Taktiktipp: Wie wehrt man sich gegen Bälle auf den Ellbogen?

    Ellbogen angespielt? So reagierst du richtig: Mit Bewegung, klugen Entscheidungen und gezieltem Training entschärfst du den Wechselpunkt, der viele vor Probleme stellt, und machst ihn bestenfalls sogar zu deiner eigenen Stärke. Martin Adomeit hat die Erklärung.

    Sämtliche Bundesligaspieler um Ochsenhausens Andreas Levenko kennen die Situation zu gut. (© Schaal)

    Im Spiel kommt es immer wieder zu Situationen, in denen der Gegner gezielt den Ellbogen anspielt – also genau den Bereich, in dem man nicht eindeutig weiß, ob man Vorhand oder Rückhand einsetzen soll, den sogenannten Wechselpunkt. Erkennt man diese Taktik, gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Waffe unwirksam zu machen oder dem Gegner zumindest deutlich zu erschweren.

    Ein wichtiger Ansatz ist die eigene ständige Bewegung. Durch kleine Anpassungen und Verlagerungen verschiebt man den Wechselpunkt immer wieder und macht es dem Gegner schwer, diesen gezielt zu treffen. Zusätzlich kann man ihn durch Variation in Rotation und Platzierung so stark beschäftigen, dass er sich gar nicht mehr voll auf dieses Ziel fokussieren kann.

    Eine weitere, nicht ganz einfache, aber entscheidende Komponente ist die richtige Bewertung eigener Entscheidungen. Im Kopf sollte der Prozess lauten: Ich entscheide mich erst, wenn ich sehe, was passiert. Wer stattdessen denkt: Den Ball hätte ich mit Vorhand spielen müssen, obwohl er ihn mit Rückhand genommen hat, programmiert den nächsten Fehler bereits vor. Das Gehirn stellt sich auf diese vermeintlich „richtige“ Lösung ein – und beim nächsten Ball, der nur leicht in die Rückhand geht, wird dann möglicherweise fälschlicherweise die Vorhand gewählt.

    Der wichtigste Bestandteil, um im Ellbogen sicher oder sogar zu seinem Vorteil zu agieren, ist jedoch das gezielte Training dieser Situation. Dabei spielen die richtigen Platzierungen eine zentrale Rolle.

    Agiert man im Ellbogen im letzten Moment mit der Vorhand, ist in der Rechts/Rechts-Paarung eine Platzierung in die Rückhand des Gegners sinnvoll – und das aus mehreren Gründen: Zum einen ist es, unabhängig von Schlagart (Block, Topspin oder Schupf), deutlich einfacher, den Ball in die weite Rückhand zu spielen, da der Ellbogen eng am Körper liegt. Zum anderen kann die Platzierung gut mit Seitschnitt unterstützt werden. Außerdem bewegt sich der eigene Körper ohnehin eher in Richtung Rückhand – und man möchte unbedingt vermeiden, im nächsten Ball in die tiefe Vorhand ausgespielt zu werden.

    Umgekehrt gilt: Wird der Ball im Ellbogen mit der Rückhand gespielt, ist die Platzierung in die Vorhand des Gegners meist die bessere Wahl. Der Schlag fällt leichter, und gleichzeitig nimmt man dem Gegner die Möglichkeit, den nächsten Ball extrem in die eigene Rückhand zu platzieren.

    All diese Abläufe passieren im Wettkampf extrem schnell und lassen sich kaum bewusst steuern. Umso wichtiger ist es, diese Situationen im Training immer wieder zu wiederholen, um die Entscheidungsprozesse zu automatisieren. Mit zunehmender Erfahrung wird man feststellen, dass man auch in schwierigen oder ungewohnten Positionen in der Lage ist, qualitativ gute Bälle zu spielen.

    1. Übung: R auf KA mit SCH vom WP

    Spieler BSpieler A
    KA auf WP (LA in Ecken - frei)VHSCH in RH / RHSCH in VH
    T überallB/T andere Ecke als R
    frei
    Bei dieser Übung sollen die Rückschläge auf die KA weit nach außen platziert werden. Um diese Entscheidungen nicht zu früh zu treffen, sollten immer wieder lange A in die Ecken eingesetzt werden. Die Rückschläge lassen sich auch mit Seitschnitt spielen. Ebenso kann der Rückschläger gut in der Länge variieren. Mal halblang, mal sehr aggressiv lang. Natürlich kann man diese Übung auch gut mit F oder mit freiem Rückschlag, (F oder SCH) spielen.

    2. Übung: Passivspiel vom WP

    Spieler BSpieler A
    2-8x VHT 1:1 in EckenB in TMi
    VHT auf WPVHB in RH / RHB in VH
    frei
    In dieser Übung spielt der Gegner zunächst nach außen, dann plötzlich auf den WP. Dieser Ball wird dann mit VH in RH oder mit RH beantwortet. Dies kann auch mit Seitschnitt oder Seitunterschnitt kombiniert werden

    3. Übung: Passivspiel vom WP in der Eröffnungssituation

    Spieler BSpieler A
    KA überallLR in TMi
    VHT auf WPVHB/T in RH // RHB/T in VH (T in Ecken - frei)
    frei
    Auch hier geht es darum, VH vom WP in RH und RH vom WP in VH zu automatisieren. Damit der Spieler A seine Entscheidungen nicht zu früh treffen kann, sollte der Spieler B auch immer mal wieder in die Ecken eröffnen.

    4. Übung: Aktivspieler vom WP - 2-5x kurz-kurz

    Spieler BSpieler A
    F auf WP (F in Ecken - frei)VHT in RH/RHT in VH
    frei
    Nun geht es um Eröffnungen vom Wechselpunkt. Um den Zeitdruck zu erhöhen, spielt der Spieler B F auf den Ellbogen. Dies ermöglich es aber auch, das Tempo in einer kurzen Bewegung mitzunehmen und so auch die Eröffungen gut mit einer Seitschnittvariation zu spielen. 

    Der Autor
    Martin Adomeit war Nationaltrainer in vier verschiedenen Nationen (Deutschland, Luxemburg, Belgien und Nigeria) und gewann mit allen Nationen Medaillen und Titel bei Welt-, Europameisterschaften oder African Games. 1998 wurde er in Deutschland Trainer des Jahres. Jetzt arbeitet der 61-jährige Lippstädter als freiberuflicher Trainer. Er führt unter anderem Lehrgänge für Vereine, Bezirke oder Verbände durch, gibt Einzeltraining und betreibt einen der wenigen unabhängigen TT-Shop. Hier führt er Beratungen und Verkauf nahezu aller gängigen Tischtennismarken durch. Zudem führte er zuletzt zahlreiche Maßnahmen für den DOSB in Afrika und Asien durch und arbeitet als Berater und Werbeträger von Victas. Zu erreichen ist Martin per Telefon unter 02941-273385, per Mail unter ttcenterlippstadt@faszination-tischtennis.de oder unter WhatsApp (01608120572).