Mit Stars zur dritten Liga: Der Plan des TSV Schöppenstedt

    19 Spieler in einer Mannschaft: Mit einem Star-gespickten Kader will Regionalliga-Neuling TSV Schöppenstedt die 3. Bundesliga erreichen. Den ganzen Artikel aus der August-Ausgabe des Magazins tischtennis gibt es hier zum Nachlesen.

    Marcos Madrid ist für den TSV Schöppenstedt an Position elf gemeldet (©WTT)
    Marcos Madrid ist für den TSV Schöppenstedt an Position elf gemeldet (©WTT)

    Etwas ausgeufert, gibt Shahid Abdul zu, sei es ja schon. „Auf dem Zettel sehen 19 Spieler in der ersten Mannschaft total verrückt aus“, sagt Abdul, der gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Zhahid die erste Mannschaft des TSV Schöppenstedt managt. Das gemeldete Personal würde für drei volle Mannschaften reichen. Gerade kurz vor Wechselschluss hätten sich noch einige Gelegenheiten geboten, Spieler für die kommende Regionalliga-Saison zu verpflichten. Abdul schlug zu. Und sicherte sich „ein paar Juwelen“.

    Mit Juwelen gespickt ist das Team nun bis hinunter an die unteren Positionen. Zum Beispiel mit dem Portugiesen Joao Monteiro, Doppel-Europameister und mehrfacher Olympionike, gemeldet auf Rang sieben. Oder mit dem Mexikaner und zweifachen Olympia-Teilnehmer Marcos Madrid (Foto), der für Schöppenstedts Spitzenteam an elfter Position gemeldet ist. Sie sind internationale Stars der Szene – und gemeldet bei einem Verein im Osten Niedersachsens, der rund 80 Mitglieder hat und vor sechs Jahren noch in der Bezirksklasse spielte.

    Wer steckt hinter dem „Projekt"?

    Nach sechs Aufstiegen in Folge marschierte die erste Mannschaft des TSV Schöppenstedt auch in der vergangenen Spielzeit ungeschlagen zur Oberliga-Meisterschaft. Fast ausschließlich mit bezahlten Spielern. „Ein Projekt“, so nennt es Shahid Abdul, hinter dem die ganze TSV-Tischtennissparte um Abteilungsleiter Thomas Föniger steht. „Wir haben schon immer versucht, Tischtennis in unserer Region zu entwickeln“, sagt Föniger.

    Als die Abdul-Brüder vor rund sieben Jahren nach Schöppenstedt kamen und die Idee hatten, den Sport etwas professioneller aufzuziehen, stießen sie in der kleinen Stadt im Gemeindeverband Elm-Asse auf fruchtbaren Boden. „Die Brüder kommen nicht aus dem Ort, sie wohnen etwa eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. Aber sie haben eine große Freude daran, sich um die erste Mannschaft zu kümmern“, sagt Föniger. „Und wir sind uns schnell einig geworden, dass wir diesen Weg gemeinsam einschlagen wollen.“

    Die Abdul-Zwillinge sind nicht allein, mittlerweile habe sich ein kleines Team gebildet, das versuche, das Projekt auszubauen. Noch nie zuvor schaffte es die Abteilung in die Regionalliga. Und die Schöppenstedter wollen noch mehr. Um den Aufstieg in die 3. Liga zu ermöglichen, hielt man fast den gesamten Kader aus der Vorsaison – und ergänzte ihn.

    Der Kader wuchs allmählich an

    „Ich wurde auch schon gefragt: Wie kann man nur so viele Spieler melden?“, sagt Shahid Abdul. Wenn er es vernünftig erkläre, würde es allen aber klar werden: Pro Spiel könne er nur einen Nicht-Europäer einsetzen, und die Starspieler hätten ohnehin einen vollen Terminkalender, weswegen sie oft gar nicht spielen könnten. „Und vorausgesetzt, einer der Spieler aus dem europäischen Ausland kann nicht, dann muss auch er ersetzt werden können“, so Abdul. „Also habe ich mindestens zwei, drei Ersatzleute für jede Position gesucht.“

    Nicht alle würden auch eingesetzt. Das hänge vor allem von den Terminen ab und wer dann verfügbar sei. „Es gab schon Sprüche oder negative Dinge, die uns an den Kopf geworfen wurden“, sagt Abdul. „Manche sagen: Oh, ein Söldnerverein. Da ist auch Neid dabei.“ Deshalb habe er angefangen, bereits in den unteren Ligen höherklassige Spieler einzusetzen, um die nächsten sechs Jahre mit derselben Mannschaft zu spielen.

    „Wenn wir nicht mit so extrem guten Leuten gestartet wären und für jede neue Liga zwei, drei Spieler hätte austauschen müssen, dann hätten alle ja recht damit, dass es ein Söldnerverein wäre, der ständig neue Leute verpflichtet.“ Über die Zeit wuchs der Kader. Für die Regionalliga-Saison plant der Verein, eine Stammbesetzung aus zwei polnischen Spielern, einem internationalen Star und einem Deutschen an den Tisch zu schicken. Für wichtige Spiele wolle man auf mehr Stars zurückgreifen.

    „Alle Spieler kommen gern hierher“

    In Spielerkreisen habe sich der TSV Schöppenstedt einen guten Ruf erarbeitet, gerade bei polnischen Akteuren. Mittlerweile würden die Spieler selbst beim Verein anfragen, etwa über Instagram und Facebook. „Manche erhoffen sich dadurch, in deutschen Ligen Fuß zu fassen“, sagt Abteilungsleiter Föniger. Oder sie hätten Spaß daran, in Schöppenstedts großem Kader zu spielen. „Alle Spieler kommen gern hierher“, sagt auch Abdul. „Sie werden hier gut verpflegt, wir kümmern uns um Appartements, Essen und die Reisen.“

    Für die Zukunft erhoffen sich die Schöppenstedter, genug Strahlkraft zu entwickeln, dass junge Spieler und Talente aus der Umgebung kommen wollen. „Mit Michael Orhan haben wir das schon geschafft“, freut sich Abdul. Der 25-Jährige wechselte vom TuS Celle nach Schöppenstedt und soll möglichst oft eingesetzt werden.

    Dass sich bei so vielen Spielern die Frage stellt, wo das Geld dafür herkommt, ist Abdul bewusst. Alles laufe über Sponsoren, der Hauptverein hinter der Tischtennisabteilung sei zurückhaltend. Momentan werde sehr viel von der Firma getragen, die Abdul und seinem Zwillingsbruder gehört. Mit dem Verein sei ein Sponsorenvertrag geschlossen worden, eine saubere Abwicklung sei allen Beteiligten wichtig gewesen, so Abdul. Finanziell stemmbar sei der riesige Kader auch, weil alle Spieler nur bezahlt werden, wenn sie auch eingesetzt werden.

    Möglich ist das, weil bis zur Regionalliga auch Aktive spielberechtigt sind, die gleichzeitig bei anderen Vereinen im Ausland aktiv sind. Aber: Sollte der TSV Schöppenstedt nicht Meister werden, müssten sie die Relegation spielen, um aufzusteigen. „Und wenn man dann gegen eine Drittliga-Mannschaft spielt, gelten die Regeln des DTTB. Das heißt, wir dürften in der Relegation niemanden einsetzen, der während der Saison für einen anderen Verein gespielt hat“, sagt Abdul. Ein weiterer Grund, warum er sich mit möglichst vielen Spielern absicherte, um direkt die Meisterschaft anzupeilen.

    Immer größer, immer mehr – das wird für den Kader spätestens ab der 3. Liga, in der kein Mehrfachspielrecht mehr gilt, nicht mehr funktionieren. Außerdem kommen in den Bundesligen weitere Bestimmungen dazu. Die bisherige Halle ist mit 400 Lux zu schwach beleuchtet. Abhilfe könnte eine andere Halle im Ort schaffen. Aber damit sie überhaupt benötigt wird, müssen die Schöppenstedter Stars die Meisterschaft erst mal gewinnen. „Sollte terminlich alles klappen, schaffen wir den ersten Platz“, ist Abdul überzeugt. 

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    Magazin-Redaktion (1. September 2026): Vielen Dank für die Hinweise und Anregungen in den Kommentaren. Bei diesem Text handelt es sich um einen Beitrag aus der August-Ausgabe (Erscheinungstermin: 6. August 2026) des Magazins tischtennis. Inwiefern die im Artikel erwähnten Personen an dem Vorfall mit einer Machete beteiligt waren, war der Redaktion zum Zeitpunkt des Erscheinens nicht bekannt. Wie im Juli öffentlich wurde, sperrte das Sportgericht des niedersächsischen Verbands TTVN zwei Spieler des TSV Schöppenstedt für zwei Jahre. Wäre der Redaktion damals bewusst gewesen, dass diese Spieler in direktem Zusammenhang mit der ersten Mannschaft stehen, hätte sie einen entsprechenden Hinweis in den Beitrag aufgenommen.

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