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    Magazin: Koharu Itagaki – die Spiel-Leserin

    Koharu Itagaki ist amtierende U15-Welt und -Europameisterin. Im Alter von 16 Jahren steht sie auf dem Sprung in die Damen-Nationalmannschaft. Was zeichnet Itagaki aus? Wie vereinbart sie Sport und Schule? Das Magazin tischtennis hat das Talent in Bad Königshofen besucht.

    Einer der schönsten Siege von Koharu Itagaki im vergangenen Jahr: Der Triumph im EM-Finale der Mädchen 15 in Ostrava. (© ETTU)

    Der Return in die weite Vorhand sitzt, Cocona Muramatsu erreicht den Ball gerade so mit langem Arm, bringt ihn hoch und halblang zurück auf den Tisch. Der Weg für Koharu Itagaki ist frei. Sie schießt. Muramatsu wehrt ab. Itagaki schießt nochmal. Muramatsu pariert erneut mehrere Meter hinter dem Tisch. Beim dritten Schussversuch stimmt Itagakis Timing nicht, der Ball landet im Netz.

    Koharu Itagaki sinkt in eine tiefe Hocke, nimmt den Schläger vor das Gesicht, schaut etwas beschämt zur Seite. War es das? Sie befindet sich im Halbfinale der Jugend-15-Weltmeisterschaften 2025 im rumänischen Cluj. Eigentlich hat Koharu Itagaki ihr Ziel schon erreicht, es unter die besten vier Schülerinnen der Welt zu schaffen. Aber wann hat man schon mal die Chance, in ein WM-Finale zu kommen?

    Es sieht nicht gut aus, die Deutsche liegt im entscheidenden siebten Satz 0:2 zurück. Kein aussichtsloser Rückstand, aber vor allem mental nach solch einer vergebenen Chance schwer verkraftbar. Time-Out. An der Bande sitzt Jie Schöpp, die erfahrene Bundestrainerin. Sie weiß, dass sie ihren Schützling jetzt aufrichten muss, um noch eine Chance zu haben gegen die Japanerin.

    „Koharu kam an die Bande mit Tränen in den Augen“, erzählt Schöpp. Die frühere Weltklasse-Abwehrspielerin baut Itagaki auf, sagt aber auch, dass sie mutiger agieren müsse. Dann passiert, was man Itagakis Auftritten von außen oft nicht ansieht. „Sie hat das negative Gefühl weggesteckt und selbst gemerkt, dass sie mit mehr Risiko spielen muss“, sagt Schöpp.

    Der Punkt nach der Auszeit geht an Itagaki, sie liegt dann noch mal 1:4 und 4:6 hinten. Beirren lässt sie sich nicht. Sie spielt ihre Taktik konsequent weiter, agiert eine Spur aggressiver. Itagaki gewinnt den Satz 11:7 und zieht ins WM-Finale ein. Der Erfolg über Muramatsu zeigt wie unter einem Brennglas, was Itagaki ausmacht – in der Box und daneben.

    Die Brüder als Trainingspartner

    Es ist ein sonniger Februar-Tag. Böiger, kühler Wind weht durch die Henneberger Straße im Norden der bayerischen Kleinstadt Bad Königshofen. Im Shakehands-Trainingszentrum des TTBL-Klubs geht es heute Nachmittag ruhig zu, das Schuhregal vor der Halle ist fast leer. Bilder aus der TSV-Vergangenheit und -Gegenwart zieren den Flur. Im Trainingszentrum selbst, das künftig weiter modernisiert werden soll, herrschen gute Trainingsbedingungen – roter Boden, gutes Licht, Klimaanlage. Koharu Itagaki dehnt ihren Schulterbereich an der holzverkleideten Wand. Hier trainiert die Weltmeisterin. Der Schläger, der auf dem Tisch liegt, ist der, mit dem sie schon fast ihr gesamtes Leben spielt. Ein schlichtes Butterfly-Holz Petr Korbel mit der kurzen Noppe „Impartial XB“ auf der Rückhand sowie einem Dignics 05 (vorher Tenergy 05) auf der Vorhand. Mit der Rückhand lenkt sie das Spiel, bereitet vor, mit der Vorhand geht sie aggressiv drauf.

    Wenig später betritt Akito Itagaki die Halle. Der Spieler des Drittligisten DJK SpVgg Effeltrich ist nicht nur ihr Bruder, sondern an diesem Tag auch ihr Trainingspartner. „Heute ist kein Gruppentraining“, sagt Koharu und nimmt ein Pad, mit dem sie sich die Hände wärmt, von der einen in die andere Hand. Im Januar ist sie 16 geworden, sie wirkt etwas müde nach WTT-Turnieren in Tunesien und einem DTTB-Lehrgang in Düsseldorf.

    Das viele Reisen, das Training, die Wettkämpfe, parallel die Schule – für die Top-Nachwuchsspieler ist das Alltag. Seit Jahren trainiert sie beinahe täglich, etwa 2,5 Stunden. Seit September ist verstärkt Athletiktraining hinzugekommen. So richtig angefreundet hat sich Itagaki mit dem Gewichtstemmen noch nicht, „aber ich merke, dass es mir auch guttut“.

    Mit Cleverness ausgleichen

    „Koharu war schon von klein auf ein ehrgeiziges Kind und fleißig“, sagt ihr Vater Koji Itagaki, seit einem Jahrzehnt Headcoach in Bad Königshofen. Als die Familie 2016 aus Iwate im Norden Japans nach Deutschland kam, war Koharu sechs. Ein halbes Jahr später fing sie mit regelmäßigem Training an. „Aber damals hat sie es gehasst“, gibt Koji Itagaki zu. Heute bleibe sie schon mal allein in der Halle, um noch eine Athletikeinheit zu absolvieren, sagt der Vater.

    Koharu Itagaki baut ein Tablet wenige Meter hinter dem Tisch auf, jede Einheit wird mitgefilmt. Dann beginnt das Einspielen. Alles eher klassische und nicht allzu lange Übungen. Zwei Bälle aus Rückhand mit Vorhand, zwei Bälle aus Vorhand mit Vorhand; Rückhand aus Rückhand, Vorhand aus Mitte; oder Rückhand-Rückhand und plötzlich der Wechsel in die weite Vorhand. Itagaki muss antizipieren und sich strecken, wenn ihr Bruder sie dort anspielt. „Ich wäre gerne größer und hätte gerne längere Arme“, sagt sie. Die fehlende Reichweite ist ein Nachteil, den sie mit Cleverness kompensieren muss.

    Ihre Eltern stehen in der Halle, sie wechseln immer mal ein paar Worte zwischen den Übungen. Auf Japanisch. Papa Koji sage bei Wettkämpfen die taktischen Dinge an, Mama Shinobu sei eher eine mentale Unterstützung. Mutter und Tochter spielten sogar zwei Saisons zusammen, in der Verbandsoberliga und Oberliga Bayern beim TSV Bad Rodach. Da war Koharu gerade zehn Jahre alt.

    Mit sieben nahm sie an den mini-Meisterschaften teil, wurde mit acht in Trier Bundessiegerin. Es ist Usus, dass die mini-Bundessieger anschließend zu einem Doppel mit zwei Profis antreten dürfen. Koharu, die damals kaum über den Tisch schauen konnte, spielte mit 1,93-Meter-Mann Fanbo Meng. Später hielt ihr Chantal Mantz die Hand zum Abklatschen hoch. Es war ein lustiger Moment, als die kleine Koharu versuchte, die Hand am gestreckten Arm zu erreichen. Dass Mantz dem Dreikäsehoch fünf Jahre später im Doppel-Halbfinale der Deutschen Meisterschaften zum Sieg gratulieren würde, hat die Bundesligaspielerin an dem Tag in Trier sicher nicht erwartet.

    Taktisch schnell anpassungsfähig

    Bei der DM in Nürnberg hatten Itagaki und Josephina Neumann, damals beide 13, sensationell das Finale erreicht und im Halbfinale eben jene Chantal Mantz sowie Yuan Wan bezwungen. Im gleichen Jahr debütierte sie für Jena in der 1. Bundesliga. Damals trug sie noch eine Brille, heute nutzt sie Kontaktlinsen. Wenige Monate später wurde Itagaki an der Seite von Mixed-Partner Daniel Rinderer in Erfurt mit 14 Jahren und 141 Tagen die jüngste Deutsche Meisterin aller Zeiten und löste die bisherige Rekordhalterin Nicole Struse ab. Seit 2024 ist sie beim TSV Dachau in Oberbayern Stammspielerin und Teamkollegin von Sabine Winter.

    Wenn man den Papa nach den Stärken seiner Tochter am Tisch fragt, erzählt Koji Itagaki folgende Anekdote von den mini-Meisterschaften: „Sie hat gegen eine Linkshänderin gewonnen, obwohl sie zunächst deutlich zurücklag. Nach dem Spiel fragte ich sie, wie sie das geschafft habe. Sie sagte, sie habe beobachtet, wo ihre Gegnerin stand, und ihre Taktik geändert.“ Koji Itagaki ist überzeugt, dass man „technische Fertigkeiten“ durch Training erwerben kann, aber die Fähigkeit, zu denken und die Gegner zu studieren, ließen sich im Training nicht so leicht aneignen. Bei Koharu Itagaki scheint sie angeboren.

    Jie Schöpp, die Itagaki vier Jahre als U15-Bundestrainerin begleitet hat, nennt sie „Spielleserin“: „Sie hat einen guten Kopf, ist clever, sehr anpassungsfähig, kann schnell analysieren und lässt sich nicht von unnötigen Emotionen beeinflussen.“ Attribute, die Nährboden für eine erfolgreiche Karriere im Sport sein können. „Koharu ist bescheiden, bodenständig und beharrlich. Und auch ein Teamplayer“, sagt Schöpp. Wenn man Koharu Itagaki mit dem Lob der Bundestrainerin konfrontiert, ist ihr das unangenehm. Verlegen antwortet sie: „Dazu möchte ich nichts sagen.“

    Bodenständig und bescheiden

    Spricht man mit Leuten aus Itagakis Umfeld und schaut sich ihre Entwicklung an, sind Bescheidenheit und Beharrlichkeit zwei Säulen, die sich durch ihre Karriere ziehen. Das fordernde Training, auch wenn man mal keine Lust hat. Das ständige Konkurrieren mit anderen. Vergleiche von außen mit Gleichaltrigen oder aktiven Topspielerinnen: Koharu Itagaki geht ihren Weg, bodenständig und bescheiden. „Kontinuierliche Entwicklung“, würden Trainer sagen. Dazu der Ehrgeiz, besser zu sein und zu werden.

    Beispielhaft ist die Jugend-EM 2025 und der Finaltriumph über Hanka Kodet. Die Tschechin galt als Nemesis von Itagaki auf europäischer Ebene. Bei ihrer zweiten Jugend-EM, 2023 in Gliwice, unterlag Itagaki im Viertelfinale 9:11 im Entscheidungssatz; ein Jahr später in Malmö im Halbfinale 10:12, erneut im entscheidenden Durchgang. Wenige Monate später verlor Itagaki beim Europe Youth Top 10 8:11, wieder im siebten Satz. Es braucht enorme mentale Stärke, um aus solch einem Dilemma zu kommen und eine solche Serie zu durchbrechen.

    2025 in Ostrava war es so weit. Kodet und Itagaki trafen sich im Endspiel, die Deutsche hatte sich wieder eine Taktik zurechtgelegt – und gewann mit 4:2 Sätzen. Die Bilder, wie Itagaki im Anschluss vom DTTB-Nachwuchsteam gefeiert wurde, gingen viral. „So sehen Sieger aus“, intonierten ihre DTTB-Mitstreiter, sie tanzten und bildeten einen Kreis um Itagaki. „Das war sehr, sehr schön, aber auch ungewohnt für mich, so gefeiert zu werden“, sagt sie. „Für mich sind alle Titel schön, aber der bei der Jugend-EM war schon sehr besonders, weil ich zuvor öfter gegen Hanka verloren hatte.“

    So gut kennen wie niemand sonst

    Eine Person, die Koharu Itagaki wohl so gut kennt wie sonst niemand, ist ihr Zwillingsbruder Kazuto. Sie wuchsen Seite an Seite auf. „Wir haben viel gespielt, aber auch gestritten. Wir waren aber immer gegenseitig da“, sagt Koharu. Kazuto ist ihr Lieblingstrainingspartner, spielt in der Regionalliga-Mannschaft des TSV Bad Königshofen und gehört dem NK1-Kader des DTTB an. „Sie hat sich den Erfolg absolut verdient“, sagt er über seine Schwester. „Ich erlebe es ja fast jeden Tag, wenn wir trainieren.“ Generell seien die Zwillinge unterschiedlich. „Sie ist sehr nett, sehr schüchtern und sehr intelligent, viel schlauer als ich“, betont Kazuto.

    Als schüchtern beschreibt sich auch Koharu Itagaki selbst. „Gerade, wenn ich in eine neue Umgebung komme, zum Beispiel eine neue Mannschaft“, sagt sie. Die 16-Jährige fühle sich in kleineren Gruppen mit wenigen und ihr bekannten Personen deutlich wohler. Das bestätigt auch Elisa Nguyen. Die Weinheimerin, Kolbermoors Lisa Wang und Itagaki haben eine WhatsApp-Gruppe zusammen, sind Freundinnen, aber auch Nationalteamkolleginnen und Konkurrentinnen. „Koharu ist äußerlich sehr ruhig und zurückhaltend“, sagt Nguyen.

    „Aber unter Freunden ist sie relativ extrovertiert. Sie hat Humor, redet viel mehr, wenn wir zusammen sind.“ Bei gemeinsamen Telefonaten schlafe Itagaki manchmal ein, erzählt Nguyen. Nicht, weil sie gelangweilt sei, sondern einfach müde. Das Pensum ist hoch.

    50 Prozent des Unterrichts verpasst

    Koharu Itagaki besuchte zunächst den Kindergarten, als die Familie nach Deutschland übersiedelte. An die Anfangszeit in Japan hat sie nur wenige Erinnerungen, im Sommer reist sie mit der Familie stets vier Wochen dorthin zu Verwandten. Koharu geht in die 10. Klasse des Gymnasiums Bad Königshofen. Das liegt nur wenige hundert Meter von der Trainingshalle entfernt. 50 Prozent des Schulunterrichts verpasst sie wegen Turnieren und Lehrgängen. Die Lehrer wissen das, erhalten frühzeitig einen Plan. „Sie drücken manchmal ein oder auch zwei Augen zu“, sagt Itagaki. Für Projektarbeiten hat sie oft mehr Zeit, Klausuren schreibt sie nach. Ihre Freundinnen in der Schule unterstützen sie, schicken ihr regelmäßig den Schulstoff, den sie dann auch mal im Hotelzimmer in Doha oder auf Bahnfahrten nach Düsseldorf durchgeht.

    Ihre Noten sind gut, aber sie muss ackern, vor allem in Latein, Mathe, Deutsch. „Eigentlich überall“, schmunzelt sie. „Ich bin keine Einser-Schülerin. Es ist nicht einfach, den Stoff allein zu lernen, wenn du nicht am Unterricht teilnimmst, keine Fragen stellen kannst. Ich weiß, dass ich nicht so leicht eine Eins schreiben kann, daher bin ich mit einer Zwei zufrieden“, sagt sie und ergänzt lächelnd: „Aber ich wäre schon gerne besser.“ Das klingt typisch für Koharu Itagaki. Sie hat den Ehrgeiz, in Schule und Sport top zu sein. „Ich bin schon sehr perfektionistisch“, sagt sie. Nicht gut, sondern sehr gut ist ihr Anspruch. Sie denkt viel über sich nach. „Es ist nicht mehr so schlimm wie früher, ich bin nicht mehr so streng mit mir. Ich glaube nicht, dass man alles perfekt machen und nicht alles so haben kann, wie man es will.“

    Perfektionistisch und nach dem Höchsten streben

    Was in ihrem Leben gar nicht funktioniert, ist Spontanität. Sich mal kurzfristig mit einer Freundin treffen – das geht nicht. „Ich muss alles planen“, sagt Itagaki. Die Nachmittage sind tabu, erst Training, am Abend Schule, Hausaufgaben und Lernen. Sie versucht, möglichst wenig am Handy zu sein. Wenn sie mal frei hat, was selten vorkommt, sieht ein perfekter Tag für sie so aus: lange schlafen, in Ruhe frühstücken, spazieren gehen, mit Freundinnen treffen. Sie hört gern Musik, viel japanische oder auch koreanische Popmusik. Musik gebe ihr auch vor den Matches positive Energie, erzählt Itagaki.

    „Das mit dem Perfektionismus kann ich bestätigen. Trotzdem finde ich es bemerkenswert, dass sich die anderen Mitmenschen dadurch nicht unwohl fühlen“, sagt ihr Zwillingsbruder Kazuto. Koharu hat ein hohes Standing, sie betont, dass die Unterstützung von Schule und Freundinnen nicht selbstverständlich sind. „Es gibt bestimmt auch Schüler, die sagen, dass es unfair ist mit meiner Sonderbehandlung. Aber bei meinen Freunden ist das nicht so und in der Klasse habe ich das noch nicht festgestellt.“

    Wer nach dem Höchsten strebt, der muss auch mit Niederlagen umgehen lernen. Von denen hat auch eine Welt- und Europameisterin einige. „Danach bin ich erstmal traurig und frustriert. Ich brauche Zeit, bis ich das aus dem Kopf kriege“, sagt Itagaki. Sie geht aber schnell in die Analyse, schaut sich das Spiel noch mal an, überlegt, was nicht so gut war und was sie ändern will beim nächsten Aufeinandertreffen.

    „Ich versuche, positiv zu bleiben. Dann rede ich noch mit meinen Eltern und Freunden und dann geht das“, sagt sie. Wenn sie Spiele verliert, die sie hätte gewinnen müssen oder wo sie ihr Niveau nicht ausgeschöpft hat, kann sie schon sauer werden. Im Januar bei den WTT-Turnieren in Doha war das der Fall. „Ich lasse meine Wut nicht an meinem Schläger oder an anderen Leuten aus. Ich versuche zu analysieren, warum ich so frustriert bin.“

    Konzentrationsfähigkeit als eine der Stärken

    Wie bei vielen Topsportlern schwingen Zweifel mit. Sie versucht, diese wegzudrücken. Im Spiel könne sie sich Zweifel nicht leisten. „Dann verliere ich schnell Punkte und das Spiel kippt. Ich versuche, durchzuatmen und weiter an meiner Taktik festzuhalten.“ Eine Stärke Itagakis ist ihre Konzentrationsfähigkeit, im Hier und Jetzt zu sein, am Tisch das zu tun, was angezeigt ist.

    Ungeduldig ist sie nur im Alltag, etwa wenn sich der Bus verspätet. Im Spiel, zum Beispiel gegen Abwehr, spielt sie stoisch die Bälle weiter auf den Tisch. „Sie ist schon eine sehr besondere Spielerin“, sagt Jie Schöpp. Die Bundestrainerin hofft, dass Itagaki sich ihre Bodenständigkeit und Bescheidenheit bewahrt. „Koharu weiß auch, dass sie sich technisch weiterentwickeln muss, um bei den Damen Fuß zu fassen“, betont Schöpp. Die Beinarbeit ist zum Beispiel ein Thema. Itagaki holt sich Inspiration von Topspielerinnen wie Sun Yingsha oder Mima Ito, schaut viele Videos.

    Knappe Sätze entscheiden

    Wieder zurück in Cluj bei der Jugend-WM: Koharu Itagaki steht im Endspiel. Nach WM-Bronze 2024 wieder ein Stückchen weiter und „mehr als ich erwartet habe. Im Finale hatte ich keinen Druck.“ Es geht gegen Zhu Qihui aus China. Ein völlig anderes Spiel als gegen die Japanerin im Halbfinale, Itagaki schafft es, die knappen Sätze für sich zu entscheiden. Jie Schöpp erzählt, dass sie alles verstehen konnte, was die gegnerische Trainerin während der Satzpausen gesagt hat. „Ich wusste, die Chance war da, weil sie nicht wirklich eine Taktik gefunden haben.“

    4:2, U15-Weltmeisterin 2025: Koharu Itagaki. Solche Erfolge ausgiebig zu feiern sei „nicht möglich“. Dazu ist sie auch nicht der Typ. Koharu Itagaki freut sich, „aber ich denke nicht groß daran, was gewesen ist, sondern versuche, mich auf das nächste Turnier zu fokussieren.“ Ein großes Ziel aber schwirrt ihr im Kopf herum: die Olympischen Spiele. Mit jedem Training, mit jedem Tag möchte Itagaki diesem Traum näherkommen. Bodenständig, beharrlich und bescheiden.

    (Text: Florian Leidheiser)

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