Blog: Mit Fan Zhendong zurück zu alter Dominanz?

    Am Wochenende hat die TTBL-Saison 2026/27 begonnen. myTischtennis-Redakteurin Janina Schäbitz überlegt im Blog, wie sich das Kräfteverhältnis nach Fan Zhendongs Wechsel gestalten wird.

    TTBL-Finale 2024, Borussia Düsseldorf, Timo Boll, Andreas Preuß, Dang Qiu, Danny Heister, Anton Källberg, Kay Stumper, Borgar Haug
    Zwei Jahre ist es her, dass Borussia Düsseldorf den Meistertitel feiern durfte (©BeLa Sportfoto)

    Als ich im Jahr 2012 bei der myTischtennis GmbH anfing, drehte sich das deutsche Herren-Vereinstischtennis vor allem um eine Mannschaft: Borussia Düsseldorf. Die Rheinländer waren das Maß aller Dinge, sammelten bis zum heutigen Tag 34 Titel in der TTBL, 28 Pokalmeisterschaften und 16 Trophäen auf europäischer Ebene. In so manchem Jahr schafften die Düsseldorfer sogar das Kunststück, alle drei Wettbewerbe in einer Saison zu gewinnen und durften insgesamt viermal das Triple feiern. Diese viele Jahre andauernde Dominanz war ohne Frage beeindruckend, ging aber auch zu Lasten der Spannung, zumal es - abgesehen von der Champions League - nur selten andere Teams bis ganz nach oben aufs Treppchen schafften.

    Zwei Fliegen mit einer Klappe

    Umso größer war die Ernüchterung der vergangenen beiden Jahre, in denen Borussia Düsseldorf jeweils ohne Titel blieb. Im Jahr 2025 holten sich die TTF Liebherr Ochsenhausen sowohl die deutsche Meisterschaft als auch den Pokal, während Saarbrücken die Champions League gewann. Ein Jahr später gelang den Saarländern mit Hilfe des chinesischen Olympiasiegers Fan Zhendong das erste Triple der Vereinsgeschichte. Bei den Rheinländern musste sich etwas ändern, zumal der langjährige Leistungsträger Timo Boll nach seinem Karriereende schon in der vergangenen Saison nicht mehr zur Verfügung stand. Mit der Verpflichtung von Fan Zhendong im März schlugen die Düsseldorfer dann zwei Fliegen mit einer Klappe: Man verfügt nun selbst über den ehemaligen Weltranglistenersten und schwächt gleichzeitig den ärgsten Konkurrenten Saarbrücken.

    Wird sich der Wind nun also einfach wieder drehen und Düsseldorf zurück zu alter Dominanz wehen? Es ist nicht so, dass ich es der Borussia nicht gönnen würde, aber in meinen Augen macht die Unberechenbarkeit eines Wettbewerbs den größeren Reiz aus, als wenn eine Mannschaft so dominant ist, dass sie die Titel quasi abonniert hat - egal, ob sie Düsseldorf oder Saarbrücken heißt. Natürlich werden die Borussen, die sich in der vergangenen Saison in der ungewohnten Rolle des Jägers wiederfanden, in diesem Jahr die großen Favoriten sein. Fan Zhendong ist in jedem Spiel für zwei Punkte gut - und dahinter stehen mit Dang Qiu, Kanak Jha und Anton Källberg die Nummern elf, 28 und 37 der Welt bereit.

    Saison wird kein Selbstläufer

    Und trotzdem ist auch ein Olympiasieger nur ein Mensch, der eine Saison nicht allein zum Selbstläufer macht. In Saarbrücken hatte Fan zum Saisonbeginn ein paar Anlaufschwierigkeiten und konnte im Champions-League-Finale gegen die Lebrun-Brüder keinen Satz gewinnen. Zudem waren die Saarbrücker, die neben Fan auch noch auf Darko Jorgic, Yuto Muramatsu und Cedric Meissner verzichten müssen, ebenfalls nicht untätig auf dem Transfermarkt. Hugo Calderano wird als Nummer acht der Welt ein verlässlicher Leistungsträger sein, mit Alvaro Robles hat man unter anderem einen starken Doppelexperten und mit Danilo Faso ein großes Nachwuchstalent gewonnen. In der Champions League kann man zudem weiterhin auf Truls Moregard zurückgreifen und konnte zusätzlich noch den Koreaner Oh Junsung verpflichten.

    Und auch die anderen Mannschaften werden ein Wörtchen mitreden wollen - ob das nun je nach Wettbewerb die weiteren TTBL-Teams oder europäische Größen wie Alliance Nimes/Montpellier mit den Lebrun-Brüdern sind. Ein neues Kapitel hat begonnen - ich hoffe, es wird ein spannendes sein.

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