WM-Blog: Tolle Jubiläums-WM? Eher Durchschnitt!

    100 Jahre ITTF, 100 Jahre Tischtennis-WM - die Team-WM in London war groß angepriesen worden. Redakteurin Janina Schäbitz war schon bei zwölf Weltmeisterschaften und bewertet im Blog, wie besonders diese Ausgabe ist.

    Das Angebot für die Zuschauer hält sich in Grenzen (©Schäbitz)

    Im Oktober war es, als ITTF-Präsidentin Petra Sörling die besten Tischtennis-Weltmeisterschaften aller Zeiten versprach. Die Rückkehr der WM in ihren Geburtsort, nachdem im Jahr 1926 die erste Ausgabe ebenfalls in London stattgefunden hatte, sollte „ein einmaliges Fest der Geschichte, Exzellenz und Entwicklung des Sports“ werden. Aus werbetechnischen Gründen bin ich bei solchen Vorab-Lorbeeren ja immer etwas skeptisch, aber in diesem Fall habe ich zu dem besonderen Anlass des hundertjährigen Jubiläums tatsächlich etwas mehr als sonst erwartet. Nach fünf Tagen in London kann ich sagen: Da ist doch noch ziemlich viel Luft nach oben.

    Super für Menschen auf Nulldiät

    Na klar, ich schaue auf eine WM anders als die Spieler, Schiedsrichter oder Zuschauer. Jeder hat da seine eigenen Bedürfnisse und Dinge, die ihm wichtig sind. Aus Sicht einer Redakteurin sind natürlich die Arbeitsbedingungen das Erste, was mir bei der Bewertung ins Auge fällt. Und die sind okay, aber auch nicht mehr. Wir haben genügend Arbeitsplätze auf der Pressetribüne, das Internet ist stabil, die Volunteers sind alle sehr zuvorkommend und die Wege sind kurz. Aber ansonsten gibt es auch vieles, das einem das Leben eher erschwert. Nach dem Umbau von vier Tischen auf einen Central Court am Donnerstag zum Beispiel haben wir unseren guten Blick von der Pressetribüne aus verloren. Der Tisch liegt am anderen Ende der Halle, dazwischen ist eine neue Zuschauertribüne aufgebaut worden und ich erwische mich des Öfteren dabei, dass ich eher auf die Bildschirme als auf den Tisch da hinten schaue, weil ich einfach sonst nicht alles erkennen kann.

    Dann - ich weiß, das Thema kommt immer auf den Tisch, aber ist halt auch nicht unwichtig - gibt es bei dieser großen Jubiläums-WM tatsächlich diesmal nichts für die Journalisten zu essen. Am ersten Tag gab’s noch Kekse, am zweiten Lollis, seit dem dritten sind Wasser, Tee und Kaffee die einzige Konstante. Das Gute ist, dass drum herum sehr viele Geschäfte, Take-Aways und Restaurants sind, aber gerade, wenn es zwischen zwei Spielen mal zeitlich eng wird, freut man sich halt auch schlicht mal über eine Banane, für die man nicht rüber in den Supermarkt laufen muss. Der DTTB ist da mit seinen beiden Weltmeisterschaften, die ich miterlebt habe, ein Vorbild, aber auch in Suzhou, Paris, Busan und anderswo machte man den Journalisten in der Halle das Leben so einfach wie möglich. Dass es beim historischen ITTF-Jubiläum noch nicht einmal ein Butterbrot gibt, finde ich da schlicht traurig.

    Keine speziellen Angebote für Zuschauer

    Überhaupt ist dieses Jubiläum auch aus Zuschauersicht kaum spürbar, wie ich finde. Hier und da prangt zwar die „100“ auf der Wand, auch ein wirklich schöner Film wurde zusammengeschnitten, aber ansonsten ist diese WM, auch was die Angebote für die Zuschauer angeht, Durchschnitt. Draußen stehen drei Tischtennistische für die Zuschauer zum Spielen, in der Bücherei gegenüber stehen noch mal ein paar, außerdem wird gemunkelt, dass es dort auch noch eine Ausstellung zum hundertjährigen Jubiläum gibt. Diese führt allerdings eher den Status „Geheimtipp“, denn Hinweise darauf oder gar Werbung dafür habe ich noch nicht gesehen. In der Halle werden die Zuschauer von einer DJane und mit Quizzes über den Videowürfel unterhalten, etwas in Richtung Eröffnungsfeier scheint aber nicht stattgefunden zu haben. Nicht, dass ich die unbedingt bräuchte, aber gerade bei einem hundertjährigen Jubiläum hatte ich das doch erwartet. Will man diese Plattform denn nicht nutzen, um sich selbst und den Sport gebührend zu feiern?

    Vielleicht kommt das ja alles noch, wenn es ins Final-Wochenende geht. Ich glaube es aber ehrlich gesagt nicht. So richtet sich der Fokus also noch mehr auf die überdurchschnittlichen Leistungen in der Box. Schade, dass der gebotene Rahmen da nicht ganz mithalten kann.

    3 Kommentare

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