Der Phasendrescher: Eskalation zur Aufstiegsfeier

    Mit seinem Blog zur Aufstiegsfeier beendet Phasendrescher Philipp Hell seine Reihe zu besonderen Tagen in einem typischen Tischtennisjahr. Aber keine Sorge: Die nächste Reihe ist schon in der Mache.

    Zum Abschluss lässt Phasendrescher Philipp Hell die Situation noch einmal bei der Aufstiegsfeier eskalieren (©Laven)

    Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Aufstiegsfeiern: Entweder steht man nach einer souveränen Saison bereits lange als Aufsteiger fest, oder man erringt den Aufstieg tatsächlich erst im letzten Saisonspiel. Im ersten Fall wird das letzte Punktspiel zum Vorspiel der eigentlichen Feier im Anschluss umfunktioniert. Schon beim Aufbau der Tische herrscht – ganz anders als sonst – ausgelassene Atmosphäre, jeder Spieler hat bereits eine Bierflasche in der Hand, die ersten haben längst einen sitzen. Dass es für den Gegner noch um den Klassenerhalt geht? Für den Meister in spe ist das heute höchstens peripher interessant, stattdessen werden den sichtlich irritierten Kontrahenten euphorisch Kaltgetränke aus den bereitstehenden Kühlschränken angeboten.

    Euphorie will nicht aufkommen

    In dieser lockeren Stimmung nimmt der Verlauf der einzelnen Matches oft völlig überraschende Richtungen: Je nach bereits erreichtem Pegel (genau richtig oder doch bereits drüber?) gelingen maximal überraschende Siege oder müssen absolut unerwartete Niederlagen eingesteckt werden. Da beides heute jedoch gleichermaßen egal ist, interessiert das ausnahmsweise aber niemanden. An den Endstand kann sich in einer Woche ohnehin keiner mehr erinnern. War das heute überhaupt TTR-relevant?

    Wie vorher angekündigt wird nach Spielschluss weiter gefeiert, doch eine richtig euphorische Stimmung will sich nicht so recht einstellen. Dafür waren die Gegner dieses Jahr einfach zu schwach und der Aufstieg zu früh so gut wie sicher. Dass der Hausmeister um elf alle nach Hause schickt, stört kaum mehr jemanden. Denn die ultimative Aufstiegsfeier gibt es eben nur, wenn der Aufstieg erst an Ort und Stelle eingetütet werden kann.

    Für alle Fälle gewappnet

    Zunächst einmal gilt es, je nach Konstellation und damit je nach Wahrscheinlichkeit des Erfolges, einerseits gut vorbereitet zu sein, andererseits jedoch nicht zu euphorisch und siegessicher zu wirken. So werden mehr oder weniger verschämt Sektflaschen bereitgestellt, Bierkästen in die Halle geschleppt, „Meister“-Plakate gemalt, Chinaböller vorbereitet und vielleicht wurde sogar ein „Aufstieg!“-T-Shirt gedruckt. Außer man hat den abergläubischen Uli mit im Team, dann darf man sich dabei natürlich auf keinen Fall erwischen lassen.

    Normalerweise finden sich auch einige Schlachtenbummler in der Sporthalle ein, die sich den Abend mit einigen isotonischen Getränken versüßen werden – weitgehend unabhängig vom Geschehen an den grünen Tischen, versteht sich. Ist dann der alles entscheidende Punkt endlich errungen, knallt sofort irgendwo der erste Sektkorken (oder der erste Chinaböller) und die Party eskaliert umgehend.

    Manchmal muss vor der sicheren Entscheidung noch mit einer anderen Halle telefoniert werden, da man vom Spielergebnis dort abhängig ist. Das bedrückte Schweigen der um den Mann mit dem Handy Herumstehenden löst sich dann umso schneller, sobald sich dessen Miene begeistert aufhellt. Kindisch herumhüpfende Mittvierziger mit ebenso herumhüpfendem Hüftgold, euphorisierte Routiniers mit eigentlich steifer Hüfte, zufällig anwesende Trainings-Gäste und sogar die eine oder andere sichtlich erleichterte Ehefrau (zum Glück hat das geklappt, sonst wäre Rudi wieder wochenlang unausstehlich!) verknäulen sich zu einem glückseligen Haufen und kennen kein Halten mehr. Denn: Bezirksliga! Das gab es hier noch nie!!!

    Selbst der Hausmeister meckert nicht

    Nun geschehen Dinge, die glaubt man nicht: Fritz reißt sich vor Glück seine Noppen von der Rückhand, Karl versucht, sein Trikot zu zerreißen (es bleibt bei dem Versuch), Dieter wirft seine Unterhose ins Publikum, Tommy wirft sich selbst ins Publikum. Und sogar der sonst so gefürchtete Hausmeister wird von keinem einzigen Feierbiest beachtet, schnell drückt man ihm eine volle Bierflasche in die Hand und da will der gute Mann heute mal nicht so sein. Vermutlich hat er einfach Angst vor diesen offenkundig völlig entfesselten Tischtennis-Spielern.

    Schade natürlich, wenn es sich um ein Auswärtsspiel handelt, denn wie soll man jemals wieder nach Hause kommen? 50 Kilometer mit dem Taxi? Zu Fuß? Wann fährt morgen früh die erste Bahn? Kannst du nicht einfach die Kathrin anrufen?

    Nun ja, wenigstens muss in diesem Fall auch keiner der Aufstiegshelden am nächsten Tag die üblichen Hinterlassenschaften in der Halle beseitigen.

    (Philipp Hell)

    Alle Blogs des Phasendreschers findet ihr hier.

    Übrigens: "Phasendrescher" Philipp Hell hat nun schon sein zweites Buch auf den Markt gebracht. Nach "Netzball" geht es in "Schon wieder ein Netzball" weiterhin mit einem Augenzwinkern durch die Kreisliga.

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