Zwei World-Cup-Titel! Flemming: “Man wird nicht jünger”

    Im vergangenen Jahr bejubelte Alexander Flemming in China noch einen Titel-Hattrick. Beim diesjährigen Classic Table Tennis World Cup in Brasilien sprangen für den Clickball-Pionier zwei Goldmedaillen in zwei von vier unterschiedlichen Wettbewerben heraus.

    Alexander Flemming war auch in Brasilien kaum zu stoppen. (© privat)

    Im myTischtennis.de-Interview spricht der 38-jährige Zweitligaspieler des TV Hilpoltstein, der Leipziger gilt unter dem Namen „The Flash“ seit Jahren als der beste Sandpapierspieler der Welt, über sein Abschneiden beim wichtigsten Jahres-Event in Südamerika (18. bis 25. Januar), extreme Bedingungen und besondere Erlebnisse vor Ort sowie seine sportliche Zukunft.

    myTischtennis.de: Alex, hast du noch mit Jetlag zu kämpfen oder konntest du dich schon von den Strapazen der letzten Woche erholen?

    Alexander Flemming: Ich bin erst am Dienstagmorgen in Frankfurt gelandet und gegen 11 Uhr zu Hause angekommen. Hinter mir liegen ein paar intensive und anstrengende – aber vor allem großartige – Tage in Brasilien.

    myTischtennis.de: Zum Gold-Hattrick hat es diesmal nicht gereicht. Sportlich lief es dennoch wieder sehr erfolgreich. Herzlichen Glückwunsch zu zwei Titeln! Wie zufrieden bist du mit deinem Abschneiden?

    Alexander Flemming: Sehr zufrieden. Im Sandpapier konnte ich meinen Titel verteidigen und meiner Favoritenrolle gerecht werden. Mit purem Holz habe ich zum zweiten Mal gewonnen. Im Hardbat sprang am Ende ein guter dritter Platz heraus. Am letzten Tag gab es noch einen normalen Tischtennis-Wettbewerb, der für mich schwieriger war. Die Umstellung fiel mir nicht so einfach wie meinem Gegner mit Kurznoppe. Im Viertelfinale war hier leider Schluss. Trotzdem war das eine richtig coole Veranstaltung mit vielen Nationen – die Brasilianer sind total ping-pong-verrückt, das war alles sehr gut aufgezogen.

    myTischtennis.de: Besonders beeindruckend: In den beiden Wettbewerben, die du gewonnen hast, hast du keinen einzigen Satz verloren.

    Alexander Flemming: Ja, das ist schon herausragend. Ich habe beide Finals gegen Anton Andersen gespielt. Im Hardbat hat er wiederum ohne Satzverlust gewonnen – da hatte ich ehrlich gesagt keinen Zugriff. Er spielt im wahren Leben einen griffigen Anti-Topspin und eine Noppe, und damit hat er mich richtig fies runtergespielt. Das war am Ende der ausschlaggebende Punkt.

    Gute Laune bei der Siegerehrung. (© privat)

    myTischtennis.de: Sandpapier und „Brett“ liefen bei dir dagegen ziemlich glatt.

    Alexander Flemming: Absolut. Das sind auch die Disziplinen, auf die ich mich am besten vorbereite. Meine Frau spielt mittlerweile selbst sehr gut Sandpapier, wir haben in den Tagen vor dem Abflug wahnsinnig viel trainiert. Das hat sich definitiv gelohnt. Wir hatten in der Woche zuvor noch ein Ligaspiel, danach habe ich bewusst alles andere etwas zurückgefahren – auch die Tischtennisschule – und den Fokus stärker auf mein eigenes Training gelegt.

    myTischtennis.de: Ein Video eines spektakulären Hechtsprungs von dir ging schon viral. Perfekte Körperbeherrschung?

    Alexander Flemming: Ja, ums Netz herumgelegt, auf die Kante. Das sah gut aus, aber meine Hüfte tut immer noch ein bisschen weh (lacht).

    myTischtennis.de: Gab es neben dem Turnier auch Zeit, etwas vom Land zu sehen?

    Alexander Flemming: Zum Glück ja. Ich war zum ersten Mal im Süden Brasiliens. Wir haben einen Nationalpark besucht, und ich bin von einer 140-Meter-Plattform an einem Seil in die Tiefe gesprungen – so eine Art Bungee-Jumping an einem Wasserfall. Das war schon ein Erlebnis. Wenn man zwischendurch einen freien Tag hat, sollte man solche Sachen einfach mitnehmen, um das Land ein wenig kennenzulernen.

    myTischtennis.de: Hat sich der Turniermodus im Vergleich zu den Vorjahren verändert?

    Alexander Flemming: Das Grundprinzip ist gleichgeblieben. Letztes Jahr ging es in Macao los mit Clickball beziehungsweise Sandpapier, Pure Wood und Hardbat los – so war es diesmal auch. Ein Tag Senioren und Jugend, dazu eine Amateurklasse, am zweiten Turniertag dann die offene Klasse für alle.

    myTischtennis.de: Die Umstellung fiel dir 2025 in China noch schwer. Wie war es diesmal?

    Alexander Flemming: Deutlich besser. Wir hatten einen Tag mehr Zeit als im Vorjahr, aber die Bedingungen waren hart. In der Halle über 40 Grad, nicht klimatisiert, eine Außentemperatur von 38 Grad. Das war echt unangenehm. Man hat so schon kaum ein Gefühl für den griffigen Belag. Dazu war es teilweise feucht. Dann kannst du es vergessen. Ich habe auch vor Ort nicht mehr so viel trainiert, weil ich nicht mehr der Jüngste bin und mich von den Strapazen des Vortags erholen musste (lacht).

    "The Flash" und sein Brett. (© privat)

    myTischtennis.de: Mit dem Slowaken Lubomir Pistej war auch ein bekannter Profi am Start. Wie hast du ihn erlebt?

    Alexander Flemming: Er war früher schon in London im „Ally Pally“ dabei, hatte dann aber den Fokus mehr auf Tischtennis gelegt. In Brasilien war er jetzt zum ersten Mal wieder dabei. Im klassischen Tischtennis hat er gewonnen, in den anderen Wettbewerben lief es nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hatte.

    myTischtennis.de: Du reist mittlerweile mit Betreuer an. Eine wichtige Unterstützung?

    Alexander Flemming: Enorm. Andreas Neste kommt ursprünglich aus Castrop-Rauxel, ist bei jedem Heim- und Auswärtsspiel mit Hilpoltstein dabei und fliegt inzwischen auch zu den Ping-Pong-Turnieren mit. Er kümmert sich um alles drumherum, gibt mir Tipps, erledigt Besorgungen. Das nimmt mir unglaublich viel Arbeit ab.

    myTischtennis.de: Wie sah es beim Preisgeld aus? In Macao hattest du noch 35.000 US-Dollar mit nach Hause genommen.

    Alexander Flemming: Das war diesmal etwas kleiner. Pro gewonnenem Turnier gab es 5.000 US-Dollar, insgesamt waren es rund 11.000. Später im Jahr steht noch ein Turnier in Macao an, da wird es wieder mehr. Für den Sommer gibt es schon eine lose Einladung für ein separates, größeres Event – noch nichts Konkretes, aber sehr spannend. Dazu kommt noch eine deutsche Meisterschaft im Clickball. Dann müssen wir schauen, wie es mit dem Tischtennis weitergeht.

    myTischtennis.de: Blicken wir nach vorne: Wie sehen denn deine sportlichen Pläne für die Zukunft aus?

    Alexander Flemming: Ich bin jetzt 38 – und es wird nicht einfacher. Ich werde weiterhin zweite Liga spielen, solange die Ergebnisse passen, und versuchen, das so lange wie möglich zu ziehen. Die bayerischen Meisterschaften habe ich leider wegen der Ping-Pong-WM verpasst. Ich weiß nicht, ob ich noch einen Platz für Erfurt bekommen würde. Ob ich überhaupt noch einmal bei deutschen Meisterschaften antrete, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Nach dem erfolgreichen letzten Jahr wäre das vielleicht sogar ein guter Abschluss. Dazu kommt mein Neffe, den ich begleitete und der auch international spielt – das müssen wir alles in den Turnierkalender einbauen. Schauen wir mal, was noch kommt.

    Alle Infos zum World Cup findet ihr auf der Turnierseite.

    Sein Betreuer Andreas Neste. (© privat)

    1 Kommentar

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