Tipp: Wie wichtig ist das Niveau der Trainingspartner?

    In seinem aktuellen Fortgeschrittenentipp geht Tom Wetzel vom TopSpin Sport TT-Center in Bad Aibling darauf ein, wie wichtig das Niveau des Trainingspartners für die eigene Weiterentwicklung ist.

    Welches Niveau sollten die Trainingspartner idealerweise haben? (©Wetzel)

    Häufig werde ich von Spielern und Trainern vor Lehrgängen oder aber bei längeren Trainingsaufenthalten in meinem Trainingszentrum gefragt, wie gut denn die Trainingspartner wären. Naturgemäß wünscht sich jeder Spieler, nur mit den Allerbesten zu trainieren. Da dies nicht immer möglich ist, da auch die besseren Spieler nicht immer mit schwächeren Spielern trainieren wollen bzw. können, möchte ich diese Thematik aufgreifen und versuchen, die richtige Mischung verständlich zu machen.

    Grundsätzlich ist meine Auffassung dazu, gerade aus der jahrelangen Erfahrung im täglichen Training mit ambitionierten, aber durchaus unterschiedlich starken Spielern, dass jeder Spieler in seinem Bereich trainieren sollte. Damit meine ich, in TTR-Punkten ausgedrückt, plus/minus 200 Punkte. Wenn die Unterschiede zu groß werden, dann muss entweder der bessere Spieler oder der jeweilige Trainer in der Lage sein, das Training entsprechend zu steuern, und die Aufgaben an das jeweilige Niveau anpassen.

    Denkweise nicht zielführend

    Die Denkweise, die leider immer wieder sehr ambitionierte Spieler haben, dass sie nur mit sehr viel stärkeren Spielern trainieren müssen, um deren Niveau schnell zu erreichen, ist aus meiner Sicht nicht zielführend. Letztlich muss der Spieler sich im Wettkampf beweisen und nicht im Training. Trainiert beispielsweise ein Spieler mit 2000 TTR-Punkten immer mit einem 2300/2400-Spieler, wird er sich zwar relativ schnell an die höhere Qualität anpassen können, aber im Wettkampf auf seinem Niveau mit anderen Qualitäten und Geschwindigkeiten konfrontiert werden. Die Situation ist also deutlich anders als die Trainingssituation. Jeder kennt das Phänomen des Trainingsweltmeisters. Auch die falsche Auswahl der Trainingspartner kann ein Grund dafür sein.

    Viel wichtiger als die Spielstärke des Trainingspartners ist die Fähigkeit eines Spielers, an seinen Stärken und Schwächen zu arbeiten. Bin ich mir dieser Stärken/Schwächen bewusst, so kann ich auch durchaus mit einem Spieler, der 200 bis 300 TTR-Punkte unter mir eingestuft ist, ein sinnvolles und gutes Training gestalten. Beispielsweise reduziere ich die Geschwindigkeit meiner Spinbälle und arbeite mehr an der genauen, exakten Schlagausführung, an der Spinvariation, oder aber an der Platzierung der Bälle. Ich kann mir auch entsprechende Vorgaben geben, wie z.B. 20/30/40 etc. Mal ohne Fehler zu agieren. Das Arbeiten an der eigenen Sicherheit ist aus meiner Sicht der wichtigste Punkt, um sich gezielt zu verbessern. Die eigene Sicherheit in Kombination mit der Qualität (Rotation, Platzierung und Geschwindigkeit) immer ein Stückchen verbessern: Das ist mein Ansatz, um Spieler zu verbessern und zu formen.

    Wie sieht das ideale Trainingsumfeld aus?

    Im Idealfall sollte das eigene Trainingsumfeld wie folgt aufgebaut sein: möglichst viele unterschiedliche Spielstile, sowohl auf dem eigenen Niveau, als auch etwas oberhalb und unterhalb des eigenen Spielniveaus. Ideal ist es aus meiner Sicht, wenn 50 % der Trainingspartner auf gleichem Niveau agieren und jeweils 25 % stärker und schwächer sind.

    In allen Situationen könnt ihr sowohl technische, taktische, athletische und mentale Aspekte trainieren. Beim Training mit besseren Spielern werdet ihr eure Fähigkeiten/euer Spiel an schnellere, härtere Bälle und allgemein an ein höheres Tempo anpassen. Das höhere Tempo zwingt euch zu schnelleren, aber auch genaueren Bewegungen und ihr werdet euer Passivspiel deutlich verbessern können. Im mentalen Bereich werdet ihr lernen, mit Fehlern umzugehen und euch immer wieder auf die nächste Spielsituation gut vorzubereiten, dass euer Partner von euch höchste Aufmerksamkeit erwarten wird.

    Beim Training mit schwächeren Spielern dagegen habt ihr im technischen Bereich die Möglichkeit, genauer und sauberer zu spielen und die Basistechniken grundsätzlich besser in eure Spielautomatik einzubauen. Ihr gewinnt deutlich an Sicherheit und auch Selbstvertrauen durch mehr Ballkontakte, könnt auch mal neue Dinge ohne Druck ausprobieren und testen. Im taktischen/mentalen Bereich dagegen lernt ihr, mit der Favoritenrolle und dem Druck, zu gewinnen, umzugehen.

    Achtet darauf, dass eure Trainingspartner oder Trainingsgruppe ein ähnliches Spielniveau aufweist (plus minus 200 - 300 TTR-Punkte) und konzentriert euch darauf, entsprechend dem jeweiligen Partnerniveau, das Training sinnvoll zu gestalten und das Optimale aus jedem Training für euch oder eure Gruppe herauszuholen.

    Der Autor:
    Thomas Wetzel ist Cheftrainer des TopSpin Sport TT-Centers in Bad Aibling. In seiner Zeit als Aktiver war er unter anderem Deutscher Meister sowie Nationalspieler im Schüler- und Jugendbereich und feierte Erfolge mit der Bundesligamannschaft des ATSV Saarbrücken. Nach seiner Spielerkarriere war Wetzel von 2005 bis 2014 Verbandstrainer in Bayern, bevor er 2015 mit dem TopSpin Sport TT-Center einen nationalen und internationalen Trainingsstandort schuf. Hier geht's zur Webseite!