Blog: Wenn der Kopf blockiert: Ersatzspieler und Nervosität

    myTischtennis.de-Redakteur Fabian Kleintges-Topoll berichtet in seinem Blog über vermeintlich selbsterzeugten Druck von Ersatzspielern im Wettkampf. Warum ihn der Kopf gebremst hat und was er daraus lernt.

    Der Kopf spielt manchmal eine größere Rolle als einem lieb ist. (© ChatGPT/myTT)

    Starke Nervosität. Ein Gefühl, das jeder Tischtennisspieler kennt – völlig unabhängig vom Niveau. Im Punktspiel tickt man einfach anders als im Training. Und gerade dann, wenn man vermeintlich „nichts mehr zu verlieren“ hat, kommt die Anspannung manchmal umso stärker zurück.

    Eigentlich spiele ich in der 1. Bezirksklasse für die zweite Mannschaft des TuS Borth (WTTV). In den vergangenen Monaten musste ich jedoch aufgrund von Personalproblemen gleich achtmal in der Bezirksoberliga aushelfen – in der ersten Mannschaft drei Ligen höher. Meine Bilanz: 1:11. Bei knapp über 1400 TTR-Punkten traf ich im unteren Paarkreuz fast ausschließlich auf Gegner um die 1600 Punkte.

    Klar ist: Auf diesem Niveau geht es für mich vor allem darum, zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Der Abstieg unserer ersten Mannschaft steht ohnehin längst fest – sieben Punkte Rückstand, einen Spieltag vor Schluss. Für mehr hat es, auch aufgrund der Ausfälle, einfach nicht gereicht, so ehrlich muss man sein. Und trotzdem: Die Mannschaft hat Charakter bewiesen. In einer ausgeglichenen Liga haben wir mit Geschlossenheit und großem Einsatz immer wieder überrascht, Aufstiegskandidaten geärgert und viele Spiele offen gestaltet.

    Kein schönes Gefühl: Alle Blicke auf mich

    So auch beim 6:9 gegen den TTC Osterfeld. Die Gäste aus Oberhausen brauchten noch Punkte für den Klassenerhalt und reisten mit vielen Unterstützern an. 15 Zuschauer, volle Halle, gute Stimmung. Eigentlich genau die Spiele, die Spaß machen. Schon im Doppel war für mich einiges drin. Gerade dort kann ich auf dem Niveau mithalten, halte die Bälle stabil im Spiel und unterstütze meinen offensiven Partner. In dieser Konstellation haben wir auch schon eingespielte Top-Doppel geschlagen. Diesmal nicht. 9:11 im fünften Satz, bitter. Statt 2:1 hätte es zum Auftakt auch 3:0 für uns stehen können.

    Im ersten Einzel ging es gegen einen 1577er mit Anti – kein einziger offensiver Ball, ein unangenehmes Spiel. Mit 1:3 hielt ich ordentlich dagegen, auch wenn vielleicht mehr drin gewesen wäre. Doch dann kam dieser Moment. Spielstand 6:8, mein zweites Einzel gegen den gegnerischen Sechser, ebenfalls ein Ersatzspieler. Ich dachte mir: „Jetzt liegt es an mir.“ Parallel war der zweite Tisch frei, das Schlussdoppel noch nicht gestartet. Alle Blicke richteten sich somit auf mein Spiel. Ein Fehler war es sicherlich, vorher noch den TTR-Wert meines Gegners zu checken. Etwas, das ich mir eigentlich längst abgewöhnen wollte.

    Den größten Druck macht man sich selbst

    Und dann passierte genau das, was nicht passieren darf: Ich habe mich selbst rausgebracht. Ich war nicht bei mir, habe gezögert, meinen Rhythmus verloren. Die Leichtigkeit war weg, die Nervosität sofort da. Die Coachingtipps in den Satzpausen? Kamen nicht mehr an und prallten komplett von mir ab. Ich hatte das Gefühl, liefern zu müssen. Jeder Fehler wog doppelt schwer. Mental war ich nicht auf der Höhe, stand komplett neben mir. Natürlich: Mein Gegner war erfahren, hat das clever gespielt und war an diesem Abend einfach besser. Trotzdem hat mich das Spiel extrem geärgert – vor allem wegen meines eigenen Anspruchs. Ich weiß, dass ich solche Spiele gewinnen kann. Aber an diesem Abend habe ich mir selbst im Weg gestanden.

    Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Der Druck kommt oft gar nicht von außen, sondern von einem selbst. Gerade dann, wenn es tabellarisch um nichts mehr geht, macht man sich unnötig viel Stress. Vorwürfe aus der Mannschaft gab es natürlich keine. Im Gegenteil: Beim Würstchen und Kaltgetränk im Anschluss war Aufbauhilfe nötig. Trotzdem war die Enttäuschung nach einer Menge Ehrgeiz riesengroß. Und genau deshalb nehme ich aus diesem Spiel etwas mit: Ich will in solchen Momenten mental stabiler werden. Ruhiger. Klarer. Selbstbewusster. Denn am Ende entscheidet im Tischtennis nicht nur die Technik – sondern vor allem der Kopf. Gut, dass es auf myTischtennis.de auch die passenden Mentaltipps gibt.

    Habt ihr solche Situationen auch schon erlebt? Spiele, in denen euch die Nervosität einen Strich durch die Rechnung gemacht hat? Schreibt es gerne in die Kommentare.

    3 Kommentare

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