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    Magazin: Bodo Gesches spätes Glück

    Bodo Gesche kam erst mit knapp 60 Jahren zum Tischtennis und kletterte in der Folge auf einen TTR-Wert von 1600. Aus seiner Zeit als erfolgreicher Leichtathlet brachte der Rheinländer nicht nur Fitness mit – sondern auch Zielstrebigkeit. Ein Magazin-Text in voller Länge.

    Erfolgreich auch im Turniersport: Bodo Gesches Ziel ist die Senioren-DM. (© Gesche/privat)

    Vielleicht, sagt Bodo Gesche, sei er die Sache auch ein bisschen naiv angegangen. Damals, im Frühjahr 2018. Gesche war zu jener Zeit Anfänger. Knapp ein Jahr zuvor war er ins Vereinstraining eingestiegen. Kürzlich hatte er seine erste Halbserie im Punktspielbetrieb abgeschlossen. In der untersten Liga. Im Training schaute sich Gesche die besten Spieler seines Vereins an. „Die hatten damals um die 1600 TTR-Punkte“, erinnert er sich. „Die spielten schon gut. Aber ich habe mir gesagt: Da willst du auch hin.

    So weit, so gewöhnlich für jemanden, der neu in eine Sportart kommt und etwas erreichen möchte. Ungewöhnlich war nur Gesches Alter, als er seinen Entschluss fasste: Er war bereits 60 Jahre alt. 1600 – die Zahl sollte den Spieler des SC Fliesteden, ein Klub aus dem Kölner Umland, in den folgenden Jahren begleiten. Bis in den vergangenen Winter. Fast acht Jahre, nachdem sich Gesche sein ambitioniertes Ziel gesetzt hatte, sammelte er Anfang November die letzten fehlenden Punkte – und kletterte über die 1600-Punkte-Marke.

    „Ich habe hart dafür gearbeitet, das zu schaffen“, sagt Gesche, der als Kind zwei Jahre unregelmäßig im Verein gespielt hatte. Als er vor knapp zehn Jahren wieder zum Tischtennis kam, war er zunächst ein klassischer Einsteiger in fortgeschrittenem Alter. Erst spielte er ein Jahr ohne Wettkampf, dann ließ er sich in einer Mannschaft melden. „In der Hobbyliga“, wie er sagt. Zum Training ging er ein- bis zweimal pro Woche. Die Erfolge am Wochenende hielten sich in Grenzen. „Ich hatte vor der Hinrunde 1100 Punkte, und danach immer noch“, sagt er. „Und dann habe ich mir eben gedacht: Komm‘, da muss ein bisschen mehr drin sein.

    Fortan trainierte Gesche häufiger. Erst vier- bis fünfmal pro Woche, später auch bis zu siebenmal. Manchmal auch am Wochenende oder um die Weihnachtstage. „Ich habe einen Hallenschlüssel“, sagt er. „Ich habe mir auch ein paar Gedanken zu meinem Spiel gemacht, mir Videos angeschaut.“ Auf seine Initiative hin engagierte sein Verein einen Trainer.

    Und Gesches TTR-Kurve? Die stieg tatsächlich. Nicht sprunghaft, aber kontinuierlich. Im vergangenen Sommer habe er dann – die 1600-Punkte-Marke schon in Reichweite – „noch mal richtig gut und motiviert trainiert. Ich wusste, dass ich das jetzt schaffen kann.“

    Leichtathletik und Fußball – dann Tischtennis

    Die meisten Spieler beginnen in Gesches Alter mit Tischtennis, weil sie etwas für ihre Gesundheit tun wollen oder wegen der Geselligkeit. Dass Gesche kompetitiver war als viele Altersgenossen, erklärt seine Sportler-Biographie. Als Jugendlicher und junger Erwachsener gehörte er zu den besten 400-Meter-Läufern der Republik. Er wurde Zweiter bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. Mit der 4x400-Meter-Staffel des LAV Bad Godesberg lief er 1976 deutschen Jugendrekord – 3:13,5 Minuten. Später war er Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr, startete bei internationalen Meetings. 1979 lief er persönliche Bestzeit, handgestoppte 46,7 Sekunden. „Danach habe ich stagniert, da kamen auch Verletzungen dazu“, erinnert sich Gesche.

    Mit Mitte 30 endete seine Laufbahn als aktiver Leichtathlet. Was blieb, war eine herausragende Fitness, aber auch die Eigenschaft, sich Ziele zu setzen und auf sie hinzuarbeiten. „Ich habe immer trainiert, um bestimmte Ziele zu erreichen“, sagt Gesche. „Ich kenne das gar nicht anders.“

    Zunächst zog Gesche weiter zum Fußball. „Ich war kein Techniker, aber ich war schnell und hatte Kondition“, sagt Gesche. Viele Jahre war er im Vereinsfußball aktiv, übernahm bei dem Klub in der Nähe seines Wohnorts Bergheim-Glessen sogar für 18 Jahre den Vereinsvorsitz. Als es auch mit dem Fußball weniger wurde, überredete ihn ein Freund, mal mit zum Tischtennis zu kommen. Es war der Startschuss „meiner dritten Sportlerkarriere“. Während der Reise durch mehr als 500 TTR-Punkte kam Gesche seine Fitness zugute. Zudem habe er trotz des vielen Trainings kaum gesundheitliche Probleme gehabt. „Ich bin ohne größere Verletzungen durchgekommen.“ Und das, obwohl sich Gesche nicht schont. „Mein Spitzname ist Maschine. Weil ich immer weiter trainieren kann und nicht schnell müde werde“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Töchtern.

    Weil Gesche frei heraus über seine persönlichen Ziele im Tischtennis sprach, schlug ihm aus der Tischtennis-Gemeinschaft allerdings auch immer wieder Skepsis entgegen. „Der eine oder andere, der schon länger dabei war und selbst mit seinen Leistungen irgendwo festhängt, fühlte sich wohl auf den Schlips getreten“, sagt Gesche. „Mich hat das eher amüsiert und auch motiviert.“

    Noch sieht Gesche Verbesserungspotenzial

    Die 1600 Punkte hat er geknackt. Doch es würde nicht zu Bodo Gesche passen, wenn er nun weitermachte, ohne sich neue Ziele zu stecken. „Ich habe mir vorgenommen, auch noch die 1700 Punkte zu erreichen“, sagt der 68-Jährige. „Aber danach werde ich nicht mehr so streben wie nach den 1600.“ Außerdem möchte sich Gesche im kommenden Jahr für die Deutschen Seniorenmeisterschaften in der Altersklasse 70 qualifizieren. „Danach dann in der Ü75 und der Ü80“, sagt Gesche, der in der bevorstehenden Saison nur noch in der 2. Bezirksliga antritt. „Da werde ich oft Favorit sein. Dann spiele ich oft zu zaghaft und verkrampft. Daran muss ich noch arbeiten“, sagt er.

    Seinen Aufschlag und seine Annahme habe er zuletzt verbessert. „Bei kleinen tischnahen Schritten habe ich noch Probleme“, sagt Gesche. Auch umspringen würde er zu selten. „Das sind schon Sachen, die ich noch verbessern möchte.“ Gleichzeitig fragt sich Gesche, was möglich gewesen wäre, wenn er früher angefangen hätte. „Meine Leichtathletik-Karriere bereue ich nicht. Aber ein bisschen ärgere ich mich schon, dass ich nicht zehn Jahre früher zum Tischtennis gekommen bin. Wer weiß, was dann noch möglich gewesen wäre.“

    Letztens, erzählt Bodo Gesche noch, habe ihm ein Freund für ein Training abgesagt. Er habe geantwortet, dass er das Training eigentlich gut hätte gebrauchen können. Er wolle schließlich die 2000-Punkte-Marke nicht aus den Augen verlieren. Gesche lacht. „Das sollte aber ein Scherz sein.“

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