Chantal Mantz: „Mir war klar, dass ich Coach werden will“

    Bei der Team-EM 2021 gehörte Chantal Mantz noch zur deutschen Meistermannschaft, in Zadar ist sie in ihrer neuen Rolle als Belgiens Nationalcoach zu sehen. Im Interview verrät sie, dass dies schon immer ihr Wunsch war.

    Chantal Mantz ist in Zadar hinter der Bande der belgischen Mannschaft zu sehen (©ETTU)

    myTischtennis.de: Die belgische Jugend-Nationalmannschaft hast du zuletzt schon bei ein paar Turnieren betreut, nun stehst du bei der Team-EM der Erwachsenen als belgische Damen-Nationaltrainerin an der Bande. In der Vorrunde habt ihr leider kein Spiel gewonnen und auch in den Play-offs seid ihr ausgeschieden. Mit welchem Ziel seid ihr hierhergekommen?

    Chantal Mantz: Wir wollten in der Platzierungsrunde möglichst weit kommen. Dass wir jetzt direkt gegen Bulgarien rausgeflogen sind, ist ein bisschen bitter. Zumal wir alle Spiele erst im fünften Satz verloren haben. Es ist hier nicht so gut für uns gelaufen.

    myTischtennis.de: Gibt es trotzdem Learnings, die ihr mitnehmen könnt?

    Chantal Mantz: Ja, ganz viele. Zum einen Dinge, die die Mädels an ihrem Spiel noch verbessern müssen. Zum anderen die mentale Komponente. Sie sind oft sehr gestresst und können dann nicht spielen - da müssen wir auf jeden Fall noch dran arbeiten.

    myTischtennis.de: Welches Ziel hast du - oder der belgische Verband - dir langfristig mit dieser Mannschaft gesetzt?

    Chantal Mantz: Es ist in Belgien etwas anders als in Deutschland, wo man unbedingt eine Medaille holen will. Da sind wir noch weit von entfernt, auch wenn ich hoffe, dass wir da irgendwann hinkommen. Bei solchen Turnieren wie hier ist unser Ziel eigentlich immer, es aus der Gruppe rauszuschaffen. Und innerhalb der Mannschaft verfolgen wir das Ziel, die Spielerinnen so zu trainieren, dass wir bald eine gute Nummer eins haben. Denn aktuell sind alle in etwa gleich gut, auf dem Niveau einer Nummer drei. Und das reicht gegen die besseren Mannschaften leider nicht.

    myTischtennis.de: Wie würdest du dich selbst als Trainerin beschreiben? Bist du in dieser Rolle eher die Vernünftige oder die beste Freundin?

    Chantal Mantz: Ich bin schon seriös - also nicht streng, aber ich achte darauf, dass wir professionell sind. Das kenne ich ja aus Deutschland sehr gut. Auf der anderen Seite bin ich aber auch etwas entspannter unterwegs, mache meine Späße so wie immer. Wir machen Sachen zusammen, gehen Eis essen und die Mädels wissen, dass sie zu mir kommen können und wir über alles sprechen können. Es ist ein guter Mix.

    myTischtennis.de: In der Bundesliga spielst du ja noch, aber es ist auch noch gar nicht lange her, dass du selbst für Deutschland an internationalen Turnieren teilgenommen hast. Wie leicht ist es dir gefallen, dieses Kapitel ad acta zu legen und ein neues zu beginnen?

    Chantal Mantz: Das war gar nicht so schwer, muss ich sagen. Ich war in der letzten Zeit viel verletzt. Und ich wusste, dass es gerade in Deutschland schwer werden würde, dann wieder in die Mannschaft zu kommen, schließlich kommen immer wieder jüngere Spieler nach. Deswegen habe ich schon vorher lange überlegt, was ich mache. Ich bin dann zu meinem Freund Martin Allegro nach Belgien gezogen und hatte dort anfangs einen Job bei Donic. Also war ich abgesichert und wusste, dass das der richtige Zeitpunkt für den Cut ist. Dann kam das Angebot des belgischen Verbands, Damen-Nationaltrainerin zu werden, und das mache ich nun seit Sommer. So ist man also trotzdem noch irgendwie dabei, nur als Coach.

    myTischtennis.de: Hast du während deiner Spielerlaufbahn - wie ein paar deiner Kolleginnen - auch eine Ausbildung oder ein Studium absolviert?

    Chantal Mantz: Nein, ich habe mich voll auf das Profi-Leben konzentriert. Denn für mich war klar, dass ich Coach werden will, wenn ich aufhöre. Drum hat es mich richtig gefreut, als das Angebot der Belgier kam, weil ich das, was ich mir für mein Leben nach meiner aktiven Karriere gewünscht habe, nun direkt bekommen habe und trotzdem noch ein bisschen in der Bundesliga spielen kann. Mir macht es riesig Spaß mit den Mädels, mein Trainerteam ist super und diesen Weg gehe ich jetzt weiter.

    myTischtennis.de: Während du hier deine Mannschaft in Zadar betreust, sind im selben Wettbewerb auch deine ehemaligen Teamkameradinnen aus Deutschland unterwegs. Inwiefern ist das komisch für dich?

    Chantal Mantz: Das ist sehr komisch. Du trägst plötzlich andere Kleidung, triffst hier aber trotzdem deine Freunde und alten Teamkollegen. Wir sind in einem anderen Hotel als die Deutschen untergebracht, aber hier in der Halle sieht man sich, kann sich ein wenig mit den Spielerinnen und mit Tami (Bundestrainerin Tamara Boros, Anm. d. Red.) austauschen, was sehr schön ist. Es ist noch etwas komisch, aber ich gewöhne mich langsam daran.

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