14 Titel bei Maccabiah! Medaillenregen im Krisengebiet

Bei den Weltspielen für jüdische Sportler, genannt Maccabiah, haben die deutschen Tischtennisspieler um die vierfache Titelträgerin Katharina Michajlova enorm abgeräumt. Doch wie war es, trotz des Nahost-Konflikts an einem Turnier in Israel teilzunehmen?

Wenn Bomben auf Tel Aviv fallen, schlägt Katharina Michajlovas Handy Alarm. Da ihre Schwester Lisa in der israelischen Stadt lebt, hat die Spielerin des PSV Oberhausen eine App installiert, die sie in Echtzeit und bis aufs Stadtviertel genau über Angriffe informiert. In den vergangenen beiden Wochen war Michajlova nun selbst in Tel Aviv - zusammen mit 8.000 weiteren Athleten und der 170 Personen starken deutschen Delegation, die zu den Weltspielen für jüdische Sportler, der Maccabiah, reiste. Flog da ein mulmiges Gefühl mit? „Nein, ich bin davon ausgegangen, dass, wenn die Spiele stattfinden, sie sicher sein werden“, erzählt Michajlova. Eigentlich hätte das Großevent, das wie die Olympischen Spiele nur alle vier Jahre ausgerichtet wird und an dem normalerweise rund 10.000 Athleten teilnehmen, bereits 2025 stattfinden sollen. Wegen des Kriegs mit dem Iran und der ungewissen Sicherheitslage entschied man sich jedoch für eine Verschiebung auf 2026. Diesmal wurde es durchgezogen, auch wenn der Konflikt noch immer nicht beendet ist.
Kein Unterschied zu früheren Ausgaben
„Bis drei, vier Wochen vorher wusste man noch nicht, ob die Maccabiah nicht wieder abgesagt wird“, erzählt Michajlova. „Für mich war klar, dass ich hinfahre, wenn sie stattfindet.“ So wie die NRW-Liga-Spielerin dachten jedoch nicht alle Sportler. Einige blieben lieber zu Hause - ob aus Angst vor Angriffen, wegen persönlicher Gründe oder politischer Bedenken zum Vorgehen der israelischen Regierung. Die deutsche Tischtennismannschaft umfasste 13 Spielerinnen und Spieler, vier von ihnen gehörten zur Familie Michajlov. Für Katharina war dies ihre dritte Maccabiah - einen Unterschied zu den beiden vorherigen Ausgaben konnte sie in Bezug auf Sicherheitsvorkehrungen jedoch nicht feststellen. „Ich hatte sogar den Eindruck, dass weniger Sicherheitskräfte mit Waffen vor unserem Hotel standen“, berichtet Michajlova, die nicht tief in der israelischen Politik drinsteckt, sich aber vor allem Frieden für die Region wünscht. „Ich hätte auch erwartet, dass wir im Hotel gebrieft werden, zum Beispiel wo der nächste Bunker ist. Aber vor Ort ist die Lage dann doch etwas anders, als man es in Deutschland mitbekommt.“
Ohne Sicherheitsbedenken konnte sich die 37-Jährige - wie auch die anderen Athleten - voll und ganz auf das sportliche Geschehen konzentrieren. In 21 Wettbewerben wurden im Tischtennis die neuen Meister gesucht. Das deutsche Team gewann 14 dieser 21 Wettbewerbe, insgesamt kehrte man mit 37 Medaillen zurück und jedes Mitglied der Tischtennismannschaft durfte mindestens einmal aufs Siegertreppchen. Katharina Michajlova, die auch schon vier Medaillen bei deutschen Meisterschaften gewinnen konnte, stand dabei an der Spitze dieser Statistik: Nach dreimal Gold und einmal Silber bei ihrer ersten Maccabiah 2017 und einmal Gold sowie dreimal Silber bei der zweiten Ausgabe 2022 erreichte sie diesmal die volle Ausbeute: vier Goldmedaillen im Damen-Einzel, -Doppel, -Teamwettbewerb und Mixed. Das Teilnehmerfeld sei dabei laut Michajlova - etwa wegen fehlender Konkurrentinnen - nicht bedeutend schwächer gewesen, auch wenn die nationalen Tischtennis-Meisterschaften, die wegen des Kriegs auf die Tage vor der Makkabiade gelegt worden waren, die eine oder andere starke Israelitin an der Teilnahme hinderten.

Bestes Ergebnis für deutsches Team
Im Damen-Finale stand Michajlova ihrer Schwester Lisa gegenüber, die sie in drei deutlichen Sätzen besiegte. Neli Shoifer komplettierte den Medaillensatz im Damen-Einzel für das deutsche Team, indem sie Bronze holte. Ansonsten gingen auch die Titel im Herren-Einzel (Yaroslav Shubov), Seniorinnen 40 (Tatjana Michajlova), Senioren-Mixed 40 (Tatjana Michajlova/Alexander Michajlov), Seniorinnen-Doppel 40 (Tatjana Michajlova/Svitlana Simachova UKR) und Senioren-Doppel 40 (Alexander Michajlov/Serhii Retynskyi ISR) an Deutschland. Somit trugen die deutschen Tischtennisspieler einen großen Teil zum Rekordergebnis von insgesamt 128 Medaillen bei, die MAKKABI Deutschland bei dieser Ausgabe gewinnen konnte.
Für Katharina Michajlova ist die Maccabiah aber viel mehr als ein sportliches Event. „Ich bin super happy, dass ich die Leute von MAKKABI Deutschland wiedergetroffen habe. Wir haben einen guten Zusammenhalt und eine starke Gemeinschaft“, erzählt die gebürtige Ukrainerin. „Ich habe alte Bekannte aus der ganzen Welt getroffen und neue Freundschaften geschlossen.“ Anders als für ihre Schwester Lisa, die im Rahmen der Maccabiah von einem Fernsehteam begleitet wurde (Doku in ARD-Mediathek abrufbar), wäre Israel für sie allein schon wegen der hohen Lebenshaltungskosten keine Alternative als Wohnort, auch wenn sie sich in Tel Aviv sehr sicher fühlt. Das war auch während der Maccabiah, trotz des andauernden Nahost-Konflikts, nicht anders. Die App auf Michajlovas Handy, die vor Bomben auf Tel Aviv warnt, hat sich in diesen zwei Wochen zumindest nicht gemeldet.
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