Tipp: Das „Wie“ ist entscheidend für die Steigerung

    Wer seine Leistung steigern möchte, sollte weniger auf die Auswahl der Übung als auf die Art der Ausführung achten. Das erklärt Tom Wetzel vom Topspin Sport TT-Center in Bad Aibling in seinem Fortgeschrittenentipp.

    Für Tom Wetzel kommt es weniger darauf an, welche Übung man spielt, sondern wie man sie ausführt (©Wetzel)

    Es gibt im modernen Tischtennistraining unzählige Übungsformen, mit denen man die verschiedenen Bereiche (Technik, Beinarbeit, Taktik etc.) trainieren kann. Im heutigen Tipp möchte ich näher auf die richtige Trainingsgestaltung und die Gewichtung der Übungen eingehen. Aus meiner Sicht ist - egal in welchem Trainingsbereich - nicht die Übung das Wichtigste, sondern die Art der Ausführung das Entscheidende. Das "Wie" entscheidet über den langfristigen Trainingseffekt und Erfolg. Viele Spieler spulen die Übungen nur mechanisch ab und wundern sich, dass sie im Match keine Verbesserung feststellen. 

    Im Nachfolgenden werde ich die einzelnen Trainingsbereiche durchgehen und versuchen, euch eine Art Anleitung zur Trainingsgestaltung an die Hand zu geben. Dies ist natürlich wie immer nicht starr vorgegeben, sondern kann individuell angepasst werden.

      

    Techniktraining:

    Fangen wir mit dem Techniktraining an. Hier geht es um die Automatisierung der Bewegungsabläufe. Eine genaue und saubere Ausführung und vor allem eine matchkompatible Ausführung der Schlagtechniken muss, durch eine möglichst hohe Wiederholungsanzahl, "eingeschliffen" werden. Nehmen wir das Beispiel der Verbindung von Vorhand- und Rückhandtopspin. Hier ist es nicht so wichtig, ob ihr im regelmäßigen Teil 2x VHT / 2x RHT, 1x VHT / 1x RHT oder 3x VHT / 3x RHT... spielt. Es ist viel wichtiger, die regelmäßige Übung möglichst matchnah auszuführen. Das bedeutet bei den angegebenen Übungsfolgen, dass ihr nicht automatisch nach der Schlagausführung in den nächsten, vorgegebenen Schlag übergeht, sondern erst dann die Ausführung des nächsten Schlages einleitet, wenn euer Zuspieler den Ball spielt bzw. gespielt hat. Das erfordert natürlich eine hohe Aufmerksamkeit und Disziplin, weil ihr die eigene Bequemlichkeit überlisten müsst. Daher ist es gerade beim Erlernen dieser Art des Ausführens sehr wichtig, die Geschwindigkeit entsprechend anzupassen und nicht gleich 100 % Tempo zu spielen. Je besser ihr euch in dieser einfachsten/regelmäßigen Ausführung diszipliniert und konzentriert, umso schneller werdet ihr konstante Fortschritte in den halbregelmäßigen und unregelmäßigen Übungsfolgen bemerken. Das wiederum ist entscheidend für den Erfolg im Match.

    Was die Übungen angeht, ist es daher wichtig, vom Einfachen, Regelmäßigen ins Halbunregelmäßige und im weiteren Verlauf ins Unregelmäßige überzugehen. Für das oben angeführte Beispiel bedeutet das, dass ihr von 2/2 oder 1/1 in "1 oder 2"/"1 oder 2" übergeht und später dann ins unregelmäßige Spiel in die Ecken wechselt. Dabei ist klar, dass diese Schritte, je nach Tagesform oder technischer Entwicklung, nicht nur in eine Richtung laufen. Bei Problemen sollte man sich in die entgegengesetzte Richtung bewegen und vom Unregelmäßigen wieder ins Regelmäßige zurückwechseln.

    Beinarbeitstraining:

    Betrachten wir nun einen der wichtigsten Technikbereiche. Beinarbeitsübungen sollten primär zu einer technischen Verbesserung der Fuß-/Schritttechniken führen und nur sekundär die Schnelligkeit/Ausdauer trainieren. Daher ist hier bei der Auswahl der Übungen in reine Schnelligkeits- bzw. Schnelligkeits-/Ausdauer-Übungen (z.B. 3 Punkte Vorhand oder Falkenberg) und Übungen zur Verbesserung der Schritt-/Fußtechniken (z.B. die anhängenden Übungen, siehe unten) zu unterscheiden. Letztere sind wesentlich wichtiger für das Match und sollten eher zu Beginn gespielt werden. Reine Schnelligkeits-/Ausdauer-Übungen sollten eher am Ende des Trainings zum Auspowern integriert werden.

    Auch hier sollte die Ausführungsgeschwindigkeit immer an das individuelle Leistungslevel angepasst werden, so dass die Bewegungsfolgen bewusst und möglichst sauber ausgeführt werden können. 

    Um die Beinarbeit effektiv und matchnah zu verbessern, setzen wir in unseren Einheiten folgende Übungen ein, für dir man hohe Aufmerksamkeit benötigt:

    Übung 1

    Spieler ASpieler B
    2 x VHT aus VH-EckeRHB oder VHB
    2 x VHT aus RH-EckeRHB oder VHB
    1 x VHT aus VH-EckeRHB oder VHB
    1 x VHT aus RH-EckeRHB oder VHB

    Übung 2

    Spieler ASpieler B
    VHT aus 3/4 VH-Seite oder aus 3/4 RH-SeiteRHB oder VHB

    Übung 3

    Spieler ASpieler B
    VHTRHB/VHB unregelmäßig ganzer Tisch

    Taktiktraining:

    Auch im Taktiktraining ist es weniger wichtig, wie ihr das Übungsmuster gestaltet, als vielmehr, welche Aufmerksamkeit eine Übung und die entsprechenden Vorgaben benötigen. Nachfolgend ein klassischer Aufbau des taktischen Trainingsteils:

    1.) Kurzer Aufschlag (20 % lange Aufschläge, gefolgt von freiem Spiel) 

    2a.) Kurzer Rückschlag zur VH-Seite, der Aufschläger antwortet mit einem bestimmten, vorgegebenen Schlag (langer Schupf, Flip oder nochmals kurz legen), gefolgt von freiem Spiel.

    2b.) Langer Rückschlag (wahlweise Schupf oder Flip) zur RH-Seite, der Aufschläger antwortet mit RHT oder VHT, gefolgt von freiem Spiel. 

    Der Aufschläger kann sich dabei auf zwei mögliche Rückschlagplatzierungen und zwei Rückschlagvarianten vorbereiten. Um das "Wie", sprich die Aufmerksamkeit, in den Fokus zu nehmen, ist es wichtig, dass der Aufschläger sich vor der Ausführung bewusst auf diese Varianten vorbereitet, um mit einem qualitativ hochwertigen Schlag antworten zu können. Spielt der Aufschläger diese Übung dagegen unbewusst und ohne die entsprechende Aufmerksamkeit, so wird er auch im Spiel mögliche Rückschlagvariationen des Gegners nicht bewusst wahrnehmen können. 

    Diese Übung ist für uns ein Grundgerüst des taktischen Trainings. Sie ist individuell erweiterbar oder auch veränderbar.

     

    Zusammenfassend kann man somit festhalten, dass im Tischtennistraining oftmals nicht so entscheidend ist, welche Übungen man spielt, sondern es vielmehr auf die richtige Ausführung und geistige, mentale Präsenz des Spielers ankommt. Die Aufgabe des Trainers ist es dabei, das Training so zu gestalten und anzupassen, dass dies den Spieler nicht überfordert. Überforderung führt zu stupidem Abspulen. Der Spieler hat zwar das Gefühl, hart zu trainieren, merkt aber, spätestens in den Wettkämpfen, keine Leistungssteigerung.

    Der Autor:
    Thomas Wetzel ist Cheftrainer des TopSpin Sport TT-Centers in Bad Aibling. In seiner Zeit als Aktiver war er unter anderem Deutscher Meister sowie Nationalspieler im Schüler- und Jugendbereich und feierte Erfolge mit der Bundesligamannschaft des ATSV Saarbrücken. Nach seiner Spielerkarriere war Wetzel von 2005 bis 2014 Verbandstrainer in Bayern, bevor er 2015 mit dem TopSpin Sport TT-Center einen nationalen und internationalen Trainingsstandort schuf. Hier geht's zur Webseite!