DTTB geht mit Spinsight-App auf Talentsuche

Die Spinsight-Technologie macht Parameter wie Spin und Tempo in Echtzeit sichtbar. Ein Vorteil, den sich auch der DTTB zunutze macht - zum Beispiel, wenn der Verband auf die Suche nach neuen Talenten geht.

Dirk Wagner ist auf dem Weg nach Baden-Württemberg. Dort findet eine der regelmäßig stattfindenden regionalen Sichtungen statt, bei denen der Düsseldorfer Bundesstützpunktleiter des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) mit seinem Team die größten Talente der Landesverbände unter die Lupe nimmt. Im Gepäck hat Wagner die Spinsight-Ausrüstung, die er seit vergangenem Jahr regelmäßig in der Talentsichtung einsetzt. Zwar arbeitete der DTTB auch vorher schon mit dem sogenannten Elite-System. „Aber seit man Spinsight auch sehr benutzerfreundlich über die Handy-App bedienen kann und das System in etwa 30 Sekunden startklar ist, ist die Technologie auch im Alltag eine sehr große Hilfe für mich“, berichtet Wagner, der sich in seiner Vergangenheit als hauptamtlicher Verbandstrainer des TTTV, Cheftrainer von Borussia Düsseldorf sowie des TTC Zugbrücke Grenzau und Headcoach in der Werner-Schlager-Academy schon auf vielen Ebenen des Tischtennissports getummelt hat.
Gezielter Einsatz in Talentsichtung
Die App der Spinsight ESN Digital GmbH ist inzwischen für jedermann im App-Store verfügbar, so dass auch Amateure damit arbeiten können. Ob Umdrehungen pro Sekunde, die Rotationsrichtung oder die Geschwindigkeit - mit Spinsight lassen sich Daten in Echtzeit während des Trainings erfassen, so dass gezielt an einzelnen Aspekten gearbeitet werden kann. Denn der Effekt einer Anpassung wird sofort auf dem Bildschirm sichtbar. „Spinsight ist seit diesem Jahr ‚Official Technical Partner‘ des DTTB und wir sind froh, eine solch innovative, fundierte Unterstützung im Rücken zu haben“, erklärt Richard Prause, Vorstand Sport des DTTB. „Wir nutzen die Technologie im Hochleistungstraining unserer Profis, aber auch in der Trainerausbildung und im Nachwuchsbereich, wo sie etwa gezielt bei der Talentsichtung eingesetzt wird.“
Hier kommt Dirk Wagner ins Spiel, der schon 1996 zum DTTB-Talentsichtungsteam gehörte und heutige Größen wie Dimitrij Ovtcharov, Patrick Franziska oder Sabine Winter bei ihren ersten Schritten in Sichtungslehrgängen beobachtete. Damals noch ein junger Assistent hat der Thüringer heute das letzte Wort, wenn es um die schrittweise Auswahl der größten Talente geht. „Wir haben dabei immer unsere Leistungspyramide, die unten noch ganz breit ist und nach oben hin immer schmaler wird, vor dem geistigen Auge. Wir schauen uns in diesem Jahr in Summe etwa 100 Kinder an, die jüngsten sind acht Jahre alt“, erklärt Wagner den Prozess, bei dem die Gruppe der Talente von Lehrgang zu Lehrgang kleiner wird. „Am Ende kommen die Nachwuchsbundestrainer dazu und es wird entschieden, wer im nächsten Kalenderjahr einen Platz im U13-Kader bekommt. Manche Kinder durchlaufen diesen Sichtungsprozess zwei-, dreimal.“
Gesamtpaket muss stimmen
Entscheidende Kriterien seien dabei nicht nur die Rotation oder Geschwindigkeit, die ein Nachwuchstalent dem Ball mitgeben könne. Das Kind müsse sich in der Halle zu Hause fühlen, sportmotorisch überdurchschnittlich begabt, lern- und leidensfähig sein. Außerdem müsse die Familie bereit sein, den Leistungssport in den Mittelpunkt ihres Lebens zu stellen. „In Sachen Tischtennis-Skills ist es mir vor allem wichtig, zu sehen, ob das Kind etwas mit dem Ball anfangen kann, ob es eine Affinität dazu hat, auszuprobieren, wie man einzelne Faktoren wie Spin und Tempo beeinflussen kann - und da kommt dann auch Spinsight ins Spiel“, erläutert Wagner, der den Skilltest in der App sehr gerne anwendet. Hiermit prüft er die Rotation beim kurzen Aufschlag mit Unterschnitt oder die Geschwindigkeit beim schnellen, langen Aufschlag und beobachtet, wie die Kinder auf diese Informationen reagieren und motiviert werden, ihre Bewegungen anzupassen.
Ausschlaggebend für die Auswahl der Kinder ist am Ende aber das Gesamtpaket, das Wagner mit seiner großen Erfahrung beurteilt. „Für die Auswahl von Menschen kann man sich nicht ausschließlich auf Daten verlassen, dafür ist Tischtennis auch zu komplex“, findet der Bundesstützpunktleiter. „Die Datenerhebung ist nur ein Teilbereich, aber sie ist als Hilfsmittel sehr nützlich und dient als Bestätigung und Unterstützung für das Trainerauge.“ Ab 2027 soll die Spinsight-Technologie schon auf den unteren Ebenen, in den einzelnen Landesverbänden, gezielter eingesetzt werden. Der DTTB verbessert damit auch an der breiten Grundfläche der Leistungspyramide die Bedingungen, so dass künftige Sichtungstermine - ob in Baden-Württemberg oder in anderen Regionen im Land - noch effektiver ablaufen können und die künftigen Dimitrij Ovtcharovs und Sabine Winters ihren Weg in die Nationalkader finden.
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