Höher, größer, verrückter: 4er-Tisch-WM feiert Comeback

Ein Tisch viermal so groß wie gewöhnlich, ein Netz mit über 30 Zentimetern Höhe und Ballwechsel mit noch mehr Power und Dynamik: In Heilbronn trafen sich am Wochenende vom 10. bis 12. Juli 2026 knapp 190 Spieler aus sechs Nationen zum Comeback der 4er-Tisch-Weltmeisterschaft.

Was in den 90er-Jahren zunächst als Spaß begonnen hat, ist mit der Zeit Ernst geworden: Die Rede ist vom sogenannten 4er-Tisch. Bei dieser Trendsportart wird, wie der Name schon vermuten lässt, auf vier zusammengestellten Tischtennistischen gespielt. Zwar erinnert vieles an klassisches Tischtennis, doch durch die größere Spielfläche, das höhere Netz und die Regel, dass der Ball zweimal aufspringen darf, entsteht ein völlig neues Spielgefühl. Es wird Strecke zurückgelegt und die Bälle werden mit mehr Rotation und in höheren Flugkurven gespielt. Spektakuläre Aktionen gehören hier zum Standard. Aus der anfänglichen Spaßidee entstand nach und nach eine feste Turnierszene. Es wurden die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen, und bis zur Corona-Pandemie standen jedes Jahr mehrere 4er-Tisch-Turniere im Kalender.
Mit der Corona-Pandemie kam die zuvor wachsende 4er-Tisch-Szene jedoch nahezu zum Erliegen. Viele Turniere verschwanden aus dem Kalender, die Weltmeisterschaft wurde nicht mehr ausgetragen. Vor vier Jahren entschloss sich Timo Ort von der TG Böckingen, neuen Schwung in den Sport zu bringen. Es entstanden eine neue Internetpräsenz, weitere Turniere und im vergangenen Jahr sogar eine Europameisterschaft. Mit der Rückkehr der Weltmeisterschaft fand diese Entwicklung nun ihren bisherigen Höhepunkt.
Knapp 1000 Stunden Vorbereitung: Ein Event der Extraklasse
Bereits letztes Jahr begannen die Planungen für das Großevent. Der Ausrichter der hochkarätigen Veranstaltung - die TG Böckingen - ist schon lange in der 4er-Tisch-Szene bekannt. Ihre Abteilung, die Big Bounce Pirates, ist der erste 4er-Tisch-Club in Süd-Deutschland und trainiert jeden Montag im Rahmen lockerer Matches, einem Hauch Systemtraining und richtet sogar ihre eigene Turnierserie, den PiratesCup, aus.
Die Übernahme der Weltmeisterschaft von den Gründern aus Altenkirchen bedeutete für Gesamt-Organisator Timo Ort einen Aufwand von rund 1000 Arbeitsstunden. Bereits im vergangenen Jahr begab Ort sich auf die Suche nach der geeigneten Halle. Und das war keine leichte Angelegenheit: So wird für einen Spielbereich eine Fläche von rund 14 mal 9 Metern benötigt. Hinzu kam der Bau der Netze, die mit ihrer Höhe von rund 32 Zentimetern deutlich größer sind als normale. Auch die Erstellung der Datenbanken, das Schalten von Werbung, die Akquise von den später rund 30 Helfern und die liebevolle Gestaltung von Pokalen und Medaillen gehörten zur guten Vorbereitung.
Doch die Arbeit machte sich bezahlt. Rund 190 Teilnehmer aus 74 Vereinen und sechs Nationen (Deutschland, Frankreich, Niederlande, Polen, Schweden und der Schweiz) fanden sich zum Comeback der 4er-Tisch-WM in Heilbronn ein. Gespielt wurde dabei in mehreren Leistungsklassen - von der U18 über die Ü45 bis hin zu den offenen Klassen A bis D im Einzel und Doppel. Spieler, die in unteren Klassen antraten, bekamen bei offenen Plätzen auch die Möglichkeit, in höheren Klassen mehrfach anzutreten. Die Bilanz des Wochenendes: Rund 290 Starts bei über 700 Spielen, 15 4er-Tische (und damit 60 klassische Tischtennistische) und eine unvergleichliche Atmosphäre über alle Turniertage hinweg.

4er-Tisch-Weltrangliste für mehr Fairness
Bewertet werden die Leistungsklassen, so Ort, nicht nur über den Q-TTR-Wert. So gibt es seit letztem Jahr wieder die 4er-Tisch-Weltrangliste. „Es gibt halt doch Spieler, die keinen Q-TTR-Wert haben. Und man muss das, was sie hier leisten, bewerten können. Es wäre unfair, wenn einer, der keinen Q-TTR-Wert hat, als 4er-Tisch-Profi in der untersten Klasse starten muss."
Punkte sammeln die Spieler auf Turnieren, wobei Welt- und Europameisterschaften stärker gewichtet werden als kleinere Veranstaltungen. Ein Algorithmus sorgt zudem dafür, dass Vielspieler keinen unverhältnismäßigen Vorteil erhalten.
„Die Community ist einfach entspannter“
Auf die Frage hin, was für Timo Ort die 4er-Tisch-Szene einzigartig macht, findet er eine klare Antwort: „Die Community. Beim normalen Tischtennis ist es doch alles sehr ernst. Beim 4er-Tisch sind alle gleich entspannter - man lacht mehr, ein geiler Ball wird mehr gefeiert als alles andere. Die ganze Community ist da einfach viel entspannter drauf." Für ihn ist klar: Die familiäre Atmosphäre gehört genauso zum 4er-Tisch wie die übergroßen Tische selbst.
Dass die Weltmeisterschaft nach ihrer Rückkehr wieder einen festen Platz im Turnierkalender findet, daran besteht für Timo Ort kein Zweifel. Sein Wunsch ist es, dass künftig noch mehr Vereine eigene Turniere veranstalten, mehr Zuschauer den Weg in die Hallen finden und sich auch mehr Frauen an den 4er-Tisch wagen, um noch mehr Vielfalt und Spielstile in den Wettbewerb zu bringen. Die nächste Weltmeisterschaft soll nun wieder im zweijährigen Rhythmus stattfinden und sich künftig mit dem PiratesCup abwechseln.
Informationen zu 4er-Tisch-Turnieren findet ihr auf der Seite von 4er-Tisch.
0 Kommentare
Um einen Kommentar abzugeben, musst du mit deinem myTischtennis.de-Account eingeloggt sein.


