Fabians Blog: Regeln in Amateurligen – wie streng darf es sein?

    Die Auslegung des Regelwerks fällt in den unteren Amateurligen oft wesentlich entspannter aus. myTT-Redakteur Fabian Kleintges-Topoll teilt seine Eindrücke zu Time-outs und abgezählten Aufschlägen.

    Redakteur Fabian Kleintges-Topoll äußert seine Meinung. (©ChatGPT/myTT)

    Der fünfte Satz läuft, es steht 3:7 im fünften Satz. Im Punktspiel ist jede Menge Spannung geboten, plötzlich fragt jemand: „Du kannst doch noch deine Auszeit nehmen?“ Oder: „Hat der nicht eben falsch aufgeschlagen?“ Mein jüngstes Heimspiel in der 1. Bezirksklasse gibt mir Anlass, über zwei Themen zu schreiben, die darauf gut zutreffen: Auszeiten und falsche Aufschläge.

    Wenn das Regelwerk auf die Realität trifft, sind die Unterschiede vor allem im Vergleich zum Profi-Tischtennis oft größer als gedacht. Schnell kommen Diskussionen auf, oft aber wird im Amateurbereich in kniffligen Situationen ein Auge zugedrückt. Doch wo liegt die Grenze?

    Tischtennis ist bekanntlich ein extrem regelspezifischer Sport. Vom korrekten Ballwurf beim Aufschlag bis zur 60-sekündigen Time-out-Regel ist alles klar definiert. In den höheren Spielklassen und vor allem bei Besuchen von offiziellen Schiedsrichtern ist die Anwendung strikt – und das ist auch richtig so. Doch wie verhält es sich in der Kreisklasse, wo Fairness, Ehrenamt und Hobbygedanke und Geselligkeit neben dem sportlichen Ehrgeiz im Vordergrund stehen? Fakt ist: Die Bewertung ist dort wesentlich schwieriger.

    Die Auszeit – taktisches Mittel oder Stimmungskiller?

    Meiner Meinung nach wirkt eine Auszeit manchmal wie ein Fremdkörper. Das mag auch daran liegen, dass ich selbst keiner großer Freund davon bin und der erhoffte Effekt meistens ausbleibt. Ich habe am Freitagabend in meinem zweiten Einzel beim Stand von 2:2 und 3:7 (Endstand: 8:11 nach 8:9) dennoch tatsächlich mal ein Time-out genommen. Eine Seltenheit. Weniger aus taktischen Gründen – sondern viel mehr, um Ruhe in das hektische Match zu bekommen.

    Das Erste, was mir mein Mannschaftskollege zurief: „Du darfst die Box nicht verlassen!“ Er hat recht, ich war im Tunnel und hatte meiner Wasserflasche noch hinter der Bande stehen. Aber sind wir mal ehrlich: So genau nimmt es im Amateurtischtennis doch keiner, niemand steht mit einer Stoppuhr daneben. Eine gewisse Toleranzschwelle ist da sicher erlaubt.

    Der Aufschlag – Theorie trifft Praxis

    Noch sensibler wird es beim Thema Aufschlag. Der Ball muss sichtbar hochgeworfen werden, mindestens 16 Zentimeter, senkrecht aus der flachen Hand, ohne Rotation. So steht es in den (inter-)nationalen Tischtennisregeln. Und jetzt Hand aufs Herz: Wie oft wird in der Kreisklasse wirklich darauf geachtet? Klar ist: Die meisten Aufschläge sind im Amateurbereich technisch nicht korrekt.

    Viele Verstöße passieren nicht aus böser Absicht, sondern aus Gewohnheit. Gar kein oder ein minimal schräger Wurf –  praktisch aber schon von vielen immer so durchgeführt. Wenn dann „abgezählt“ wird, also jeder vermeintlich falsche Aufschlag reklamiert wird, kann die Stimmung schnell kippen. „Der schlägt aus der Hand auf“, hieß es am Freitag direkt von meinem Mannschaftskollegen. Das Argument des Gegners beim gemeinsamen Ausklang nach Spielende: „Das mache ich schon seit 40 Jahren so.“

    Ich zählte dieses Einzel – und griff nicht ein. Nicht, weil es nicht regelkonform war. Sondern weil kein klarer Vorteil entstand, mein Teamkollege den Aufschlag erfolgreich zurück schlagen konnte und die Situation das Spiel nicht entscheidend beeinflusste. Man kennt sich, will in erster Linie keinen Ärger. Vielleicht nicht hundertprozentig korrekt. Aber aus meiner Sicht angemessen. Zu regelverrückt darf und sollte man auf unserem Niveau auch nicht sein!

    Regelwerk vs. Realität – der Spirit der Kreisklasse

    Das Problem ist weniger das Regelwerk selbst, sondern seine situative Auslegung. Erst recht, wenn wie in unseren Klassen die Spieler selbst zum Regelhüter werden. Das verlangt noch mehr Fingerspitzengefühl. Es ist eine Grauzone, wann ich eingreife und wann nicht. Am Ende sind wir eben immer noch in der Kreisklasse mit Würstchen, Brötchen und Bier nach dem Spiel, freundschaftliche Gespräche inklusive.

    Vielleicht braucht es manchmal einfach mehr Kommunikation als Konfrontation. Ob längere Auszeiten oder nicht zu 100 Prozent korrekte Aufschläge. Manchmal ist eine entspannte Auslegung kein Regelbruch, sondern Ausdruck von Vertrauen. Denn am Ende geht es nicht nur um Punkte. Sondern darum, dass man sich am nächsten Spieltag wieder gern die Hand gibt – ganz egal, was das Zählgerät am Ende angezeigt hat.

    Kennt ihr Regeln, die im Vergleich zum Leistungssport weniger streng ausgelegt werden und wie haltet ihr die genannten Beispiele? Berichtet darüber gerne in der Kommentarzeile.

    32 Kommentare

    Um einen Kommentar abzugeben, musst du mit deinem myTischtennis.de-Account eingeloggt sein.