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Amateur-Thema: Meinungen zum Plastikball-Beschluss

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24.11.2016 - Am Sonntag wurde beim DTTB-Bundestag in Frankfurt der verbindliche Einsatz des Plastikballs ab der Saison 2019/2020 beschlossen, nachdem im ursprünglichen Dringlichkeitsantrag bereits die kommende Saison angepeilt worden war. Wir wollten von den Vereinen wissen, wie der Beschluss im Allgemeinen aufgenommen wurde. Frank Edunjobi (MTV Pfaffenhofen), Alexander Körner (TG Mülheim), Michael Lange (SC Buschhausen) und Robin Hrassnigg (FC Bennigsen TT) gaben uns Auskunft darüber.

So gehen die Meinungen zur Festsetzung einer Frist zur Saison 2019/2020 weit auseinander. Für grundsätzlich nicht gerechtfertigt hält Frank Edunjobi, der Vorsitzende des bayerischen Klubs MTV Pfaffenhofen, eine solche Frist. "2019/2020 ist zumindest besser als 2017/18", erklärt er. Aber alle bisherigen Aussagen zu den Bällen hätten darauf abgezielt, dass beide Materialen von der ITTF genehmigt wären und gespielt werden dürften. "Der Beschluss ist sinnfrei und ohne jegliche Notwendigkeit gefasst. Über kurz oder lang werden vermutlich nur noch Plastikbälle im Handel sein", so Edunjobi weiter. Der Verein habe sich, da man gerne mit orangen Bällen spiele (die es als Plastikbälle noch nicht gibt), mit Zelluloidbällen eingedeckt. Ob bis zur Umstellung alle aufgebraucht seien, werde sich zeigen.

Für Robin Hrassnig, den Abteilungsleiter des niedersächsischen Vereins FC Bennigsten TT und Alexander Körner, den Abteilungsleiter des Kölner Klubs TG Mülheim, geht der Bundestag-Beschluss zum Plastikball in Ordnung. Hrassnig: "Den verbindlichen Einsatz ab 2019 finde ich korrekt, weil die Bälle aktuell erstens viel zu teuer sind und zweitens noch nicht überall in kurzer Lieferzeit bestellbar waren. Eine Frist ist richtig, da einheitlich agiert werden sollte." Alexander Körner meint: "An sich finde ich die Verschiebung auf 2019 gut. Nun hat man ausreichend Zeit, sich als Verein vorzubereiten." Man müsse für die Plastikbälle mehr Geld einplanen und könne die bestehenden Bestände an Zelluloidbällen aufbrauchen. "Bis zur nächsten Saison hätten wir das wahrscheinlich nicht geschafft. Wir haben auf Vorrat gekauft", so der Kölner. Eine überhastete Entscheidung durch den Aufschub bis 2019 sei laut Körner vermieden worden. Er könne sich außerdem vorstellen, dass Vereine in der nächsten Saison auch von sich aus schon auf den Plastikball umsteigen würden, wenn die alten Vorräte aufgebraucht seien.

Die konsequente Durchsetzung des Dringlichkeitsantrags, d.h. eine Fristsetzung zur kommenden Saison, hätte sich Michael Lange vom Oberhausener Klub SC Buschhausen gewünscht: "Bei allem Verständnis für die Traditionalisten unter den Vereins- und Verbandsfunktionären halte ich einen erneuten Aufschub für falsch, aus meiner/unserer Sicht ist die angestrebte Vereinheitlichung mehr als überfällig."

Insgesamt durchwachsene Erfahrungen mit dem Plastikball
Im Großen und Ganzen eher mittelprächtige Erfahrungen mit dem Plastikball sind es, von denen die Vereinsvertreter berichten können. Körner, der nicht nur Vereinsvorsitzender und Spieler, sondern auch lizensierter Schiedsrichter ist, sieht immer noch einen großen Unterschied in der Qualität zwischen dem Zelluloid- und dem Plastikball. "Bei Turnieren ist die Ausfallquote zu hoch", bemängelt er. Auch der Preis sei seiner Meinung nach zu hoch. Als Spieler habe er mit Bällen gespielt, bei denen der Unterschied nicht mehr "so arg zu erkennen" sei. "Allerdings merkt man schon als 'schlechter' Spieler, dass man nicht mehr so viel Rotation reinbringt."

Gar nicht zufrieden ist Frank Edunjobi mit der Qualität der Plastikbälle: "Egal ob zu Anfang oder jetzt. Egal, ob Trainingsball oder Punktspielball. Es gibt keinen Spieler, der lieber mit Plastik als mit Zelluloidball spielt. Zudem spielen unsere Spieler lieber mit orangen Bällen, welche es in Plastik nicht gibt." Aber, so schränkt er ein, gebe es andere Spieler, denen es relativ egal sei, ob mit Plastik oder Zelluloid gespielt werde.

Dass Unterschiede definitiv zu merken seien, doch dass man sich hieran gewöhnen könne, findet Robin Hrassnigg. Er geht davon aus, dass sein Verein, der FC Bennigsten TT, zur kommenden Saison auf den Plastikball umsattelt. Insgesamt viermal von Zelluloid zu Plastik und zurück ist die erste Mannschaft des SC Buschhausen (Regionalliga) in der Vergangenheit gewechselt. "Mangelnde Qualität und Verfügbarkeit, aber auch die wechselnden Mehrheiten innerhalb der Liga waren hier die maßgeblichen Gründe", erläutert Michael Lange.

Wer spielt wann womit? 
Wie oft wird überhaupt mit Zelluloid und wie oft mit Plastik in den Spielen und im Training gespielt? Beim MTV Pfaffenhofen schlagen laut Frank Edunjobi alle Mannschaften von der Oberbayernliga bis in zur Kreisliga mit Zelluloid auf. Trainiert werde aber sowohl mit dem Zelluloid- als auch inzwischen mit dem Plastikball. Vorrangig mit Zelluloid wird im Kölner Raum in den unteren Ligen gespielt, denkt Alexander Körner. "Auch in unserem Verein wird mit Zelluloid trainiert und gespielt. Lediglich für WTTV-Turnierspieler wird der Plastikball zu Trainingszwecken zur Verfügung gestellt." Körner ist der Meinung, dass jene Vereine aktuell einen Vorteil besäßen, die bei Heimspielen schon mit dem Plastikball spielen würden.

Dass ein gemeinsames Training aufgrund der verschieden zum Einsatz kommenden Bälle zu einem Problem geworden ist, erklärt Michael Lange. "Ein Training der ersten Mannschaft (Plastik) mit den anderen Mannschaften (Zelluloid) ist nur noch schwer möglich, findet de facto nicht mehr statt", so der Buschhausener Abteilungsleiter. Was sich Lange vorstellen könnte, um das Problem der Einheitlichkeit zu lösen? "Der DTTB und/oder seine Landesverbände sollte/n über einen Ausrüstervertrag verhandeln, der sämlichen Spielbetrieb auf einen Hersteller/Modell festlegt."

Welche Meinungen vertreten Sie zum Bundestags-Beschluss und welche Erfahrungen haben Sie im Hinblick auf die dargestellten Aspekte gemacht? Berichten Sie davon!

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(DK)

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