TTC Meerbusch: Aus vier mach‘ eins

    Zwei Vereine schließen sich häufiger mal zusammen – aber gleich vier? Beim TTC Meerbusch verbanden sich im Jahr 2024 drei Abteilungen und ein Verein. Inzwischen hat sich die Mitgliederzahl fast verdoppelt und die Jugendarbeit floriert. Ein Beitrag aus dem tischtennis-Magazin.

    Im Oktober vergangenen Jahres lud der neue Verein TTC Meerbusch beim Stadt-Sportfest zum Aktionstag ein: Moderiert von Holger Tiggelkamp (links) gingen u. a. die TTC-Spieler Rainer Kopittke und Mathis Rosenbaum mit den Profis Omar Assar und Romain Ruiz (von links) an den Tisch. (Foto: TTC Meerbusch/Rainer Höttecke)

    Wenn Arik Wagner, Rainer Höttecke, Stefan Sonderfeld und Holger Tiggelkamp zusammensitzen, wirken sie wie vier alte Freunde, die gemeinsam ein Abenteuer durchgestanden haben. Dabei gehörten sie vor zwei Jahren noch verschiedenen Vereinen an – und auch wenn jetzt ihr Umgang miteinander „launig und selbstverständlich aussieht, war es das vor zwei Jahren noch lange nicht“, sagt Tiggelkamp. Das Abenteuer, das die vier Männer vereint hat: den Einsparten-Verein DJK Siegfried Osterath und die drei Tischtennis-Abteilungen des SSV Strümp, TSV Meerbusch und TURA Büderich zu einem stadtteilübergreifenden Verein zusammenzuführen.

    Insgesamt acht Stadtteile hat Meerbusch, nahe Düsseldorf gelegen, von denen vier eine eigene Tischtennis-Abteilung besaßen. Alle vier Abteilungen hatten mit Problemen zu kämpfen, die vielen Vereinen bekannt sind: „Gerade bei uns in Büderich war oft die Trainingsbereitschaft nicht da“, berichtet Höttecke, der mit Sonderfeld und Wagner dem TURA Büderich angehörte. Sonderfeld ergänzt: „Uns gelang es nicht mehr, unsere Zukunft aufzubauen, also den Jugendspielern in den Erwachsenen-Mannschaften eine Perspektive zu bieten.“ Der DJK Osterath, dem Tiggelkamp angehörte, und den beiden anderen Abteilungen aus den Stadtteilen Lank und Strümp ging es ähnlich. „Wir haben nur noch verwaltet, aber konnten nichts mehr gestalten“, beschreibt Tiggelkamp die damalige Situation.

    Die Idee, Kräfte zu bündeln, gab es schon lange – auch, dass die DJK Osterath als der einzige ausschließliche Tischtennis-Klub sich als Heimat für alle anbot. „Wir waren der neutrale Boden, auf dem ein möglicher Zusammenschluss stattfinden konnte“, sagt Tiggelkamp. Aber bis alle Beteiligten so weit waren, dauerte es seine Zeit. Erste Ideen und Gespräche gab es schon vor über sieben Jahren, wie die vier Männer erzählen. Die Abteilungen kennen sich aus dem Ligaspielbetrieb, und auch bei den Stadtmeisterschaften treffen jedes Jahr alle Tischtennisspieler aus Meerbusch aufeinander. Aber darüber hinaus blieben die Klubs unter sich. Sich gegenseitig etwa beim Training zu besuchen, das gab es kaum und war verpönt: „Wenn jemand aus einem der anderen umliegenden Vereine kam, wurde die Nase gerümpft“, sagt Sonderfeld.

    Online-Tools erleichtern Organisation

    Über die Jahre hinweg wurde der Austausch über einen Zusammenschluss konkreter. „Gerade mit Holger habe ich viele Gespräche geführt, wir mussten auch erst einmal miteinander zurechtkommen“, berichtet Höttecke. Holger Tiggelkamp führt aus: „Trotzdem war es so, dass wir uns recht gut ergänzt haben – und wir waren uns aus unterschiedlichen Positionen einig, dass der Zusammenschluss funktionieren kann.“

    Alle vier, die später in den Vorstand des neuen TTC Meerbusch gewählt wurden, waren bereit, anzupacken. „Und wenn du diesen Punkt hast, musst du Gas geben“, sagt Wagner. Der Jugendwart suchte am Anfang 2024 gleich nach Online-Tools, welche die Planung erleichtern sollten. „Im neuen Verein sind wir mit 20 Kindern gestartet, die auf drei WhatsApp-Gruppen aufgeteilt waren – mit dem Hin und Her an Terminen war es schon kompliziert“, sagt Wagner. Er stieß auf den „TT-Planer“, der u. a. als Web-App fürs Mobilgerät eine Komplettlösung bietet: Alle Vereinsspieler können ein eigenes Profil erstellen und zu Trainings- und Spieltagen eine Rückmeldung geben, außerdem sind Informationen wie die Hallenschlüssel-Verfügbarkeit oder die Spiel-PIN für click-TT einsehbar.

    „Um vier verschiedene Hallen und die fünf Trainingstage zu organisieren, brauchen wir diese Hilfen“, sagt Wagner. „Wir haben schon öfter das Feedback bekommen, dass wir gut strukturiert sind.“ Mit den bereits etablierten Trainern aus den vier Vereinen achtete man darauf, bei jedem Jugendtraining mindestens zwei Trainer in der Halle zu haben, um eine Balleimer-Station zu ermöglichen. „Und dass wir fünfmal in der Woche Jugendtraining anbieten können, ist für viele Eltern attraktiv. Die Kinder können sehr flexibel kommen“, sagt Tiggelkamp.

    Die vier Vorstände: Stefan Sonderfeld, Arik Wagner, Rainer Höttecke und Holger Tiggelkamp (von links). (Foto: TTC Meerbusch)

    Das gebündelte Jugendtraining wurde rasch ausgedehnt, mittlerweile gibt es nach Leistung sortierte Gruppen, jede hat ihren eigenen Trainer. Mit jetzt knapp 100 Nachwuchsspielern läuft die Jugendarbeit prächtig: „Wir haben bisher kaum Kinder verloren“, sagt Wagner. „Zum Teil liegt das auch daran, dass wir die älteren Jugendlichen schnell selbst als Trainer wieder einbinden und wir ihnen die Ausbildung zur C-Lizenz bezahlen.“ Außerdem gelingt nun, was zuvor nicht so gut klappte: „Mittlerweile ist bei den Erwachsenenmannschaften die Akzeptanz hoch geworden, die Talente einzubauen“, sagt Sonderfeld. „Wir haben viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, damit sich die etablierten Erwachsenen-Teams und der Nachwuchs durchmischen.“

    Nachdem die ersten Jugendspieler ihre Einsätze gemacht haben und auch die ersten Siege einfuhren, sind die Teams „offen für noch mehr“, wie Tiggelkamp sagt: „Wir Jugendtrainer werden schon von den anderen Teams gefragt, wann sie denn mal einen guten Jugendspieler abbekommen.“ Dass sich die Mitgliederzahl von einst 130 Mitgliedern auf rund 220 erhöhte, führen die vier Vorstände neben der florierenden Jugendarbeit auch auf einen anderen Faktor zurück. „Wir hatten überraschend viel Zulauf im Hobby-Bereich, also von Spielern, die erstmal keinen Wettkampf spielen wollen, aber trotzdem gern mal wieder den Schläger in die Hand nehmen“, sagt Höttecke. „Und unsere Erfahrung ist: Haben die Interessierten den Schläger in der Hand und wollen spielen, dann juckt es doch oft in den Fingern, es mal auch im Wettkampf auszuprobieren.“

    Nicht alles verlief reibungslos

    In die Premierensaison startete man mit 17 Mannschaften. Um alle Spielklassen des Einsparten-Vereins DJK Osterath in den neuen TTC Meerbusch zu überführen, löste sich der alte Klub auf. Von den Abteilungen aus den Stadtteilen Lank und Strümp wurden alle Mannschaften und auch deren Spielklassen übernommen – nur beim Übergang aus dem TURA Büderich blieb es nicht reibungslos. „TURA hat uns nicht die Spielklassen überlassen“, sagt Höttecke, „als großer Mehrsparten-Verein wollte man die Tischtennis-Sparte nicht aufgeben.“ Die aktiven Spieler aus Büderich entschieden sich dennoch dazu, sich dem neuen TTC anzuschließen. In der Halle in Büderich mussten deshalb jedoch alle Tische, Banden und Zählgeräte neu angeschafft werden.

    Dass ein solcher Zusammenschluss innerhalb der jeweiligen Vereine auch mal für Gegenwind sorgt, sei allen Beteiligten klar gewesen. „Wichtig ist uns, dass jede Entscheidung transparent abläuft“, sagt Höttecke. „Und uns war es sehr wichtig, im Vorsitz allen vier Abteilungen – zumindest im erweiterten Gremium – ein Gesicht zu geben. Wir geben allen die Möglichkeit, sich einzubringen.“ Eine Frage war natürlich: Welchen Namen soll der neue Verein überhaupt haben? Jedes Mitglied konnte Vorschläge einbringen und abstimmen, am Ende fiel die Entscheidung auf die simple Variante „TTC Meerbusch“.

    Mehr als nur ein Verein

    Die Vorstände achteten darauf, die bereits in den anderen Vereinen etablierten Teams nicht auseinanderzureißen, und wollten dennoch für eine Durchmischung sorgen. „Uns war es wichtig, das Kirchturmdenken abzulegen“, sagt Höttecke. Am Anfang gab es schon „Berührungsängste“, wie Sonderfeld sagt. Zunächst war es so, wie man es erwarten würde: Die Mannschaften blieben zusammen, im Training unter sich. Aber das „weichte sich von Halbserie zu Halbserie immer mehr auf“, so Sonderfeld. Auch hier war viel Arbeit notwendig, erzählt Tiggelkamp: „Noch vor dem offiziellen Zusammenschluss haben wir Trainingsbesuche vereinbart, und haben in der Übergangsphase viele einander vorgestellt und vermittelt.“ Das Wichtigste für die den Vorstand: Alle sollen gern in die Halle kommen. „Wir achten sehr auf den guten Ton“, sagt Tiggelkamp, „und versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wir wollen mehr als nur ein Verein sein. Wir wollen eine Heimat bieten.“

    Dass der neue TTC Meerbusch bereits so schnell eine solche Heimat wurde, haben die Vorstände selbst nicht gedacht. Inzwischen sind es 21 Mannschaften: acht Jugend-, zwölf Erwachsenen- und ein Damenteam. Gerade bei den Damen versucht der Verein, neue Spielerinnen zu gewinnen. Aber: Ihnen allen im Vorstand sei klar, dass es über kurz oder lang nicht so gut weitergehen könne. Daher wolle man bei all dem Wachstum auch mal für ein halbes Jahr verschnaufen. „Das heißt natürlich nicht Stillstand, sondern dass wir uns mal klarmachen, wo es bislang noch nicht ganz so gut lief – und dort nachziehen“, sagt Tiggelkamp, der vor allem im Marketing, Sponsoring und auf Social Media noch Potenzial sieht. Damit sich der Verein nicht übernimmt, legte der Vorstand früh Regeln fest. „Wir haben von Anfang an definiert: Wir setzen pro Jahr drei Ideen um, in die wir unsere ganze Energie reinstecken“, so Tiggelkamp. „Andere gute Ideen machen wir nur, wenn deren Umsetzung und der Aufwand bereits geklärt sind.“ Der vierköpfige Vorstand harmoniert mittlerweile. „Jeder von uns hat seine Stärken, und wir haben Aufgaben gut auf mehrere Schultern verteilt“, sagt Tiggelkamp, die Rollenverteilung sei klar.

    Etwas langfristig aufbauen

    Aufgaben auch nicht zu spät abzugeben, ist den vier Vorständen wichtig. „Wir wollen nicht bis 80 in den Ämtern bleiben“, sagt Tiggelkamp. Den eigenen Nachwuchs einbinden, das zieht sich wie ein roter Faden durch das Vereinskonzept. Möglich wurde das auch, weil der aktuelle Spitzenspieler Mathis Rosenbaum sich dagegen entschied, den Verein zu verlassen und potenziell höher zu spielen. „Hier in Meerbusch habe ich die Möglichkeit, selbst etwas aufzubauen“, sagt er. Viermal die Woche gibt der 19-Jährige Jugendtraining und ist bereits jetzt ein Vorbild für alle kommenden Talente – er ist ein Eckpfeiler der Zukunft. Das Ziel: um Rosenbaum eine starke erste Mannschaft mit eigenen Nachwuchsspielern aufbauen. Ohnehin wolle man mit den Erwachsenenmannschaften eine höhere Liga, wie die NRW-Liga, anpeilen, um Talenten eine Perspektive zu bieten. Und Tiggelkamp denkt bereits groß: „In acht Jahren eine eigene Halle samt Bistro, das wäre durchaus drin“, sagt er. Die vier Vorstände lachen gemeinsam darüber – wie vier alte Freunde, die sich auf die kommende Zeit freuen.

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