Coach Molin: „Unsere Zukunft wird großartig sein“

Nach dem knappen WM-Halbfinale gegen China erzählt Frankreichs Coach Nathanael Molin, woran er jetzt arbeiten möchte, wie er die Entwicklung von Flavien Coton sieht und was nach so einer Niederlage das Wichtigste ist.

myTischtennis.de: Was fühlt man als Trainer nach solch einem emotionalen Match, in dem die eigene Mannschaft kurz davor war, China zu besiegen?
Nathanael Molin: Es ist eine Mischung aus Stolz und Enttäuschung. Auf der einen Seite waren wir nicht weit weg, der Sieg war möglich. Auf der anderen Seite ist es aber doch noch ein großer Schritt, solche Spiele für sich zu entscheiden.
myTischtennis.de: Was sind die entscheidenden Punkte, an denen noch gearbeitet werden muss?
Nathanael Molin: Es geht nicht um eine bessere Vorhand oder Rückhand, sondern um das Gefühl dafür, was in welcher Situation das Richtige ist: Wann spiele ich fest, wann weich, wann mit Spin, wann mit Geschwindigkeit? Das ist eine strategische, taktische Frage. Man muss nicht immer mit voller Power spielen, im richtigen Moment ist auch ein kleiner Punkt effektvoll. Auch wenn das eigentlich nicht zum eigenen Spielsystem gehört.
myTischtennis.de: Während der Team-EM 2025 in Zadar sprach ich mit Flavien Coton, der damals nur auf der Bank saß, aber hoffte, dem Team künftig auch aktiv helfen zu können. Nun ist er die wohl größte Entdeckung dieser WM. Wie erlebst du seine Entwicklung?
Nathanael Molin: Er hat die Fähigkeit, einen Ball zu versenken, wie sie nicht viele Spieler haben. Das ist sehr besonders an ihm. Er spielt so viele ‚Bomben‘ und das mit guter Qualität, hat aber die Mentalität, dabei ruhig zu bleiben. Das ist eine - im positiven Sinne - etwas seltsame Mischung, aber eine fantastische Besonderheit an ihm, die er sich bewahren und weiterentwickeln muss. Denn meiner Meinung nach sollten wir darauf bauen, was wir gut machen, und nicht nur das verbessern wollen, wo wir noch Luft nach oben haben.
myTischtennis.de: Hast du erwartet, dass er hier so einschlägt? Gegen einen Top-10-Spieler gewinnt und mit der Nummer eins der Welt mithält?
Nathanael Molin: Nein, so was ist am Anfang schwer vorherzusehen. Wir haben im letzten Jahr im Training gesehen, dass er sehr stark ist. Das wussten wir. Aber es ist noch mal was anderes, das auch im Match umzusetzen. Das hat er in diesem Turnier wirklich sehr gut gemacht.
myTischtennis.de: Man hat gesehen, wie sich deine Spieler in der Box über die vergebenen Chancen geärgert haben. Wie schafft man es, so ein Spiel schnell abzuhaken?
Nathanael Molin: Ich denke, es ist gut, dass sie so fühlen. Denn das Wichtige ist, dass sie etwas daraus mitnehmen, etwas für die Zukunft lernen. Das ist der wichtigste Teil von solch einer Niederlage. Jetzt dürfen sie enttäuscht und sauer sein. Damit habe ich kein Problem, solange sie das Erlebte für sich nutzen und in etwas umwandeln, was uns beim nächsten Mal zum Sieg verhelfen kann. Ich möchte niemanden kopieren, ich möchte unsere eigene französische Tischtennisstrategie.
myTischtennis.de: Bis zur Revanche wird es wohl zwei Jahre dauern - und dann sind auch schon die nächsten Olympischen Spiele. Was nimmt man sich nach solch einem Match vor?
Nathanael Molin: Das ist natürlich alles noch sehr weit weg. Aber was ich jetzt schon sagen kann, ist: Ich glaube, unsere Zukunft wird großartig sein.
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