Ärger um Waldner-Cup: Profis erheben schwere Vorwürfe

Eine Topspieler-Riege um Dimitrij Ovtcharov und Hugo Calderano wartet seit über einem Jahr auf das versprochene Antrittsgeld für ihre Teilnahme an dem Prestigeturnier. In einem gemeinsamen Statement erklären die Profis, warum sie sich getäuscht fühlen.

Der Waldner Cup sollte ein besonderes Event werden – eine Art „Tischtennis-Ryder-Cup“, initiiert von Schwedens Ikone Jan-Ove Waldner. Sportlich hielt die Veranstaltung im Dezember 2024, was sie versprach. Hinter den Kulissen jedoch sorgt das Turnier inzwischen für massiven Ärger. Mehrere beteiligte Profis berichten übereinstimmend, dass ihnen bis heute große Teile – teils sogar das komplette Honorar – nicht ausgezahlt wurden. Der Vorwurf: systematische Täuschung durch das Management.
Kein Spieler erhielt das ansatzweise vereinbarte Honorar
Nach Informationen unserer Redaktion hat kein einziger Spieler auch nur annähernd die vertraglich zugesicherten Summen erhalten. Seit mittlerweile über 13 Monaten werden die Betroffenen immer wieder vertröstet. Neue Zahlungszusagen, neue Fristen – doch Geld floss bislang keines. Intern fällt inzwischen ein hartes Wort: Hochstapelei.
„Danach sieht es leider aus. Einige Spieler sind sogar komplett auf ihren Kosten sitzen geblieben, weil sie nicht mal die zugesagten Flugkosten erstattet bekommen haben. Niemand hat nicht einmal zehn Prozent der vereinbarten Summe bekommen“, teilt Dimitrij Ovtcharov mit, der gemeinsam mit Hugo Calderano und drei weiteren Profis schwere Vorwürfe erhebt, die jedoch klar gegen das Management gerichtet sind und nicht gegen Gastgeber Waldner.
Offener Brief an ITTF und WTT
Aus diesem Grund haben der deutsche Nationalspieler und der Brasilianer sowie Manika Batra, Kirill Gerassimenko und Jang Woojin als Spielervertreter einen offiziellen Brief an den Weltverband ITTF sowie an World Table Tennis (WTT) geschickt. Darin wird das Management des Waldner-Cups, vertreten durch Nils Otterstad, direkt adressiert.
In dem Schreiben heißt es (übersetzt):
„Hiermit möchten wir Sie formell darüber informieren, dass das Management des Waldner Cups, vertreten durch Herrn Nils Otterstad, die gegenüber den teilnehmenden Spielern eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt hat. Mehrere Spieler erhielten nicht die vereinbarten Honorare, andere wurden überhaupt nicht bezahlt und bekamen nicht einmal die zugesagte Erstattung ihrer Flugkosten.
Es ist bedauerlich, dass eine Veranstaltung von dieser Bedeutung durch unprofessionelle und unzuverlässige Managementpraktiken negativ beeinträchtigt wurde. Wir bitten die ITTF höflich, diesen Sachverhalt zu prüfen, um dazu beizutragen, dass sich ähnliche Situationen in Zukunft nicht wiederholen.“
Glanzvolle Bühne, dunkle Schatten
Dabei war der sportliche Rahmen des Turniers eindrucksvoll. Die erste Ausgabe des Waldner-Cups fand im Dezember 2024 in Oslo statt. Im Finale setzte sich Team Asia gegen Team World durch, angeführt von Ma Long, der den entscheidenden Punkt holte.
Team Asia: Ma Long (Kapitän), Chen Meng, Jang Woojin, Lim Jonghoon, Shin Yubin, Kirill Gerassimenko, Manika Batra.
Team World: Truls Moregard, Dimitrij Ovtcharov, Hugo Calderano, Adriana Diaz, Bernadette Szöcs.
Schon Jahre zuvor hatte Waldner angekündigt, ein solches Event etablieren zu wollen. Im Dezember 2021 sprach er erstmals öffentlich von seiner Idee, zwei Kontinentalteams gegeneinander antreten zu lassen – mit Weltstars wie Ma Long, Ovtcharov und Timo Boll.
Vertrauensschaden für den Tischtennissport? Das sagt der CEO
Der aktuelle Fall wirft nun grundsätzliche Fragen auf: Wie konnte ein hochkarätig besetztes Turnier ohne gesicherte finanzielle Abwicklung stattfinden? Und warum greifen Kontrollmechanismen offenbar erst, wenn Spieler bereits monatelang auf ihr Geld warten? Für viele Profis steht fest: Sollte der Vorgang ohne Konsequenzen bleiben, droht ein nachhaltiger Vertrauensschaden. Man darf gespannt sein, wie der Weltverband auf die Vorwürfe reagieren und den Fall behandeln wird.
myTT richtete am Wochenende zudem eine Anfrage Richtung Otterstad. Der CEO des Waldner Cups antwortete am Sonntagmorgen schriftlich: "Die Veranstaltung wurde ins Leben gerufen, um den Tischtennissport, seine Geschichte und die Spieler zu würdigen, die diesen Sport geprägt haben. Von Beginn an war es unser Ziel, ein herzliches, respektvolles und qualitativ hochwertiges Erlebnis für den Sport und seine Gemeinschaft zu schaffen.
Als Startup im ersten Jahr standen wir vor erheblichen Herausforderungen. Einige Angelegenheiten haben sich leider länger hingezogen als ursprünglich erwartet. Wir sind dankbar für die Spieler und Partner, die konstruktiv mit uns zusammengearbeitet haben, um zu einer Lösung zu gelangen, und wir bleiben dem Anspruch verpflichtet, sowohl den Sport als auch die Menschen, die ihn ausüben, zu würdigen."
Am Mittwoch ist mit einem Update von Otterstad zu rechnen.
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