andro Kids Open: 35 Ausgaben, 1000 Kinder, ein Spirit

    Ende August fand die 35. Ausgabe der andro Kids Open in Düsseldorf statt. Anlässlich des Jubiläums erzählt David Reinecke, Leiter des Events von Borussia Düsseldorf, was Kinder aus aller Welt seit 1988 an den Rhein zieht.

    Rund 1000 Kinder feierten in diesem Jahr die 35. Ausgabe der andro Kids Open. Leiter David Reinecke (vorne rechts) hatte viel zu tun (©Borussia Düsseldorf)

    So schnell wie in diesem Jahr waren die rund tausend Startplätze der andro Kids Open noch nie weg. Schon eineinhalb Monate nach Öffnung des Anmeldefensters konnte David Reinecke, Leiter des Turniers bei Borussia Düsseldorf, die Teilnahmewilligen nur noch mit einem Platz auf der Warteliste vertrösten. „Damit haben wir auch in diesem Jahr wieder den Rekord gebrochen“, erzählt Reinecke, der stolz darauf ist, dass dafür nicht das große Geld für eine Werbekampagne in die Hand genommen werden musste. „Inzwischen läuft das fast zu 100 % über Mundpropaganda. Und es gibt sehr viele Kinder, die jedes Jahr wiederkommen - bis sie dann zu alt sind.“ 

    Lange Historie mit prominenten Ex-Teilnehmern

    An den andro Kids Open dürfen Kinder im Alter von fünf bis 18 Jahren teilnehmen. Seit 1988 gibt es das Turnier, das von Borussia Düsseldorf mit der Unterstützung des Titelsponsors andro ausgerichtet wird und an dem schon spätere Tischtennisgrößen wie Christian Süß, Patrick Baum und Ricardo Walther erfolgreich teilnahmen. Viele Jahre lang fand das Turnier in der Düsseldorfer Leichtathletikhalle statt, seit der Corona-Pandemie bleibt der Verein in den heimischen Hallen des Deutschen Tischtenniszentrums, welches perfekte Bedingungen und Planungssicherheit, aber etwas geringere Kapazitäten als die frühere Spielstätte bietet. So durften zum 35. Jubiläum der andro Kids Open rund tausend Teilnehmer nach Düsseldorf kommen, um an 44 Tischen zu spielen - und zwar aus der ganzen Welt.

    Seit der Corona-Pandemie finden die andro Kids Open in den Hallen des Deutschen Tischtennis-Zentrums statt (©Borussia Düsseldorf)

    „Wir sind das größte Tischtennisturnier für Kinder und Jugendliche in ganz Europa“, betont der 35-Jährige, der seit zwei Jahren bei Borussia Düsseldorf für die andro Kids Open zuständig ist. „Ich glaube, dass wir nicht nur sportlich, sondern auch vom Charakter her solch eine Ausnahmestellung einnehmen, dass Kinder aus China, Malta, Estland oder Usbekistan gerne die lange Anreise auf sich nehmen, um in Düsseldorf drei Tage Tischtennis zu spielen.“ So durfte man im vergangenen Jahr auch junge Landesmeister aus der Ukraine begrüßen, die mithilfe von Fördermöglichkeiten des Landes NRW direkt aus dem Kriegsgebiet anreisten. In diesem Jahr setzte eine italienische Gruppe, die erst ein paar Wochen vor Turnierbeginn von der Warteliste nachgerückt war, alle Hebel in Bewegung, um noch nach Düsseldorf zu kommen. „Da wurden teilweise Urlaube über den Haufen geworfen“, weiß Reinecke. „Das zeigt natürlich sehr gut, was das Turnier bei den Kindern, Betreuern, Vereinen und Verbänden für einen Stellenwert hat.“

    „Dann hat sich die ganze Mühe gelohnt“

    Was sich anhört wie ein Selbstläufer, ist mit viel Arbeit verbunden. Als die 35. andro Kids Open am vorletzten Freitag offiziell eröffnet wurden, hatten Reinecke und sein Team schon etwa ein Jahr lang an der Organisation gearbeitet. „Überspitzt formuliert ist nach den Kids Open vor den Kids Open“, erläutert der Leiter. „Auch jetzt sind wir schon wieder dabei, uns um Termine für nächstes Jahr zu bemühen.“ Die richtig heiße Phase beginnt dann in der Woche vor Turnierstart. Ab Montag liefert andro die Spielmaterialien an, außerdem kommen die Toiletten- und Müllcontainer. Bis Donnerstag, also einen Tag vor Turnierstart, findet noch der normale Trainingsbetrieb im DTTZ statt, so dass erst nachmittags mit dem Aufbau begonnen werden kann. Bis tief in die Nacht werden Tische gestellt und Netze gespannt, bevor es dann am Freitag losgehen kann. Ohne die Marke andro und die vielen freiwilligen Helfer, die im Jubiläumsjahr mit dem Turniermotto „Ohne Ehrenamt nichts los“ noch einmal besonders gewürdigt wurden, wäre dieses Projekt nicht zu stemmen. „Wenn man mitbekommt, dass die Kinder jetzt wirklich am Tisch stehen, und das ‚Tscho‘ hört, wenn sie einen Punkt gewonnen haben, weiß man, dass sich die ganze Mühe gelohnt hat“, findet Reinecke. 

    Für die Kinder sind es aber nicht nur der sportliche Wettbewerb, das hohe spielerische Level oder die Möglichkeit, sich einmal mit Kids aus ganz Deutschland oder der ganzen Welt zu messen, die sie reizen, jedes Jahr nach Düsseldorf zu kommen. „Ich glaube, dass das vor allem mit der Stimmung hier vor Ort zu tun hat“, glaubt Reinecke. Bei den andro Kids Open hole man sich eben nicht nur seine Urkunde ab, sondern bejubele jede Leistung der anderen Kinder bis zum Schluss. „Der Spirit hier ist nicht nur kompetitiv und aufs Gewinnen ausgelegt. Die Spieler erkennen die Leistung des Gegners an, unterhalten sich zwischen den Spielen und knüpfen teilweise sogar Freundschaften.“ Zudem bemüht man sich stets, dass den Kindern, auch wenn sie nicht am Tisch stehen, mit Kistenklettern, Riesenhüpfburg, Spin- und Speedtests oder der Interaktion mit echten Stars wie Sabine Winter, Wim Verdonschot und Andre Bertelsmeier nie langweilig wird. „Dass die Kids in diesem Jahr auch noch die Möglichkeit hatten, vergünstigt zum ersten Borussia-Heimspiel von Fan Zhendong zu fahren, war dann natürlich noch einmal ein sehr spezielles Highlight“, ist sich Reinecke sicher.

    Auch Stars wie Wim Verdonschot und Andre Bertelsmeier schauten bei den andro Kids Open vorbei (©Borussia Düsseldorf)

    Auch in Zukunft derselbe Spirit

    So hatte wohl jede der 35 Ausgaben der andro Kids Open ihre Besonderheiten, eines blieb aber immer gleich: „Das Turnier hat immer noch denselben Charakter wie vor 35 Jahren und das wurde selbst nach Corona nie hinterfragt“, berichtet der Mitarbeiter von Borussia Düsseldorf. Für ihn ist klar, dass der Grundgedanke der andro Kids Open auch in 35 Jahren noch derselbe sein wird: „Ich glaube, dass wir auch bei der 70. Ausgabe noch versuchen, ein Turnier mit möglichst vielen Spielern auf die Beine zu stellen, die möglichst viel spielen können.“ Einen einzigen Wunsch hat Reinecke noch für die nähere Zukunft des Turniers. „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir es schaffen, bald wieder mehr Mädchen für den Tischtennissport insgesamt, aber speziell auch für die andro Kids Open zu begeistern.“ Als Europas größtes Tischtennisturnier für Kinder und Jugendliche sieht man sich selbst in der Pflicht, mitzuhelfen, diese Entwicklung wieder in die andere Richtung zu verschieben. Wenn das gelingt, kann vielleicht sogar der diesjährige Rekord bezüglich der schnellsten Startplatzverteilung künftig noch einmal unterboten werden.

    2 Kommentare

    Um einen Kommentar abzugeben, musst du mit deinem myTischtennis.de-Account eingeloggt sein.