Blog: Mobbing im Verein kann jeden treffen
Mobbing, Ausgrenzung, psychische Gewalt - das kommt bei uns nicht vor! Davon sind sicher viele Vereine überzeugt. myTischtennis.de-Redakteurin Janina Schäbitz beschreibt im Blog, warum es trotzdem sinnvoll ist, Vorkehrungen zu treffen.

Wenn Verbände ihren Vereinen Schutzkonzepte, Präventionsmaßnahmen oder Verhaltens-Leitlinien gegen psychische, physische oder sexualisierte Gewalt anbieten, neigen viele zu einem reflexhaften Abwinken. „Ach, das brauchen wir nicht, damit haben wir kein Problem.“ Ich packe mir da an die eigene Nase, weil ich genau das gedacht habe, als unser Vorstandsvorsitzender dieses Thema bei der letzten Mitgliederversammlung ansprach. Umso überraschter war ich, als daraufhin ein Vereinsmitglied von Situationen berichtete, in denen es sich von den anderen gemobbt gefühlt hatte. Als mich dann wenig später auch noch die Mail eines myTischtennis.de-Users erreichte, in der er von einer komplett eskalierten Situation in seinem Verein berichtete, wo er trotz guten TTR-Werts in keiner Mannschaft berücksichtigt worden war, wurde mir umso bewusster: Mobbing ist ein Thema - und das nicht nur auf dem Schulhof.
Viele Formen der Ausgrenzung
Gerade in Vereinen passiert etwas, was ich eigentlich total positiv bewerte. Hier kommen Menschen unterschiedlicher Altersklassen, Bildungsschichten oder Ansichten zusammen, weil sie alle eine Leidenschaft teilen: Sie wollen Tischtennis spielen - und alles andere, was einen sonst im Alltag wahrscheinlich nie zusammenbringen würde, ist in den Stunden, in denen man gemeinsam am Tisch steht, völlig egal. Da zählt in erster Linie, ob der andere einen guten Topspin zieht und wie viele Aufschläge er im Repertoire hat. Wenn aber ein bisschen Ernst mit ins Spiel kommt - etwa wenn es um die Mannschaftsaufstellung, das nach 6:1-Führung noch verlorene Match vom Wochenende oder gar den Abstieg geht -, kommt es nicht selten zu offenen oder eben auch versteckten Konflikten unter diesen manchmal sehr unterschiedlichen Charakteren. Und darunter kann die ganze Mannschaft leiden.
Hier ein stichelnder Kommentar, wenn der Aufschlag wiederholt im Aus landet. Da ein Seitenhieb, wenn derjenige nicht beim Abbau geholfen hat. Hier ein Umtrunk, zu dem alle Mannschaftsmitglieder eingeladen waren außer einem. Da ein kollektives Lachen, wenn einer mal einen ganz neuen Vorschlag für den nächsten Mannschaftsausflug macht. Und wenn es dann auch noch eine WhatsApp-Gruppe gibt, in der man das Ganze mit einer gewissen Distanz verbreiten kann, anstatt es demjenigen offen ins Gesicht zu sagen, ist schnell eine Situation erreicht, in der sich jemand nicht mehr wohl in der Gruppe fühlt. Gerade Letzteres birgt meiner Erfahrung nach Gefahren, die man nicht unterschätzen sollte. Denn was der eine mit entsprechenden Emojis versehen von seinem Smartphone aus sendet, kommt bei dem anderen noch lange nicht so an, wie er es vielleicht gemeint hat.
Verein kann sich vorbereiten
Wie geht man nun aber damit um? Kommunikation ist die erste wichtige Maßnahme, die mir einfällt. Häufig ist nicht nur der eine kleine Anlass, über den man einen blöden Kommentar abgelassen hat, ausschlaggebend, sondern es gibt tieferliegende Ursachen. Es ist leichter gesagt, als getan, und erfordert Mut, ein Problem anzusprechen und ihm auf den Grund zu gehen. Aber wenn man es schafft, sich im Zwiegespräch einmal sachlich auszutauschen, welches Verhalten dem einen sauer aufgestoßen ist und welche Reaktion den anderen verletzt hat, besteht zumindest die Chance, das Thema vom Tisch zu räumen und aus der Mannschaft rauszuhalten.
Zweitens sollte man sich, gerade wenn es schon Unmut im Team gibt, in der WhatsApp-Gruppe auf Organisatorisches beschränken. Diskussionen ohne Mimik, Gestik und den berühmten Ton, der die Musik macht, eskalieren einfach viel schneller. Drittens kann sich der Verein schon vorher proaktiv auf solche Situationen einstellen. Man kann Regeln definieren, nach denen sich die Mitglieder verhalten sollen und an denen man Verstöße besser festmachen kann. Und man kann Vertrauenspersonen wählen, an die man sich wenden kann, wenn man sich ungerecht behandelt oder ausgegrenzt fühlt. Zudem bieten die meisten Verbände Informationsmaterial und Anlaufstellen an, wenn man vorbeugen will oder betroffen ist.
Am Ende stellt sich aber immer die Frage, inwiefern alle Beteiligten bereit sind, das Problem anzupacken und konstruktiv nach Wegen zu suchen, wie man wieder miteinander klarkommt. Die eine Seite kann bereits tief verunsichert und verletzt sein, die andere sich dermaßen im Recht fühlen, dass sie keinen Klärungsbedarf sieht. Der eingeschickte Fall des myTischtennis.de-Users landete am Ende sogar vor Gericht. So weit sollte es doch eigentlich nicht kommen müssen…
Hattet ihr auch schon mal einen solchen Fall im Verein? Wie seid ihr damit umgegangen? Schreibt uns einen Kommentar.
5 Kommentare
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