CL-Viertelfinale: ttc berlin eastside legt in Polen vor

Der ttc berlin eastside legt erfolgreich vor: Die Hauptstädterinnen gewannen das Viertelfinal-Hinspiel in Rzeszów mit 3:1. Überragend: Yuka Kaneyoshi mit zwei Siegen. Das Final Four ist zum Greifen nah. Das Rückspiel steigt am Samstag in Berlin.

Der Titelverteidiger hat vorgelegt – und das in überzeugender Manier. Am Donnerstagabend gewann der ttc berlin eastside das Viertelfinal-Hinspiel der europäischen Königsklasse im polnischen Rzeszów mit 3:1 und verschaffte sich damit eine überaus günstige Ausgangsposition für das Rückspiel am Samstag (18 Uhr) in Deutschland. Der Klub steht damit mit einem Bein im Final Four, das im polnischen Tarnobrzeg stattfinden wird. Bei eastside überragte die junge japanische Abwehrspielerin Yuka Kaneyoshi, die ihre beiden Einzel gewann. Nina Mittelham steuerte einen weiteren Punkt bei.
Die ersten beiden Matches waren fraglos die spannendsten, die letzten beiden dagegen ziemlich einseitig. Doch der Reihe nach: Berlin hatte mit Yuka Kaneyoshi, Xiaona Shan und Nina Mittelham ein spielstarkes und – zumindest was Shan und Mittelham betrifft – international höchst erfahrenes Trio aufgeboten. Mitgereist in ihre polnische Heimat war für alle Fälle auch Natalia Bajor, die jedoch nicht zum Einsatz kam.
Überraschungs-Viertelfinalist Rzeszów musste auf seine starke Taiwanerin Yeh Yi Tian verzichten und formierte ein Team um die erfahrene Li Fen, Einzel-Europameisterin des Jahres 2013. Die inzwischen 49 Jahre alte, in China geborene Schwedin mit dem außergewöhnlichen Ballgefühl ist in der deutschen Bundesliga noch bestens bekannt, wo sie von 2007 bis 2013 die Spitzenspielerin des TTSV Saarlouis-Fraulautern war. Ihr zur Seite standen die Polinnen Zuzanna Wielgos und Ilona Sztwiertnia, die keineswegs einen schwachen Eindruck hinterließen und phasenweise sogar auf Augenhöhe agierten.
Die 20-jährige Wielgos erwischte sogar einen Traumstart und schaffte tatsächlich das Kunststück, Xiaona Shan zu bezwingen. Zweimal ging Berlins Penholder-Ass in Führung, zweimal glich die Polin aus. Im Entscheidungsdurchgang – der als Kurzsatz gespielt wird – lief für Wielgos nahezu alles zusammen. Mutig im ersten Ball, konsequent im Gegenziehen, getragen vom lautstarken Publikum: Rzeszów witterte die Sensation.
Die Frage war nun: Würde auch das 2:0 gelingen? Berlin setzte auf sein in der Bundesliga bereits überragendes Abwehr-Ass Yuka Kaneyoshi. Doch ihre Gegnerin war keine Geringere als Li Fen – und die gilt als ausgewiesene Abwehr-Knackerin mit ihrem extrem spinreichen, druckvollen Vorhand-Topspin. Die Aufstellung schien aus polnischer Sicht perfekt gewählt. Es entwickelte sich ein technisch hochklassiges Duell mit langen Rallyes und feinen taktischen Nuancen. Den ersten Satz sicherte sich Kaneyoshi klar, Li fand anschließend bessere Lösungen und glich aus. Doch die Japanerin variierte klug Tempo und Schnitt, stand defensiv extrem stabil und entschied den dritten Durchgang deutlich für sich. Im vierten Satz ging es dann in die Verlängerung – 15:13 für Kaneyoshi. Ein mental enorm wichtiger Punkt zum 1:1-Ausgleich.
Das Rückspiel steigt am Wochenende
Wie erhofft, sorgte anschließend Nina Mittelham erstmals für eine Berliner Führung. Gegen Ilona Sztwiertnia dominierte sie mit druckvollem Aufschlag-Rückschlag-Spiel und konsequentem Tempo. Zwei Sätze gingen klar an die deutsche Nationalspielerin. Im dritten Durchgang wurde es enger, doch Mittelham blieb ruhig, übernahm in den entscheidenden Ballwechseln die Initiative und gewann letztlich mit 11:5, 11:3, 11:9. Eine abgeklärte Vorstellung, die ihre internationale Klasse unterstrich.
Am Ziel war man jedoch noch nicht. Dafür musste Kaneyoshi erneut an den Tisch – diesmal gegen Wielgos. Die zentrale Frage: Kann die junge Polin gegen Abwehr ähnlich effektiv agieren wie gegen Shans offensives Penholder-Spiel? Die Antwort fiel eindeutig aus. Kaneyoshi kontrollierte das Geschehen mit kluger Platzierung, variabler Schnittgestaltung und hoher Geduld. Ihr 3:0-Erfolg geriet nie ernsthaft in Gefahr, auch wenn Wielgos phasenweise mutig attackierte. Doch immer dann, wenn es eng wurde, fand die Berlinerin die bessere Lösung. Eine reife, taktisch disziplinierte Leistung – und der hochverdiente Auswärtssieg war perfekt.
Nun darf man sich auf ein echtes Tischtennis-Fest in der Hauptstadt freuen. Vieles spricht dafür, dass der ttc berlin eastside am Samstag im Rückspiel den Sack zumachen und das Final Four buchen kann. Dennoch ist Vorsicht geboten: Rzeszów hat im Hinspiel bewiesen, dass es Qualität und Kampfgeist besitzt – ein Team, das man keinesfalls unterschätzen darf.
„Unsere Mannschaft hat ihr Champions-League-Gesicht gezeigt und souverän in Rzeszów gewonnen. Selbst der Rückstand hat uns nicht aus dem Konzept gebracht und Yuka Kaneyoshi hat wieder einmal unglaublich konzentriert und selbstbewusst ihre Spiele gewonnen“, freute sich Berlins Manager Andreas Hain im Gespräch mit dem DTTB. „Wir wollen jetzt am Samstag natürlich genauso konzentriert spielen und den Einzug ins Final Four perfekt machen. Kompliment auch an unsere junge Trainerin Mika Kaneyoshi, Yukas Schwester, die jetzt erstmals alleine die Verantwortung für das Team hatte und das hervorragend gemacht hat.“
PGE Fibrain KU AZS Politechnika Rzeszow – ttc berlin eastside 1:3
Zuzanna Wielgos – Xiaona Shan 3:2 (4:11, 11:7, 4:11, 11:9, 6:2)
Fen Li – Yuka Kaneyoshi 1:3 (6:11, 11:7, 5:11, 13:15)
Ilona Sztiwertnia – Nina Mittelham 0:3 (5:11, 3:11, 9:11)
Zuzanna Wielgos – Yuka Kaneyoshi 0:3 (6:11, 8:11, 9:11)
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