Phasendreschers TT-Lexikon: D wie Doppel
Hand aufs Herz: Wie regelmäßig trainiert ihr Doppel in eurer Mannschaft? Unser Phasendrescher Philipp Hell nutzt den Buchstaben D in seinem TT-Lexikon, um der Unpopularität des Doppels auf den Grund zu gehen.

Das Doppel ist eine in nahezu jedem Kreisklassen-Verein sträflich vernachlässigte Disziplin. Im Training werden von motivierten Spielern zumindest manchmal einige Übungsformen gespielt, vielleicht den „Falkenberg“ oder einen „Achter“. Meistens werden jedoch einfach nur Matches gespielt, ohne besonderen Trainingseffekt. Aber Doppel? Höchstens noch die letzte Viertelstunde der Trainingszeit, wenn Matze aus der Vierten fragt, ob man nochmal durchwechseln könne. Und wenn der Typ aus der Ersten absolut keinen Bock auf drei schnelle Sätze gegen Matze hat, dann schlägt er halt noch ein Doppel vor – das allerdings auch niemandem etwas bringt.
Umso erstaunlicher, wären doch ein oder sogar zwei Stamm-Doppel ein Riesenvorteil. Allerdings haben im sich immer weiter verbreitenden Bundessystem die Doppel tatsächlich einen geringeren Anteil (2/10) als beim traditionelleren Sechser-Paarkreuzsystem (4/16). Sind Tischtennisspieler etwa Strategen, die genau wissen, dass sie lieber Einzel trainieren müssen? Wohl kaum, aber: Im Doppel gibt es halt keine TTR-Punkte zu gewinnen.
Traumduo? Fehlanzeige!
Daher hat jede Mannschaft maximal ein halbwegs eingespieltes Doppel, bestehend aus den beiden einzigen Spielern, die praktisch immer dabei sind. Dass Chris und Tom spielerisch überhaupt nicht zusammenpassen und sich ständig nur gegenseitig auf den Füßen herumstehen, ist dabei ein Umstand, den man leider nicht ändern kann. Wenigstens kennen sie die Aufschläge des anderen und wissen schon mal, welcher Schlag anschließend nicht funktioniert.
Weitere Doppel werden immer aus den restlichen anwesenden Spielern gebildet. Diese bieten oftmals eine wahllose Ansammlung von Spielstilen, die man drehen und wenden kann, wie man will, die aber trotzdem in keinerlei sinnvolle Verbindung zusammengestellt werden können. Tja, Pech, da werden wir heute nach den Doppeln wohl gleich wieder zurückliegen.
Auch bei Turnieren wird die Doppelkonkurrenz meist stiefmütterlich behandelt. Irgendwann in der Mittagspause, zwischen einer Bratwurst und einem Stück Kuchen, tritt man mit einem Partner an den Tisch, den man oftmals erst an eben diesem Tisch kennenlernt. Oder man muss mit dem greisen Noppen-Norbert spielen, der sich heute als Fahrer angeboten hatte - und da muss man sich halt irgendwie erkenntlich zeigen. Folglich geht man ohne größere Ziele in die Doppelrunde und scheidet dann meist auch frühzeitig aus, wenn man gegen eine der wenigen eingespielten Paarungen antritt, die Aufschlag-Rückschlag-Schuss-Punkt für sich optimiert haben.
Unverhoffte Siegchancen
Ab und zu jedoch findet Jürgen sich bei so einem Turnier unverhofft in guter Gesellschaft und hat einen Partner erwischt, der ihn mitziehen kann. Er hat zwar dessen Namen nicht verstanden, aber irgendwie passt die Kombination, irgendwie funktioniert die Verständigung, irgendwie läuft die Sache. Runde um Runde kämpft man sich gemeinsam weiter und plötzlich hat Jürgen den Tisch mit den netten Sachpreisen in den Blick genommen, obwohl er im Einzel längst nach der Vorrunde gescheitert ist: ein Bierfass, ein Grill-Set, eine neue Sporttasche – da sind schon nette Dinge dabei.
Der Mitspieler ist wirklich ein Guter, da gibt es gar nichts zu zweifeln. Doch Jürgen ist davon überzeugt, durchaus auch seinen Beitrag geleistet zu haben. Vor dem Doppel-Halbfinale sucht er den neuen Partner noch mal auf, um sich taktisch noch etwas abzusprechen, schließlich tritt beim Gegner der Typ mit dem unangenehmen Anti an, da will er einen Plan aushecken. Gerade jetzt, da man schon so weit gekommen ist!
Doch bevor Jürgen noch dazu kommt, ins Detail zu gehen, bremst ihn sein Partner umgehend ein: Aufgrund der zu hohen Belastung und seines anstehenden Einzel-Viertelfinales würde er das Doppel nun leider herschenken, da habe Jürgen doch sicherlich Verständnis.
(Philipp Hell)
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Übrigens: "Phasendrescher" Philipp Hell hat nun schon sein zweites Buch auf den Markt gebracht. Nach "Netzball" geht es in "Schon wieder ein Netzball" weiterhin mit einem Augenzwinkern durch die Kreisliga
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