wir einfach einmal schauen, wie die Auslosung sein wird. Aber wir wollen auch diesmal auf jeden Fall wieder um die Medaillen mitspielen – und so weit wie möglich nach vorne kommen.“
Andre Bertelsmeier: „Mein Titel bei der U21-EM und das Achtelfinale 2024 zeigen, dass ich an einem guten Tag die Spitze auch schon ärgern kann. Es ist natürlich auch mein Ziel, die etablierten Spieler anzugreifen. Allerdings ist in Europa die Leistungsdichte unfassbar hoch. Fast jeder kann jeden schlagen – deshalb ist auch jede Runde bei der EM eine große Aufgabe. Bei den letzten europäischen Turnieren habe ich immer gut gespielt, und deshalb fahre ich auch mit breiter Brust nach Ljubljana. Wenn ich mein bestes Tischtennis abrufen kann, dann bin ich ganz zuversichtlich, dass ich auch bei dieser EM ein paar Runden schaffen kann. Erst liegt der volle Fokus auf dem China Smash und danach auf der EM.“
Wim Verdonschot: „Da es meine erste Herren-EM ist, schaue ich mal, was so geht. Natürlich möchte ich die Qualifikation überstehen und danach einfach schauen, wie weit die Reise geht. Ich hoffe, ich kann mein bestes Tischtennis abrufen und das Maximale herausholen.“
Kay Stumper: „Ich nehme mir einfach vor, so gut wie möglich zu spielen. Ich bin aktuell gut in Form und würde natürlich auch gerne weit kommen. Ich kenne natürlich große Turniere, aber eine Einzel-EM noch nicht. Ich bin sehr gespannt darauf.“
Die Stimmen der Damen gegenüber dem DTTB:
Sabine Winter über ihre Rolle als deutsche Nummer eins: „Ich habe bisher wenig über die Setzung nachgedacht. Die Setzung gewinnt ja leider keine Spiele. Was sie mir aber zeigt, ist, dass ich an einem guten Tag definitiv zu den Besten Europas zähle und dort alle schlagen kann. Leider spielt man aber nicht immer gleich gut und ist auch nicht jeden Tag in Topform. Jede meiner Konkurrentinnen dort kann sehr gut Tischtennis spielen.“
... über ihren gesundheitlichen Zustand: „Es stimmt, Europameisterin im Einzel zu werden, zählt zu meinen sportlichen Träumen. Eigentlich hatte ich mir dies als Ziel für diesen Oktober in Ljubljana gesetzt. Aber in den letzten Wochen habe ich mich definitiv nicht titelreif präsentiert. Europameisterin zu werden, ist sowieso schon extrem schwer. Mein Bandscheibenvorfall in diesem Sommer hat es sicherlich auch nicht leichter gemacht – und er verschwindet halt leider auch nicht einfach von einem Tag auf den anderen wieder. Aber ich bin wieder voll im Training und habe vor allem in der letzten Woche sehr intensiv trainieren können. Die Trainingsform geht bergauf. Noch ist der Traum für 2026 nicht ausgeträumt.“
... über das Doppel mit Ying Han (beim Medientag): „Ich bin davon überzeugt, dass Ying und ich unangenehm sind und gegen sehr sehr viele Paarungen gewinnen können. Wie weit es dann am Ende geht und wie gut es in einem offiziellen Match passt, wird sich bei der EM zeigen. Aber ich bin optimistisch, dass wir doch ein Wörtchen mitreden werden bei den Medaillen.“
Ying Han: „Meine Hauptgegnerinnen kommen auch diesmal wieder aus Deutschland – und bei der EM ist es noch einmal schwieriger als beim Europe Top 16, bei dem ja lange auch nur jeweils zwei Vertreterinnen aus einer Nation spielen durften. Ich mache mir aber vor der EM überhaupt keinen Druck und versuche einfach, in Slowenien um eine Medaille zu kämpfen.“
... über das neue Doppel mit Sabine Winter: „Wir haben ganz gut zusammen trainiert und gehen ohne Druck an die Sache heran. Ich glaube, wir sind eine ganz gute Paarung. Vielleicht habe ich ja sogar zusammen mit Sabine eine größere Chance auf eine Medaille als im Einzel. Eine unserer Stärken ist, dass wir für jeden Gegner auch aufgrund unseres Spielmaterials sehr unangenehm sind. Dazu kann Sabine natürlich mit ihrer starken Vorhand sofort angreifen, wenn sich die Chance bietet. Eigentlich haben wir alles! Ich freue mich auf das Doppel!“
Nina Mittelham zu ihren Ambitionen auf einen Titelgewinn nach EM-Silber und -Bronze: „Es ist leider nicht automatisch vorgegeben, aber mein Ziel ist es auf jeden Fall! Es ist schließlich der einzige Titel, der mir bei der EM noch fehlt. Ich habe die letzten Monate gut gearbeitet, gut gespielt und reise deshalb auch in guter Form zur EM. Ich hoffe, ich spiele mein bestes Tischtennis, und dann sehen wir, wofür das reicht. Ein Selbstläufer wird es nicht.“
Annett Kaufmann: „Ich bin momentan in einer sehr guten Form, auch wenn ich wegen leichter Ellenbogenschmerzen zuletzt etwas pausieren musste. Seit der letzten Einzel-EM 2024 habe ich mich sehr positiv weiterentwickelt. Eine Einzelmedaille bei der EM wäre schon sehr cool. Welche Farbe, das wäre mir bei der ersten Medaille diesmal noch egal – aber es wäre der erste Step. Der Titel fehlt auf jeden Fall noch in meiner Sammlung, und ich will ihn irgendwann unbedingt gewinnen. Das wird zwar kein Spaziergang, aber ich habe schon gegen viele gute Spielerinnen gewonnen. Das gibt mir natürlich Selbstvertrauen. Aber bei einem so wichtigen Turnier gehen natürlich auch alle anderen hochmotiviert an den Start.“
Franziska Schreiner: „Wie vor zwei Jahren würde ich gerne den Sprung aus dem Qualifikationsturnier ins Hauptfeld schaffen. In Linz bin ich sogar bis in die Runde der besten 32 gekommen, hatte damals aber auch eine bessere Setzung. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich in Ljubljana wieder das Hauptfeld erreiche. Danach schaue ich von Spiel zu Spiel. Mal sehen, was die Auslosung ergibt.“
Die Stimmen der Trainer gegenüber dem DTTB:
Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer) zu den Zielen bei der EM: „Es wird ein ungemein spannendes und interessantes Turnier. Wie eng die Spitze international beieinanderliegt, zeigen die Siegerlisten der Turniere, in denen fast jede Woche ein anderer Name auftaucht. Auch unsere Jungs reisen nach Slowenien mit dem Gefühl, gewinnen zu können und auch zu wollen. Auch wenn Felix und Alexis Lebrun, dazu Truls Möregårdh, aktuell Europas Beste sind, haben viele Spieler die Chance auf den Titelgewinn. Nicht zuletzt Darko Jorgic, der in seinem Heimatland Slowenien immer gut spielt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe junger Spieler, dazu zählen auch Andre, Wim und Kay, die immer für eine Überraschung gut sind."
... über das China-Smash: „Was man natürlich ansprechen muss, ist, dass die Spieler wegen des China Smash praktisch direkt aus Peking zur EM reisen müssen. Null Tage Vorbereitung und eine Anreise direkt von einem anderen Turnier – das hat es bei einer EM noch nie gegeben. Wenn man in Peking noch im Achtelfinale vertreten ist, spielt man seinen ersten Ball in Slowenien erst, wenn das Turnier schon begonnen hat. Dazu kommt neben der fehlenden Erholung und der Reisebelastung die Umstellung auf neue Bälle und neue Tische. Das zeigt, wie wenig sich die Verantwortlichen Gedanken machen. Das darf so nie wieder passieren.“
Tamara Boros (Damen-Bundestrainerin): „Wir stellen aktuell die stärkste Nation in Europa, und unsere vier Topspielerinnen haben durchweg die Qualität, um bei der EM nach dem Titel zu greifen. Als Bundestrainerin ist man in solch einer Konstellation manchmal verführt, sich mehrere Medaillen oder sogar ein deutsches Endspiel zu wünschen. Das ist zwar nicht unmöglich, aber in der Praxis ist es bis dahin noch ein ungemein weiter und steiniger Weg, der stark von der Auslosung, der Tagesform, der Gesundheit und manchem anderen abhängig ist. Ich würde mich mit Blick auf Olympia vor allem auch über gute Ergebnisse und positive Erkenntnisse im Doppel und Mixed freuen. Hier haben wir zuletzt nicht ganz so gut gespielt.“
Das vollständige EM-Aufgebot des DTTB
Die Meldungen im Einzelwettbewerb
Herren
Dang Qiu (Borussia Düsseldorf, Weltranglistenplatz*: 10), Dimitrij Ovtcharov (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, WR: 20), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT, WR: 24), Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt, WR: 37), Andre Bertelsmeier (TSV Bad Königshofen, WR: 61), Wim Verdonschot (BV Borussia Dortmund, WR: 62), Kay Stumper (Post SV Mühlhausen, WR: 91)
Trainer
Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer)
Damen
Sabine Winter (TSV Dachau, WR: 9), Ying Han (KTS Tarnobrzeg/Polen, WR: 16) Nina Mittelham (ttc berlin eastside, WR: 29), Annett Kaufmann (SV DJK Kolbermoor, WR: 42), Franziska Schreiner (TuS Fürstenfeldbruck, WR: 142)
Trainerin
Tamara Boros (Damen-Bundestrainerin)
*Weltranglistenpositionen vom 21. September 2026
Die Meldung für die Doppel-Konkurrenzen*
Herren-Doppel
Benedikt Duda/Dang Qiu, Patrick Franziska/Dimitrij Ovtcharov
Damen-Doppel
Annett Kaufmann/Nina Mittelham, Ying Han/Sabine Winter
Mixed
Patrick Franziska/Annett Kaufmann, Benedikt Duda/Nina Mittelham
*Pro Nation dürfen maximal zwei Kombinationen gemeldet werden
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