Blog: Unterstützt Fan Zhendong Chinas WM-Team?
Der chinesische Tischtennisverband hält Fan Zhendong die Tür zur Team-WM in London auf - aber wird er auch durchgehen? Das überlegt myTischtennis-Redakteurin Janina Schäbitz in ihrem Blog.

Und täglich grüßt das Murmeltier… Schon im vergangenen Jahr, nachdem Fan Zhendong gemeinsam mit Ma Long und Chen Meng den Rücktritt aus dem internationalen Tischtenniszirkus verkündet hatte, kam kurz die Hoffnung auf, dass die ehemalige Nummer eins der Welt für die Individual-WM in Doha ins chinesische Nationalteam zurückkehren könnte. Als Olympiasieger räumte der chinesische Verband ihm - wie auch den anderen Preisträgern von Paris - mittels seiner WM-Qualifikationskriterien die Möglichkeit ein, in Doha für China zu starten. Am Ende traten weder Fan noch Ma oder Chen in Katar an - und bis heute hat das Trio kein Match mehr bestritten, das für die Weltrangliste zählen würde. Nichtsdestotrotz wiederholt sich das Spiel zumindest in Fan Zhendongs Fall: Da er die Einzelkonkurrenz der chinesischen Nationalspiele gewonnen hat, ist er nach den vom Verband veröffentlichten Qualifikationskriterien für die Team-WM in London wieder startberechtigt. Wird er die Einladung diesmal annehmen?
China könnte ihn gut gebrauchen
Eins ist dabei klar: Der Olympiasieger von Paris könnte es sportlich ohne Probleme wieder mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen. Inzwischen hat sich Fan beim 1. FC Saarbrücken-TT eingelebt, die Patzer vom Beginn seines TTBL-Engagements sind vergessen, auch der erste Titel wurde bereits mit den Saarländern gewonnen. Zudem nahm er in China an besagten Nationalspielen teil, wo er sich unter anderem gegen die beiden auf Platz eins und zwei der Weltrangliste geführten Kollegen Wang Chuqin sowie Lin Shidong durchsetzte und seinen Einzeltitel verteidigte.
Außerdem ist offensichtlich, dass das chinesische Herrennationalteam einen Spieler wie Fan Zhendong gerade gut in seinen Reihen gebrauchen könnte. Auf Wang Chuqin ist zwar meist Verlass, doch können weder Lin Shidong noch Liang Jingkun, Xiang Peng, Zhou Qihao oder Lin Gaoyuan die Konstanz und Dominanz vorweisen, die man noch vor wenigen Jahren von der obersten Speerspitze der chinesischen Nationalspieler gewöhnt war. Lin Shidong zum Beispiel hat vor etwa einem Jahr, beim Singapore Smash 2025, seinen letzten internationalen Titel gewonnen. In der Zwischenzeit verlor er nicht nur gegen seinen Landsmann Wang Chuqin, sondern auch gegen internationale Spieler wie Dang Qiu, Truls Moregard, Anders Lind oder Dimitrij Ovtcharov. Beim Asian Cup am Wochenende scheiterte Lin im Viertelfinale am Japaner Shunsuke Togami. Aber auch sonst schaffte es außer dem späteren Sieger Wang niemand aus dem chinesischen Team aufs Podest - das hat man in den vorigen Jahrzehnten wirklich selten erlebt. Der Gedanke, dass China bei der Mannschafts-WM in London zum ersten Mal ins Straucheln geraten könnte, ist also zumindest nicht völlig von der Hand zu weisen, auch wenn uns die Geschichte lehrt, dass am Ende meist doch die Dominatoren dieses Sports die Nase vorn haben.
Will er und soll er?
Die entscheidende Frage dürfte also sein: Will Fan Zhendong zurückkommen beziehungsweise soll er dies - aus Sicht des Verbands - tun? Beides ist schwer zu beurteilen. Wenn man die Auftritte des Chinesen rund um sein Saarländer Engagement beobachtet, erhält man den Eindruck, dass er gerade eigentlich ganz glücklich mit seiner Situation ist. Eine Rückkehr in den normalen WTT-Kosmos mit den vielen nötigen Reisen und den essentiell notwendigen Weltranglistenpunkten kann ich mir daher gerade schwieriger vorstellen als ein kurzes Intermezzo, so wie er es ja auch bei den chinesischen Nationalspielen schon gehalten hat. Die Tür zur WM ist offen - schon wieder. Ich bin gespannt, ob er diesmal hindurchgeht.
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